New York im Jahr 1952: Der Undercover-Agent Jack Kale (Peter Gallagher) sucht im Nachtclub
El Casbah nach Zuhältern der High Society. Er trifft auf Ray Davioni (John Spencer), der ihn zu einer Liaison mit Prostituierten einlädt. Zudem macht Kale die Bekanntschaft des Playboys Mickey Jelke (Frank Whaley), der zum Inventar des Clubs gehört und von seinen Eltern ausgehalten wird. Jelke lernt die reizende Pat Ward (Lara Flynn Boyle) kennen, die ihn rasch in ihre Netze spinnt. Bald will Kales Vorgesetzter Anthony Liebler (Paul Guilfoyle) wissen, wie die Sache steht. Ein Skandal mit Publicity nutzte nicht nur dem Kolumnisten Milton Macka (Zach Grenier) sondern würde im Wahljahr auch dem Kandidaten in die Hände spielen, der im konservativen politischen Klima eine Säuberung im Dienst von Anstand und Moral für sich verbucht. Jack Kale begreift, dass man dafür einen Schuldigen auch zu kreieren bereit wäre. Mickey Jelke erkennt, dass nicht mal Pat diejenige ist, für die er sie hatte halten sollen...
“Cafe Society," which remembers a real-life sex scandal that rocked New York City (…) is the rare 50s period piece that gets it right, from the little red-shaded lamps on the cramped tables of El Casbah to the slithery come-hither sexual signals of a more repressed era” , schrieb Stephen Holden 1997 für The New York Times. Dennoch ist das heute ein nahezu vergessener Film und ein echter Geheimtipp! Mit seinen Intrigen voller Korruption und Bigotterie ist er Curt Hansons Neo Noir L.A. Confidential (USA 1997) verwandt. Auch spielt die Handlung im gleichen Jahr, nämlich 1952, doch war der mit einem weit geringeren Budget gedrehte Cafe Society ein Flop. Dabei verzeichnet er neben einem exzellenten Drehbuch auch erstklassige Schauspieler, allen voran Lara Flynn Boyle (Red Rock West, USA 1993) in der komplexen Rolle der Pat Ward. Dazu Frank Whaley (Pulp Fiction, USA 1994) und John Spencer (Cop Land, USA 1997), die als ölige Salonlöwen famos auftrumpfen. Sein Film-Noir-Flair verdankt sich zu großen Teilen dem Kameramann Michael Mayers und dessen Einsatz von Schwarzweiß, u.a. mit Dokumentaraufnahmen aus dem New York der Fünfziger.
Neben einer Femme fatale, undurchsichtigen Halbweltcharakteren und korrupten Polizisten erinnert das Sujet der Erpressung und Medienmacht an
Dein Schicksal in meiner Hand (USA 1957), ein schmieriges Fotostudio an
Geheimagent T (USA 1947) und das Szenario aus Vertrauen vs. Verrat an
Sprung in den Tod / Maschinenpistolen (USA 1949). Jelkes Apartment, dieser Ort namens
Cafe Society, lässt an Alfred Hitchcocks
Cocktail für eine Leiche (1948) denken, wo es gleichermaßen im Studio den Blick über die Metropole eröffnete. Hier liegt die Schwäche des Films: Studiorequisiten und wenige Außenaufnahmen lassen einerseits B-Film-Atmosphäre, andererseits kaum New-York-Präsenz aufkommen. Im Unterschied zu
L.A. Confidential legt Raymond de Felittas Film den Akzent nicht auf den Kriminalfall sondern auf seine Charaktere und deren Bigotterie. Aber Systemkritik gepaart mit Sexszenen, sind sie auch nicht explizit, liegen dem US-Publikum bis heute nicht. Dabei ist das Ende so intelligent wie nur wünschenswert und rundet einen stimmungsvollen, stilsicheren Neo Noir im Retrokleid der Semidokumentation, der auf einer wahren Geschichte beruht und sich bei deren Biografien bedient. Bleibt nur mehr der Hinweis auf den Jazz, alt und neu, der in vielen Einstellungen die Bilder wunderbar ergänzt.
EOne Films Benelux / RCV Entertainment bringt eine erstklassige DVD-Ausgabe (2009), ungekürzt und im Originalformat 4:3 und bildtechnisch topp, die neben dem gut verständlichen, englischen Originalton holländische Untertitel beinhaltet. Für den Film-Noir-Freund unbedingt empfehlenswert!