Limits Of Control, The - Der geheimnisvolle Killer

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Bewertung
***
Originaltitel
The Limits Of Control
Kategorie
Neo Noir
Land
USA/JPN
Erscheinungsjahr
2009
Darsteller

Isaach De Bankolé, Tilda Swinton, John Hurt, Gael García Bernal, Bill Murray

Regie
Jim Jarmusch
Farbe
Farbe
Laufzeit
116 min
Bildformat
Widescreen
 

 

BildBildBild
 
In einer Business Lounge des Flughafens Paris-Charles-de-Gaulle trifft ein dunkelhäutiger Mann (Isaach De Bankolé) in einem perfekt sitzenden, metallicblauen Anzug zwei Fremde. Einer von ihnen ist ein Kreole (Alex Descas), der andere ein Franzose (Jean-François Stévenin). Die drei Herren sprechen über einen nicht exakt definierten Auftrag, den der Fremde, von hier aus auf die Reise gehend, ausführen soll. Der Kreole gibt ihm einige Instruktionen und Ratschläge, die der Franzose dem nicht Spanisch sprechenden Mann übersetzt. Letzterer begibt sich an Bord eines Flugzeuges nach Madrid. Während des Fluges sitzt er vor zwei Tassen Espressos und entnimmt einer Streichholzschachtel die erste chiffrierte Mitteilung, die seinen Auftrag betrifft. Nachdem er sie gelesen hat, zerknüllt er das Papier, isst es auf und spült es mit einem Schluck Kaffeee hinunter. Nach der Landung fährt er im Taxi zu einem in den Torres Blanca befindlichen, möblierten Apartment. Im zentralen Raum der Wohnung zelebriert der Mann mehrere Qi-Gong-Übungen. Am nächsten Morgen sucht er ein Straßencafé auf, wo er einige Mühe hat, dem Kellner (Óscar Jaenada) seine Bestellung von zwei separaten Tassen Espressos begreiflich zu machen. Ein Hubschrauber kreist in einiger Entfernung über der Stadt und der Mann beobachtet die Umgebung des Cafés, aber nichts weiter geschieht. Es ist bereits Abend, als er ins Apartmenthaus zurückkehrt… 
 
Tilda Swinton wurde auf den Kinoplakaten des 116 Minuten langen Films an zweiter Stelle genannt, doch ihr Auftritt dauert exakt 5 Minuten und 18 Sekunden, danach ist sie nur für einen Moment nochmals zu sehen. Und dieser Auftritt - mit bedeutungsschwangerer Musik unterlegt - ist das lächerlichste in einem eh schwachen Film. Hätte ich die Schauspielerin nicht zuvor gesehen, hätte ich sie in ihrem Kostüm, der ultimative Ausdruck der Style-over-Substance-Problematik hier, für eine Laiendarstellerin gehalten. Überhaupt sind die Frauenfiguren eine zentrale Schwäche des Drehbuchs - klischeehaft eitel und mirakulös, dann wieder verbittert fanatisch oder lüstern und naiv. Trotz ihrer vermeintlichen Rätselhaftigkeit bleiben sie flach und charakterlos, wie überhaupt die Vielzahl der Rollencharaktere eigentümlich leblos und auf Funktionen beschränkt wirkt. Dabei ist der Auftakt keineswegs missraten. Das Treffen der Männer am Flughafen verspricht so manches, was sich in der steten Wiederholung später als Pseudophilosophie und Phrasen entpuppt. Und Kameramann Christopher Doyle (Fallen Angels, HK 1995) taucht Jim Jarmuschs mystifizierte Version einer Neo-Noir-Fabel in grandiose Bilder, die gewöhnliche Räume in ihrem ästhetischen Wert wie neu hervortreten lassen, ob Zugabteile, Waschräume oder Treppenhäuser. Natürlich hält auch das Ungewöhnliche Einzug, so im noch zu Beginn gelegenen Teil mit Fransisco Saenz de Oizas Torres Blancas, einem 1961 in Madrid entstandenen, überaus eigenwilligen Apartmentkomplex. Diese Art der Sixties-Visionen von Zukunft kommt Jarmusch und Doyle entgegen und wertet den Film auf. Doch leider bleiben die Oberflächenreize die einzigen in einem durch stete Wiederholungen und fehlende Charaktere faden Handlungsverlauf.
 
Isaach De Bankolé, der Eisverkäufer Raymond aus Ghost Dog - Der Weg des Samurai (FRA/GER/USA/JPN 1999), ist kein schlechter Schauspieler. Sein namenloser “Lone Man“, wie er im Abspann genannt wird, ist als zentrale Figur für den Zuschauer jedoch so wortkarg wie substanzlos. Die politische Ebene des Films, darin eine internationale Gruppe von Verschwörern wider die US-amerikanische Finanz- und Wirtschaftsmafia zu Felde zieht, ist hanebüchen und im Drehbuch überhaupt nicht klar ausgearbeitet. Alle handelnden Personen sind bis ins Extrem affektiert und orakeln verheißungsvoll vor sich hin. Doch die bierernste Geheimniskrämerei ist pathetisch, vor allem wenn zeitgenössische Kunst und fernöstliche Meditationstechniken, Filmgeschichte und (implizit) sich bekriegende Geheimbünde darin verwurstet werden. Überfrachtet und doch leer, so erweist sich The Limits of Control - Der geheimnisvolle Killer noch in seinen guten Momenten, von denen es einige gibt, als Reigen verpasster Möglichkeiten. Es ist leicht, den Film zu verreißen, dennoch habe ich es nie bereut, das an seinen Ambitionen scheiternde Werk wider den Zeitgeist aus Hollywood gesehen zu haben. Insofern noch knapp drei Sterne, vor allem für den Mut zu einer inzwischen seltenen Radikalität.
 
Sehr gute BD- und DVD-Editionen (2009) der Universum Film GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat mit jeweils der deutschen oder englischen Tonspur, dazu wahlweise deutsche oder englische Untertitel, dazu 67 Minuten an Extras mit Behind Jim Jarmusch und Untitled Landscapes.
 

Neo Noir | 2009 | USA | Jim Jarmusch | Christopher Doyle | John Hurt | Isaach De Bankolé | Bill Murray | Tilda Swinton

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