Ausgestoßen

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
*****
Originaltitel
Odd Man Out
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

James Mason, Kathleen Ryan, Robert Newton, F. J. McCormick, Robert Beatty

Regie
Carol Reed
Farbe
s/w
Laufzeit
112 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Zwecks Finanzmitteln für den bewaffneten Kampf gegen die die britischen Besatzer plant Johnny McQueen (James Mason), Kopf einer nordirischen Widerstadsorganisation, einen Banküberfall. Johnny, vor sechs Monaten aus dem Gefängnis ausgebrochen, verbirgt sich in der Hauptstadt bei Kathleen Sullivan (Kathleen Ryan) und ihrer Großmutter (Kitty Kirwan). In seiner Kammer empfängt er die Gefährten, allen voran Freund Dennis (Robert Beatty), und geht den Plan mit ihnen durch. Aber aufgrund eines Schwindelanfalls erschießt Johnny beim Überfall einen Wachmann und wird von seinen Kumpanen getrennt. Schwer verwundet muss er sich vor der Polizei verstecken, die unter Führung eines cleveren Inspectors (Denis O’Dea) zur Jagd auf ihn ansetzt und die Stadt systematisch durchkämmt. Als seine Freunde ihm zu Hilfe kommen wollen, geraten sie einer nach dem anderen selbst in das Netz der Häscher – der eine durch einen Zufall, andere durch den Verrat von Rosie (Fay Compton), deren Glücksspiel im Hinterzimmer von der Polizei genau für solche Zwecke geduldet wird. Für McQueen, der dringend ärztliche Hilfe benötigt, wird die Lage zunehmend aussichtslos. Da beschließt Kathleen, die Johnny insgeheim liebt, sich ihrerseits auf die Suche zu begeben und ihn zu retten…
 
Die IRA und Belfast werden im Film nirgendwo genannt. Dennoch ist klar, dass der Film genau solchen Ausschnitt der europäischen Verhältnisse 1947 vor die Kamera bringt. Dafür ist er explizit unpolitisch, entwirft kein ideologisches Programm und befasst sich in keiner Weise mit den Hintergründen des Befreiungskampfes. Anhand des Schicksals von Johnny McQueen wird die Jagd auf einen Menschen, den die Gesellschadft rundum von sich stößt, jedoch zu einem Panoptikum, darin Fanatismus, Gnadenlosigkeit und Amoralität auf allen Seiten mit der Liebe eines Mädchens tragisch in Konflikt geraten. Für solch komplexe Anlage eines Dramas bedarf es eines erstklassigen Dirigenten – und der ist Carol Reed. Ausgestoßen ist das erste seiner Meisterwerke aus den Spätvierzigern und nimmt an Film-Noir-Stil und Film-Noir-Themen vieles vorweg, was in Der dritte Mann zu voller Blüte kommt.
 
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© Koch Media GmbH
 
Die Charaktere Johnny McQueen und Harry Lime sind nur einen Steinwurf voneinander emtfernt und fanden jeweils Darsteller, die solche grandios zur Wirkung bringen. Auch ansonsten ist das Ensemble durchweg stimmig - mit Robert Beatty, F.J. McCormick und Cyril Cusack einer gesonderten Erwähnung wert, zumal sie in Deutschand kaum bekannt sind. Neben Reed trägt auch Kameramann Robert Crasker (ebenso für Der dritte Mann, 1949) dazu bei, das großteils nächtliche, verregenete und schließlich verschneite Belfast mit harten Schatten zu bevölkern, die vielfach in Bewegung geraten. Ein wahrhaft dunkler Film, optisch und psychologisch voller Abgründe. Konträr zu den vom Hayes-Code beschnittenen US-Produktionen jener Jahre, gelang es Carol Reed mit Ausgestoßen einen Film zu produzieren, der auch im Finale konsequent stimmig bleibt: "So sehr hat sich das Bild einer altmodischen britischen Filmindustrie eingebrannt", resümiert Thomas Willmann in seinem vorzüglichen Essay zu Ausgestoßen, der im Innenteil der deutschen DVD von Koch Media abgedruckt ist, "dass sich erst in jüngerer Zeit - dank Aufsätzen, Büchern, Retrospektiven - die Erkenntnis durchzusetzen beginnt, dass es in England nicht nur vereinzelte, eher zufällige film noirs gab, sondern eine regelrechte schwarze Serie, die der aus den USA nicht nachstand."
 

Die UK-DVD (2006) von Network überzeugt mit ungekürzten 112 Minuten Spielzeit im Originalformat, 1A Bildqualität, haufenweise Extras inkl. eines Interviews mit James Mason aus dem Jahr 1972, dazu ein 24-seitiges Booklet mit einem Aufsatz von Steve Rogers, doch nur mit englischer Tonspur ohne Untertitel. Inzwischen gibt es aus der edlen und stets hochwertig editierten Reihe Film Noir Collection der Koch Media GmbH auch eine deutsche Edition (2011) des englischen Klassikers im Digi-Pack und mit dem o.a. Essay Thomas Willmanns in einem 12-seitigen Booklet, deutsche und englische Tonspur ohne Untertitel, ungekürzt und ebenfalls bildtechnisch topp im Originalformat, sowie mit dem Drehbuch als 130-seitiges Skript im pdf-Format und einer Bildergalerie mit Postern und Filmfotos als Extras.

 

Film Noir | 1947 | UK | Carol Reed | Denis O'Dea | Geoffrey Keen | James Mason | Robert Beatty | Robert Newton | William Hartnell | Kathleen Ryan

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