Auf leisen Sohlen

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Bewertung
***
Originaltitel
Gumshoe
Kategorie
Neo Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1971
Darsteller

Albert Finney, Billie Whitelaw, Frank Finlay, Janice Rule, Carolyn Seymour

Regie
Stephen Frears
Farbe
Farbe
Laufzeit
86 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Columbia Pictures
 
Liverpool, England: Abend für Abend besorgt der verhinderte Comedian Eddie Ginley (Albert Finney) im Broadway Club die Ansagen für die dortigen Attraktionen und arbeitet als Bingo Caller. Abend für Abend ist er spät dran, was Club-Inhaber Tommy (Bill Dean) gehörig nervt. Vor einem Jahr hat Ginley seine Freundin Ellen (Billie Whitelaw) verloren, die inzwischen mit seinem erfolgreichen Bruder William (Frank Finlay) verheiratet ist. An seinem einunddreißigsten Geburtstag hat der Single quasi als Geschenk an sich selbst eine Anzeige geschaltet, darin er seine Dienste als Privatdetektiv anbietet. So erhält Eddie Ginley, selbst Fan der Detektivgeschichten in alten Filmen und in den Büchern Dashiell Hammetts, an diesem Abend einen Anruf, er solle im Plaza Hotel einen Mann treffen, der ihn bezüglich eines Auftrags sprechen möchte. Ginley findet sich in Trenchcoat und in bester Humphrey-Bogart-Manier dort ein und trifft im Kaminsessel mit dem Rücken zu ihm einen schwergewichtigen Herrn (George Silver), der ihm in schriftlicher Form den Auftrag erteilt, in Liverpool eine Frau namens Alison (Carolyn Seymour) zu suchen. Auf dem Weg hinaus begegnet ihm im Flur ein merkwürdiger Kerl (Fulton Mackay), der ihn kurz in Augenschein nimmt. Erst im Bus untersucht Ginley den Umschlag, den er erhielt, etwas genauer und stellt fest, dass der nicht nur den Auftrag samt Foto von Alison plus Geld sondern auch einen Revolver enthält…
 
Ganz nett, mehr nicht! Womit das Problem schon beschrieben ist, denn natürlich will der Film darüber hinaus. Eine „Film-Noir-Satire“ liest man oft in Beschreibungen zu Stephen Frears Debütfilm Auf leisen Sohlen, der fast vergessen war und durch eine Reihe von Editionen als DVD nun weltweit in topp restaurierter Form erhältlich ist. Und ja, auch das ist nicht falsch. Aber weder der überladene Plot noch der zu Teilen leider flache Humor bringen die im Ganzen unentschlossene Parodie bzw. Hommage an den Film Noir so richtig aufs Gleis. Albert Finney als berufsmäßiger Loser, der zu 100% wider Erwarten und wider Talent als Privatdetektiv Eddie Ginley in einen internationalen Coup hinein gezogen wird, von dem er bis zuletzt kaum eine Ahnung hat, weckt mit gutem Schauspiel seinen Charakter zum Leben. Das Skript hat wenig Anteil daran, wie es auch die übrigen Charaktere - mit Ausnahme Strakers in der Darstellung durch Fulton Mackay – nicht sonderlich pointiert an die Zuschauer bringt. Es gibt schöne Szenen, denen die Dramaturgie mit ihrem Bemühen um größtmögliche Verwirrung erfolgreich entgegen arbeitet, auch durch die bereits angemerkte Unentschlossenheit zwischen Parodie und Kriminalhandlung. Das wäre kein Vorwurf an und für sich, denn auch Carl Reiners Tote tragen keine Karos (USA 1982) bewegt sich in dem Spannungsfeld. Doch während dort der Balanceakt gelingt, kommt Auf leisen Sohlen nicht in die Gänge. In einer Szene stirbt ein Mann an einer Überdosis Heroin, in der nächsten zelebriert Finney mit Wendy Richard beim Eruieren einer Adresse eine absurde Parodie à la Monthy Python, deren Witz auf einer einzigen Prämisse beruht und eher langweilt. Auch mit Blick auf die Karikatur der Rollenmodelle von Mann und Frau wirkt der Film angestaubt. Ähnliches Unwohlsein beschleicht einen z.B. beim Witz in Godards Außer Atem (FRA 1960), der insgesamt jedoch geschlossener und weniger flach ist.
 
Vor allem im ersten Teil zeigt Stephen Frears dagegen ein hervorragendes Gespür für Schauplätze in Liverpool und die Nebenstränge des Films. Die musikalischen Einlagen und sonstigen Szenarien im Broadway Club sind superb. Auch ist der eigenwillige Neo Noir mit Albert Finney und Billie Whitelaw erstklassig besetzt, die in all ihren Szenen eine glaubwürdige Chemie entwickeln; darüber hinaus ist das Ensemble der Nebendarsteller ebenso exquisit. Leider verliert die Sache im letzten Drittel zunehmend an Fahrt. Hier helfen auch die Hinweise auf Dashiell Hammetts The Thin Man nicht länger, so dass das Finale den Zuschauer schon eher kalt lässt. Die feist fröhliche Anarchie, die sich Auf leisen Sohlen mit Tote tragen keine Karos teilt, verpufft in Albernheiten und lässt seine Zuschauer mit dem Gedanken zurück, dass mit den beteiligten Größen in Anbetracht eines zupackenden Skripts viel, viel mehr hätte drin sein können. Ein kleiner Film, doch kein Klassiker, ein betulicher Film, aber nicht ärgerlich – ein Film, der in jenem „Ganz nett!“ steckenbleibt. Schade!
 
Erstklassige DVD von Sony Home Entertainment, die seit 4/2011 in deren Reihe Platinum Classic Film Collection und nach der US-Edition in den Martini Movies diesen Film in Deutschland als bildtechnisch topp restaurierte Fassung, wahlweise mit deutscher bzw. englischer Tonspur plus deutsche Untertitel, ungekürzt und im Originalformat bietet.
 

Neo Noir | 1971 | UK | Stephen Frears | Chris Menges | Albert Finney | Billie Whitelaw

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