Hit, The / Die Profi-Killer

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Bewertung
****
Originaltitel
The Hit
Kategorie
Neo Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1984
Darsteller

John Hurt, Tim Roth, Laura del Sol, Terence Stamp, Fernando Rey

Regie
Stephen Frears
Farbe
Farbe
Laufzeit
94 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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London: Im Prozess gegen den Gangsterboss Mr. Corrigan (Lennie Peters) sagt Willie Parker (Terence Stamp), an mehreren von Corrigans Banküberfällen beteiligt, als Zeuge der Anklage aus und bekommt dafür Straffreiheit zugesichert. Im Gerichtssaal stimmen die von Parker verratenen Kumpanen den Gassenhauer  We’ll Meet Again an und lassen wissen, dass sie sich an ihn erinnern werden… Zehn Jahre später lebt Willie Parker in Spanien, fern von allem Trubel in der Nähe eines Dorfes, wo der zum Bücherwurm und Einsiedler mutierte ex-Verbrecher vom Polizeibeamten Juan (Manue de Benito) beschützt wird. Eines Tages löst sich nach Besuch des Marktes Juans Fahrradkette und er kann dem darüber amüsierten Parker nicht sofort folgen. Der radelt voraus und wird in seinem Domizil von vier Eindringlingen (Enrique San Francisco, Joaquín Alonso, José Luis Fernández, Camilo Vilanova) überwältigt, die ihn ins Auto zerren und davonrasen. Beim Versuch, die Kidnapper mit vorgehaltener Waffe zu stoppen, wird Juan überfahren. Auf einer staubigen Piste hält der Wagen schließlich an und von einem in zerklüfteten Hügeln gelegenen Aussichtspunkt beobachtet Mr. Braddock (John Hurt), ob kein Verfolger naht. Sodann fahren er und sein Gehilfe Myron (Tim Roth) an den Kidnappern vorbei bis zu einer Bauminsel. Hier findet die Übergabe statt. Parker wird ins andere Auto gezerrt; Braddock und Myron übegeben den Kidnappern einen Koffer. Doch statt des versprochenen Geldes befindet sich eine Bombe darin, die Sekunden später detoniert. Indessen suchen die Engländer mit dem Entführten das Weite…
 
„The Hit ist eine Mixtur aus britischem Gangsterfilm, Neo-Noir und philosophischem Road Movie, der ganz beiläufig Rollenklischees begräbt“, heißt es bei infomedia-sh.de und vor allem letzteres ist triftig formuliert. Schon 15 Jahre lang war Stephen Frears ein Fernsehregisseur für alle möglichen Serienformate, als er 1984 mit The Hit seinen dritten Kinofilm vorlegte. Frears Spielfilmdebüt Auf leisen Sohlen (UK 1972) hatte ihn als Film-Noir-Freund ausgewiesen und mit The Hit - er wurde angeblich auch unterm Alternativtitel Die Profi-Killer in deutschen Kinos gezeigt - folgte er diesem Pfad konsequent. Die Unmöglichkeit, der eigenen Vergangenheit zu entkommen oder sie im Gegenzug mit neu gewonnen Erkenntnissen zu bewältigen, ist das Generalthema in der Auseinandersetzung von Willie Parker und Braddock. Die beiden offenbaren jedoch vor allem im Verhältnis zu Anderen, in dem Fall zu Myron und zur ebenfalls jungen Spanierin Maggie (Laura del Sol), ihre wahre Natur. Wer täuscht wen? Wer lässt sich täuschen? Der Film zieht seine Qualitäten aus mehreren Quellen. In erster Linie ist es das Drehbuch aus der Feder von Peter Prince, - wie Frears zuvor ein Mann des Fernsehens - das den Zuschauer mehr als nur einmal überrascht. So ist es das Unvorhersehbare, die Absage an bekannte Versatzstücke des Gangster- und Thrillerfilms, das Autor und Regisseur gelingt und im geruhsamen Fortschreiten seiner Handlung kontinuierlich einen Spanungsbogen schlägt. The Hit ist ein Kammerspiel - auf seine vier Hauptakteure fokussiert. Fernando Rey (French Connection / Brennpunkt Brooklyn, USA 1971) ist als polizeilicher Ermittler zwar zu sehen, spricht aber keinen einzigen für den Zuschauer verstehbaren Satz.
 
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© Studiocanal GmbH
 
“I think you’re crazy, but I admire your attitude.“ Qualitäten gibt es, wie angekündigt, noch weitere. Es gibt das im Intro erklingende Thema Eric Clapton inklusive Untermalung von Roger Waters; es gibt die Gitarrenmusik von Paco de Lucia. Auch lebt der Film von wunderbaren Impressionen Spaniens, die Kameramann Mike Molloy in teils bestechenden Bildern einzufangen weiß, ob nun in Madrid oder in den Weiten der Natur – überall drückt sich der präzise Blick für die Schaupläze aus. John Hurt liefert als Braddock eine wunderbare Darstellung, völlig alters- und zeitlos, der wiederum Tim Roth und Terence Stamp durchaus das Wasser reichen können. Und Stephen Frears Regie zeigt mit ungemeiner Gelassenheit, dass Coolness und Anspruch niemals auf dem kurzen Weg zur Vollendung gelangen, sondern dass es Arbeit erfordert. The Hit, seinerzeit kein Erfolg, den Stephen Frears erst im Jahr darauf mit der Komödie Mein wunderbarer Waschsalon (UK 1985) verbuchen konnte, schlittert für mich dennoch am Meisterwerk knapp vorbei, denn hierfür hätte ich mir die Charaktere noch schärfer ausgefeilt gewünscht. Unübersehbar ist der impulsgebende Einfluss auf Jim Jarmuschs The Limits Of Control - Der geheimnisvolle Killer (USA/JPN 2009), - mit John Hurt in einer Nebenrolle - der dem Vorbild aber meilenweit hinterher hinkt. Für Liebhaber des Neo Noirs bleibt The Hit eine ungewöhnliche Ergänzung in dessen internationalem Repertoire.
 
Die deutsche DVD-Ausgabe der Studiocanal GmbH (2008) ist rundum empfehlenswert - mit dem Film im Originalformat inklusive deutscher und englischer Tonspur und optional deutschen Untertiteln. Als Extras gibt es Audiokommentare von Frears und Prince, den Kinotrailer, Fotogalerien und eine Kurzbiografiie zu Tim Roth.
 

Neo Noir | 1984 | UK | Stephen Frears | Tim Roth | Terence Stamp | John Hurt | Fernando Rey

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