Cop Land

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Bewertung
****
Originaltitel
Cop Land
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1997
Darsteller

Sylvester Stallone, Harvey Keitel, Ray Liotta, Robert De Niro, Peter Berg

Regie
James Mangold
Farbe
Farbe
Laufzeit
111 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Garrison, New Jersey, heißt das Städtchen direkt außerhalb von New York, wo die Polizisten des NYPD am Abend in ihre Einfamilienhäuser fahren und wo sie vor dem Schmutz und den Menschen der Großstadt in Sicherheit sind. Hier ziehen sie ihre Kinder groß, hier treffen sie sich abends in dem Pub 4 Aces, wo Sheriff Freddy Heflin (Sylvester Stallone) zu Gast ist und der geachtete Ray Donlan (Harvey Keitel) das Wort führt. Donlan hat Cops wie Jack Rucker (Robert Patrick) und Leo Crasky (John Spencer) um sich geschart, die die Interessen des NYPD in Garrison zu wahren und zu vertreten wissen. Es war auch Donlan, der vor 10 Jahren Heflin den Job als Sheriff des Ortes verschaffte. Jener hat einst der mit Joey Randone (Peter Berg) verheirateten Liz (Annabella Sciorra) das Leben gerettet, als sie mit ihrem Wagen von der Washington Bridge in einen Nebenarm des Hudson Rivers fuhr und der Unfallzeuge Freddy Heflin spontan zu ihr hinabtauchte und sie aus ihrem Wagen befreite. Seither ist Heflin auf einem Ohr taub und konnte aufgrund dessen beim NYPD keine Karriere mehr machen. Als Sheriff des Ortes führt der Mann ein eher zurückgezogenes Dasein und feiert heute allein vor dem Flipperautomaten im 4 Aces seinen Geburtstag. Auch Gary Figgis (Ray Liotta) ist hier und lässt sich von der Polizistin Berta (Edie Falco) unbemerkt eine Tasche übergeben. Indessen verlässt Murray Babitch (Michael Rapaport) in New York eine Diskothek und wird auf dem Weg nach Garrison im Tunnel vor der Washington Bridge von einem Sportwagen absichtlich gerammt. Babitch zieht seine Dienstwaffe…
 
“What you’re feelin’ right now, Freddy, - friendless, angry, nervous, misunderstood - this is it, this is the life.” In den mehrteiligen Filmreihen Rocky (USA 1976 - 2006) und Rambo (USA 1982 - 2008), jeweils zwischen dröge konventionell und erzreaktionär, erwarb sich Sylvester Stallone neben Arnold Schwarzenegger und Steven Seagal einen Ruf als einer der talentlosesten Hollywoodstars (und Hollywoodregisseure) aller Zeiten. Und doch gibt es Cop Land, wo der für die Rolle des Sheriffs Freddy Heflin perfekt gecastete Stallone nach Überzeugung vieler Kritiker die Rolle seines Lebens spielt. An der Seite von Größen wie Ray Liotta, Harvey Keitel und Robert De Niro läuft Stallone als vom Leben geprügelter, phlegmatischer Provinzpolizist zu einiger Form auf. Das Meiste jedoch verdankt der Film seinem Skript und seiner Regie, für die in Personalunion James Mangold (Identität - Identity, USA 2003) verantwortlich ist. Dass Cop Land in der Sekundärliteratur zum Film Noir weitgehend ausgespart bleibt, dafür in der Liste der Neo-Noir-Titel bei Wikipedia vorkommt, heißt natürlich nichts. Aber Cop Land weist thematisch und stilistisch viele Parallelen zum klassischen Film-Noir-Kino der Spätvierziger auf – einen Erzähler aus dem Off, mehrere Rückblenden, den einsamen Protagonisten Heflin, ein Mann mit Vergangenheit und ohne große Zukunft, die in komplexe Strukturen der Korruption verstrickte Kleinstadt, wo zuletzt niemand wirklich ist, der er zu sein scheint, und dennoch jeder mehr weiß, als der auf einem Ohr taube Sheriff. Sein körperliches Gebrechen ist ein Symbol für seine isolierte Position in Garrison, die Stadt der NYPD-Cops, die sich allesamt noch durch ihre Uniform von ihm unterscheiden. Wie der Einstieg an Tony Scotts Neo Noir True Romance (USA 1993) denken lässt, so sehr ist das Finale von Delmer Daves’ Western Noir Zähl bis drei und bete (USA 1957) inspiriert, - inklusive Darsteller Van Heflin als Namensstifter für Freddy Heflin - dessen Remake Todeszug nach Yuma 2007 tatsächlich von Regisseur James Mangold inszeniert wurde.
 
Bild Bild Bild
© Studiocanal GmbH
 
Von den vier männlichen Hauptdarstellern, die auch das deutsche Filmposter zierten, war 1997 nur Ray Liotta noch unter 50 Jahre alt. Aber das tut dem Film keinen Abbruch, im Gegenteil. Als Freddy Heflin ist Sylvester Stallone fettleibig, bandagiert und offensichtlicht nicht der Hellste. Harvey Keitel vibriert in seiner Rolle; als Badass kehrte er ab Bad Lieutenant (USA 1992) auf die Leinwand zurück. Und Ray Liotta ist im Grunde immer ein Genuss. Cop Land ist ein durchdachter und dramaturgisch schlüssig umgesetzter Cop-Thriller mit starken Film-Noir-Anklängen. Ein Meisterwerk ist er nicht, dafür fehlt ihm insbesondere im konventionell inszenierten Finale die Raffinesse und der Mut. Dennoch gibt es auch sprachlich Anklänge ans Noir-Kino der Vierziger, die man unbedingt im Original genießen sollte, da die deutsche Synchronisation auch in diesem Fall keinesfalls zu empfehlen ist: “You don't go down Broadway to get to Broadway. You zig! You zag!”
 
Exzellente Neuausgabe auf BD und auf DVD (2012) der Studiocanal GmbH, Berlin, mit dem Director’s Cut des Films in ungekürzter Spielzeit und im Originalformat, je deutsche und englische Tonspuren und Untertitel, dazu Audiokommentare, ein Making of, geschnittene Szenen, Kinotrailer, etc. als Extras. Empfehlenswert!
 

Neo Noir | 1997 | USA | James Mangold | Harvey Keitel | John Spencer | John Ventimiglia | Method Man | Michael Rapaport | Paul Calderón | Peter Berg | Ray Liotta | Robert De Niro | Annabella Sciorra | Deborah Harry

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