Hass

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Bewertung
*****
Originaltitel
La haine
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1995
Darsteller

Vincent Cassel, Hubert Koundé, Saïd Taghmaoui, Solo, Benoît Magimel

Regie
Mathieu Kassowitz
Farbe
s/w
Laufzeit
93 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Bild Hass-La-Haine-Poster-web4.jpg Bild
 
Die Cité de Noé, Chanteloup-les-Vignes: In den Banlieues rund um Paris tobt der Straßenkampf, nachdem der Jugendliche Abdel (Abdel Ahmed Ghili) während eines Verhörs von Polizisten brutal verprügelt wurde und nun in Lebensgefahr schwebt. Auch Vinz (Vincent Cassel), jüdischer Herkunft, der mit seiner Schwester Sarah (Héloïse Rauth) bei der Großmutter (Rywka Wajsbrot) lebt, hatte sich am Abend zuvor daran beteiligt. Vinz ist mit dem arabischstämmigen Saïd (Saïd Taghmaoui) befreundet, der ihn an diesem Vormittag Zuhause aufsucht, aus den Federn wirft und mit ihm loszieht. Die beiden stromern zur Boxhalle, wo ihr Freund Hubert (Hubert Koundé) oft zu finden ist, der hier trainiert. Aber die Halle ist komplett ausgebrannt, und Hubert schlägt verbissen inmitten der Ruine auf einen Sandsack ein. Zu dritt schlendern sie weiter. Hubert verkauft etwas Haschisch, womit er seinen Lebensunterhalt finanziert und auch seine Mutter (Félicité Wouassi) und seine Schwester (Fatou Thioune) unterstützt. Wo immer sie hinkommen, hören sie etwas von den Kämpfen mit der Polizei und, dass einer der Polizisten am gestrigen Abend angeblich seine Dienstwaffe verloren habe…
 
Ist das ein Film Noir? Gehört dieses Sozialdrama aus den Banlieues von Paris, seinerzeit der Durchbruch für Regisseur Mathieu Kassowitz und Schauspieler Vincent Cassel, auf diese Website? “The film (…) noticeably draws from film noir and the French “polizei” with its vivid violence and social commentary on the police force.” schlussfolgert Alberto Bolognetti in einem 2004 veröffentlichten Essay zu Hass, nachdem er feststellte: “La Haine has been labelled “neo-noir”, “young French cinema” and “cinéma de banlieue” due to its use of highly stylised black and white cinematography mixed with contemporary youth themes.” Ginette Vincendeau schrieb zu diesem Film in French film: texts and contexts (2000) von Vincendeau und Hayward: “But it is violence which most powerfully links La haine to American cinema, to the history of the western and of film noir (…) the violence in La haine, symbolized by the ‘Mexican stand-off’ inhabits the international noir territory of Scorsese, Tarantino, Woo, et al.” Obwohl er in Frankreich spielt und sich mit genuin französischen Themen befasst, zeigt Hass kaum typisch französische „Charakterzüge“, demgegenüber er so international wirkt wie die Ethnien seiner Protagonisten – der jüdische Vinz, der arabischstämmige Saïd und der schwarzafrikanische Hubert. Ihre Heimatlosigkeit und Entfremdung zeichnen die drei wie nichts sonst – klassische Themen in der französischen Film-Noir-Tradition, etwa für Pépé le Moko (Jean Gabin) im gleichnamigen Film von Julien Duvivier (FRA 1937) oder für den jungen Gangster Mickey (Gérard Depardieu) in Alain Corneaus Neo Noir Die Wahl der Waffen (FRA 1981), der auch als sozialkritischer Kommentar verstanden werden wollte.
 
