Wahl der Waffen

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Bewertung
***
Originaltitel
Le choix des armes
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1981
Darsteller

Yves Montand, Gérard Depardieu, Catherine Deneuve, Michel Galabru, Gérard Lanvin

Regie
Alain Corneau
Farbe
Farbe
Laufzeit
130 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Wahl-der-Waffen-Poster-web5.jpg Bild Bild
 
Paris: Der alternde Gangster Serge Olivier (Pierre Forget) und sein Mitgefangener Mickey (Gérard Depardieu ) brechen aus dem Gefängnis aus und fliehen mit Hilfe von Mickeys Kumpanen Ricky (Jean-Claude Dauphin) in die Nacht. Dummerweise hängt sich ihnen ein Wagen der Gendarmerie an die Fersen und der impulsive Mickey rammt seine Verfolger, entwaffnet den einen der Polizisten und erschießt den anderen. Zur gleichen Zeit auf einem herrschaftlichen Gehöft außerhalb der Stadt: Der Gutsbesitzer Noel Durieux (Yves Montand) steht vor halb fünf auf, um sich persönlich um seine erkrankte Lieblingsstute zu kümmern. Seine Ehefrau Nicole (Catherine Deneuve) folgt ihm in den Stall, wo der Mann liebevoll auf das Tier einspricht. Später beim Frühstück kündigt Noel ihr eine Überraschung an und geht schnurstracks zum Telefon, wo er mit einem Reisebüro telefoniert und für den anbrechenden Tag zwei Flugtickets reservieren lässt. Nicole hat Interesse an einem entfernt gelegenen Gestüt, und Noel, der vor Längerem eine Absicht zum Kauf angemeldet hatte, bekam kürzlich eine positive Resonanz des Eigentümers. Noch in der Dunkelheit stehlen indessen die drei Flüchtigen einer Frau auf offener Straße den Wagen und rasen zu einem vereinbarten Unterschlupf, einem verfallenen Anwesen. Hier werden sie von Schergen einer verfeindeten Bande erwartet, und nachdem Ricky aus dem Wagen gesprungen ist, kommt es zu einem Schusswechsel, bei dem Serge schwer verletzt wird…
 
Teils gute Darsteller, tolle Schauplätze und eine in Ansätzen interessante Geschichte – der Film hat vieles, was für ihn spräche und verschenkt sein Potential nahezu vollständig. Ein junger, skrupelloser Gangster und ein ehemaliger, im Reichtum und in großbürgerlichen Sphären angelangter lernen sich im Lauf eines Konflikts zunehmend kennen und schätzen. Um diesen Kern der Geschichte strickt Alain Corneau eine Geschichte, die immer komplexer und langatmiger wird, ohne dass sich neue Facetten auffalten. Während Gérard Depardieu als Mickey trotz seiner Tendenz zum Overacting glaubwürdig wirkt, erscheint das Paar Noel und Nicole Durieux aka Montand und Deneuve so wächsern und leblos, wie es schlimmer kaum geht. Ihr stetes Auf-Pferdekoppeln-Starren haucht der Ehe als Liebesbeziehung, die hier behauptet wird, keinen Hauch von Leben ein. Catherine Deneuve, sonst eine gute Schauspielerin, ist rein dekorativ platziert. Mal steht sie herum, mal sitzt sie im Auto, mal versucht sie zu telefonieren – stets perfekt frisiert und geschminkt, meist ausdruckslos, und das war’s. Yves Montand, nicht nur in Melvilles Vier im roten Kreis (FRA/ITA 1970) ein klasse Darsteller, schlurft stoisch von Szene zu Szene. Das macht er zwar nicht schlecht, aber einen wirklichen Gegenspieler Mickeys will man ihm nicht abnehmen, zumal seine Gangsterfreunde aus alten Tagen (bis auf Serge) zu Teilen unglaubwürdig und geradezu albern wirken. Geradezu miserabel ist Jean Rougerie als Noels Gegenspieler Raymond Constantini, dessen Rollencharakter zur bloßen Farce wird.
 
Bild Bild Bild
© Studiocanal GmbH

Eine Inszenierung, die manches Zitat an den Film Noir birgt, eine Hommage an Jean-Pierre Melville, was die Geschichte und einige Charaktere betrifft, sowie viele gelungene Szenen. Dazu mehrere gute schauspielerische Leistungen, allen voran ein sensationeller Richard Anconina in der Rolle von Mickeys Freund Dany. Doch der Film will zuviel, wird vollgestopft mit Nebenthemen – die Vorstädte von Paris als soziale Brennpunkte, die Drogengeschäfte skrupelloser Dealer und Rickys Drogensucht, dazu Mickeys Vaterschaft und sein verzweifeltes Bemühen um die Tochter. All das überfrachtet einen Film, der dadurch auf der Strecke bleibt. Definitiv zwiespältig ist auch das Kidnapping der Tochter Mickeys aus den Händen des Pflegevaters, zu guter Letzt überflügelt von einem Ende, das eine vermeintliche Wohltäterschaft Durieux’ vorgibt, die im Grunde genau das Gegenteil dessen ist. So hat man das Gefühl, der Zuschauer wird mit einer moralisch scheinbar gerechtfertigten und damit der Reife des Herrn Durieux entsprungenen Geste an der Nase herum geführt. Es hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, der vielleicht beabsichtigt gewesen sein könnte und damit der Janusköpfigkeit Mickeys die finale Spitze gäbe, dennoch befriedigt dieses Ende/Finale sowenig wie der Rest. Die beiden ermittelnden Polizisten, wie die Gangster gleichermaßen Gegenspieler, wirken in ihrer Art leider klischeehaft. Das, so denkt sich der Freund des Neo Noirs von Jean-Pierre Melville, wäre dem Meister sicher nicht passiert.
 
Sehr gute DVD-Edition (2010) von Arthaus / Studiocanal, die keine Wünsche offen lässt: ungekürzte 130 Minuten Spielzeit im Originalformat, wahlweise deutscher oder französischer Ton, bildtechnisch topp, den Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 1981 | France | Alain Corneau | Etienne Chicot | Gérard Depardieu | Richard Anconina | Yves Montand | Catherine Deneuve

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