Red Rock West

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
****
Originaltitel
Red Rock West
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1993
Darsteller

Nicolas Cage, Dennis Hopper, Lara Flynn Boyle, J.T. Walsh, Timothy Carhart

Regie
John Dahl
Farbe
Farbe
Laufzeit
94 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Universal Pictures
 
Auf einer Landstraße mitten in Wyoming erwacht der arbeits- und mittellose Drifter Michael Williams (Nicolas Cage) nach einer Nacht im Auto. Der ex-GI hat ein kaputtes Bein, das er dehnen und strecken muss, bevor er zu jener Ölförderung inmitten der Wüste weiterfährt, wo ihm der Arbeiter Jim (Craig Reay) einen Job versprochen hat. Aber nachdem Michael sein Bewerbungsformular ausgefüllt hat, stellt Vorarbeiter Johnson (Vance Johnson) fest, dass er jenen mit seiner Beinverletzung hier nicht beschäftigen darf. Mit noch 5 Dollar in der Börse fährt Michael an die nächste Tankstelle und lässt sich vom Tankwart (Bobby John McFadden) den Tipp geben, er solle im nahe gelegenen Red Rock nach einem Job Ausschau halten. Und so rollt Michael an diesem Morgen vor die Red Rock Bar, hievt sich auf einen Barhocker und bestellt einen Kaffee. Der Inhaber Wayne Brown (J.T. Walsh) hat ihn und seinen im Bundesstat Texas zugelassenen Wagen von seinem Platz hinterm Tressen bereits erspäht. Als der Gast seinen Kaffee trinkt, fragt er ihn, warum er erst jetzt komme, er habe doch Freitag letzter Woche hier sein wollen. Michael widerspricht nicht, ist aber erstaunt, worauf Wayne nachfragt, ob er nicht wegen des Jobs komme, was Michael spontan bejaht. Er sagt nochmal „Ja.“, als Wayne sich erkundigt, ob er auch Lyle sei. Da bittet ihn Wayne in sein Büro, lässt sich hinterm Schreibtisch nieder, schiebt ihm ein Bündel Banknoten in Höhe von 5000 Dollar und ein Foto seiner Ehefrau Suzanne Brown (Lara Flynn Boyle) rüber. Dann erklärt er Lyle, wie er es am besten anstellen solle, indem er es nach Einbruch aussehen lasse und das Haus ein bisschen in Unordnung bringe. Und weil der Mord keine für die Polizei nützlichen Spuren hinterließe, könne man es irgendeinem Drifter in die Schuhe schieben, wie sie so hin und wieder durch Red Rock kämen…
 
Neben David Lynch und den Gebrüdern Coen war John Dahl in den Spätachtzigern einer der ersten, die jene Welle des Neo-Noir-Kinos in der ersten Hälfte der Neunziger mit vorbereitete. Sein Kill Me Again / Töten Sie mich (USA 1989) war ein dynamischer, fieser B-Film von Neo Noir, der als stilbildend und zukunftsweisend gelten darf. Auch The Hot Spot - Spiel mit dem Feuer (USA 1990) muss erwähnt werden, dessen Grundbausteine der Handlung sich in Red Rock West teils wiederfinden und dessen Regisseur Dennis Hopper in John Dahls zweitem Regiewerk und zweitem Neo Noir eine tragende Rolle übernahm. Wer Dahls Film heute sieht, mag ihn in der Retrospektive als für seine Zeit typisch beurteilen. Damals aber markierte die Wiederkehr des B-Films als Neo-Noir-Thriller einen Widerspruch zu den High-Tech-Produktionen Hollywoods, all den mit Riesenaufwand inszenierten Spektakeln, die inzwischen ganz die 3D-Arenen beherrschen und das klassische Erzählkino ablösten. Auch mit seiner Musik von Johnny Cash, Dwight Yoakam, Buddy Cannon & Luke Reed oder Billy Bacon & The Forbidden Pigs, komplementär zum Blues in Hoppers The Hot Spot - Spiel mit dem Feuer (USA 1990), markierte Red Rock West seine Verwurzelung im Kontext US-amerikanischer Geschichte(n) voller schräger Vögel und abgründiger Verhältnisse. Diejenige des einsamen Veteranen Michael, dessen Leben durch die Kriegsverletzung zunehmend aus den Fugen geriet, erweist sich im Rekurs auf u.a. Im Netz der Leidenschaften / Die Rechnung ohne den Wirt (USA 1946) als eine hundertprozentige Tour de force von Film Noir.
 

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© Concorde Home Entertainment GmbH
 
Hier kommen John Dahl nicht nur sein knackiges Drehbuch und die daraus resultierende Dramaturgie sondern auch paar weitere Entscheidungen zugute. Das Casting für Red Rock West ist bemerkenswert. Nicolas Cage wirkt so abgehalftert und desillusioniert wie Tom Neal in Detour (USA 1945), J.T. Walsh war eine immer zuverlässige Größe des Kinos der Neunziger und Dennis Hopper ist so drahtig aggressiv wie nur irgend möglich. Und auch Lara Flynn Boyle (Cafe Society, USA 1995) kann als Femme fatale voll überzeugen, mit ihren nur 22 Jahren charaktervoll und ausdrucksstark - heute kaum noch zu erkennen, weil eins der schlimmsten Botox-Wunder Hollywoods. Vor allem aber ist es der funkensprühende Zynismus, den John Dahls Dialoge ihren Vorbildern der klassischen Ära des Film Noirs entlehnten, der den kleinen Film zu einer Perle in der Kinogeschichte der Neunziger erhebt. Im Abschluss leider übertrieben und dramaturgisch allzu aufgeputscht – Parallelen zu Walter Hills Johnny Handsome - Der schöne Johnny (USA 1989) drängen sich auf – erweist sich Red Rock West für alle Freunde des Neo Noirs als sehenwerter Mittelteil jener Film-Noir-Trilogie John Dahls, dessen Die letzte Verführung (USA 1994) ein Jahr später den wieder hochwertigen Schlusspunkt setzte.
 
Erwartungsgemäß exzellente DVD-Ausgabe der Universal Pictures Germany (2010) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu Tonspuren auf Deutsch und Englisch und den Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 1993 | USA | John Dahl | Dan Shore | Dennis Hopper | J. T. Walsh | Nicolas Cage | Lara Flynn Boyle

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