Bild Bild Bild
© Studiocanal GmbH
 
Die Krise von Vinz, Besitzer einer Polizeiwaffe, der wie Hubert aus dem Viertel und den Verhältnissen ausbrechen will, führt in Vereinzelung und Konfusion. Er ist zu unreflektiert, um zu erkennen, inwieweit sein Tun an der politischen Realität tatsächlich was ändern kann. Zu sehr haben sich über Jahre Frustrationen in ihm aufgestaut, als dass er noch einen anderen Ausweg erkennt, als sich sein vermeintliches Recht auf eine Perspektive mit der Waffe zu erstreiten. Viele Äußerungen und Reaktionen, vor und zurück, erinnern in den in Hass dokumentierten 24 Stunden an Figuren wie Bowie Bowers (Farley Granger) in Nicholas Rays Im Schatten der Nacht (USA 1948) oder El Jaibo (Roberto Cobo) in Luis Buñuels Die Vergessenen (MEX 1950). Hass ist sowenig wie diese Dramen ein „realistischer“ Film und nutzt seinen semidokumentarischen Einstieg, – gleich der einleitenden Stimme aus dem Off und dem harten Schwarzweiß ein Stilmittel klassischen Film Noirs – um die Kompression der Themen im Lauf eines Tages glaubwürdig zu verorten. Dass er sich einen Kunstraum schafft, macht ihn neben der innovativen Kameraarbeit und den exquisiten Darstellern zu einem echten Filmerlebnis. Die letzte Sequenz zitiert eindrücklich William Friedkins French Connection / Brennpunkt Brooklyn (USA 1971). Im Jahr 1995 gewann Hass den Preis für den besten Regisseur beim Filmfestival in Cannes, ebenso den französischen César für den besten Film und den Europäischen Filmpreis in der Kategorie Young European Film of the Year. Autor und Regisseur Mathieu Kassovitz schuf im Jahr 2000 den französischen Hollywood-Abklatsch Die purpurnen Flüsse (u.a. erneut mit Cassel) und steht seither wie z.B. Christopher Nolan (Memento, USA 2000) für sinnfreies Action-, Horror- und Science-Fiction-Kino. Tja, so geht das!
 
Hervorragende Blu-ray bzw. DVD von Arthaus / Studiocanal: ungekürzt im Originalformat mit original französischem Ton inkl. deutscher Untertitel bzw. auch deutscher Tonspur. Extras: ein Audiokommentar von Mathieu Kassowitz und der Kinotrailer. Definitiv ein Muss!
 

Neo Noir | 1995 | France | Mathieu Kassovitz | Benoît Magimel | Philippe Nahon | Vincent Cassel

Submitted by Gast (nicht überprüft) on 13. August 2013 - 17:27

Permanenter Link

'Assassin(s)', der düstere Nachfolger von Matthieu Kassovitz aus dem Jahr 1997, erfüllt die Zugangskriterien zum modernen Film Noir wohl gar noch umfassender. Altstar Michel Serrault spielt den betagten und kompromisslosen Profikiller Wagner, der den Ehrgeiz besitzt, kurz vor dem Rentenalter unbedingt noch einen Jungspund in der hohen Kunst der lukrativen Auftragsmorde auszubilden.

Kein Streifen für unterhaltsame Stunden. Die Gewalt in 'Assassin(s)' wurde recht spärlich dosiert, wirkt gerade dadurch jedoch verstörender und intensiver als in vielen anderen Genrefilmen, wie US- Kritiker James Travers in einer Besprechung bereits 1999 feststellte: >>It is certainly a very uncomfortable piece of cinema and its entertainment value is all but eroded by the amount of violence that the viewer is subjected to.... the violence in this film is not intended to entertain. It is strange, that as a result, Assassin(s) appears more disturbing than most films of that genre...<<

Quelle: http://frenchfilmguide.com/reviews/FFG_Assassin_s_1997_review.html

Die ungeschnittene, 128minüte Originalfassung von 'Assassin(s)' (französischer Ton mit nicht ausblendbaren deutschen UT) findet sich in der oben verlinkten Arthaus Close-Up Edition von drei DVDs zusammen mit 'Hass' (1995) plus 'Lola liebt's schwarzweiß' (1993), dem wesentlich fröhlicheren Frühwerk von Mathieu Kassovitz.

Barolojoe

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