Im Schatten der Nacht

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Bewertung
*****
Originaltitel
They Live By Night / The Twisted Road
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1948
Darsteller

Cathy O’Donnell, Farley Granger, Howard da Silva, Jay C. Flippen, Helen Craig

Regie
Nicholas Ray
Farbe
s/w
Laufzeit
92 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Die Sträflinge Bowie Bowers (Farley Granger), Chickamaw (Howard da Silva) und T-Dub (Jay C. Flippen) entkommen aus dem Gefängnis und kidnappen einen Bauern, dessen Auto sie für ihre Flucht nutzen. Als ein Reifen platzt, schlagen sie ihn nieder und entkommen zu Fuß. Doch Bowie, der jüngste der drei, ist am Bein verletzt. So müssen ihn die zwei Anderen zurück lassen und allein die 10 Meilen zu jenem Farmhaus wandern, wo Chickamaws Bruder Mobley (Will Wright) mit seiner Tochter Keechie (Cathy O’Donnel) wohnt. Irgendwo dort versteckt Cickamaw zudem noch Geld aus einem früheren Banküberfall. In der Nacht holt Keechie Bowie mit dem Auto ab und bringt ihn zu den anderen Gangstern, die bei ihrem Vater Unterschlupf finden. Diese müssen jetzt ihr Weiterkommen organisieren und beauftragen Mobley mit dem Kauf eines Wagens. Cickamaw und T-Dub machen Bowie das Angebot, in Zukunft mit ihnen Banken auszurauben und auf die Weise zu Geld zu kommen. Dabei erwähnen sie, dass Bowie wegen Mordes inhaftiert war. Indessen kommen Keechie und Bowie sich näher und Bowie erzählt ihr, dass er seit sieben Jahren im Gefängnis saß und mit 16 Jahren jemanden umbrachte. Beide berichten sie von ihren gescheiterten Vätern und untreuen Müttern. Keechie will nicht, dass Bowie mit den beiden Gangstern weiterzieht. Da kommt Mobley, inzwischen betrunken, mit dem Wagen und in Gesellschaft von Mattie (Helen Craig) auf die Farm zurück…
 
Der richtige Film zur falschen Zeit! Ende der Vierziger schlitterte Amerika in den Kalten Krieg, in die Kommunistenjagd in den Reihen renommierter Kulturschaffender und ab 1950 in die sogenannte McCarthy-Ära. 1948 erwarb der erzkonservative Milliardär Howard Hughes das Filmstudio RKO Radio Pictures und so erlebte Nicholas Rays 1947 gedrehtes Debüt Im Schatten der Nacht seine Uraufführung unterm Titel The Twisted Road im August 1948 in London, England. Erst über ein Jahr später fand der Film seinen Weg in die US-amerikanischen Kinos, wo er im November 1949 an den Start ging und geradewegs floppte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Nicholas Ray via Columbia Pictures und RKO Radio Pictures bereits seine nächsten Spielfilme Vor verschlossenen Türen (EA Februar 1949) und A Woman’s Secret (EA März 1949) in die Kinos gebracht. Mit dem Meisterwerk Ein einsamer Ort (1950), Nicholas Rays zweiter Zusammenarbeit mit jeweils Humphrey Bogart und Gloria Grahame, - von 1948 bis 1952 Rays Ehefrau - etablierte er sich zwar als Regisseur von Rang, doch die Zeichen der Zeit standen ungünstig und wie der linksliberale Robert Ryan konnte der Regisseur froh sein, bei Hughes und RKO unterzukommen. Als die McCarthy-Ära 1955 endete, hatte Howard Hughes zeitgleich das Studio RKO Radio Pictures ruiniert. In dem Jahr drehte Nicholas Ray für Warner Bros. Pictures …denn Sie wissen nicht, was sie tun, seinen elften eigenen Film, in der Hauptrolle James Dean, der wie Rays Debütfilm den Konflikt der Generationen in den Mittelpunkt rückt. Doch Im Schatten der Nacht, der in Deutschland überhaupt nie in die Kinos kam, war zu dem Zeitpunkt schon längst vergessen.
 
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© Studiocanal GmbH
 
So blieb Im Schatten der Nacht international unbekannt und diente zudem allen Beteiligten nicht als ein Karrieresprungbrett. Zwar holte sich Anthony Mann Farley Granger und Cathy O’Donnell, deren Chemie in Rays Film unglaublich stimmig ist, einmal mehr als junges Liebespaar in seinen Film Noir Side Street (1950), sodann verpflichtete Alfred Hitchcock Granger für die Hauptrolle in Der Fremde im Zug / Verschwörung im Nordexpress (1951). Doch Howard da Silva war bereits seit 1947 im Visier des Komitees für unamerikanische Umtriebe (HUAC) und wurde 1951 mit Berufsverbot belegt. Im Schatten der Nacht ist ein Film Noir über Außenseiter, die ihren Weg in die Gesellschaft nicht (zurück) finden können, eine typische Nicholas-Ray-Geschichte – dunkel, vielschichtig, fatalistisch. Der konsequent aufs tragische Ende zusteuernde Film erinnert an Fritz Langs Gehetzt / Du lebst nur einmal (1937), an Raoul Walshs Entscheidung in der Sierra (1941) und an den ihm nachfolgenden Gefährliche Leidenschaft (1950). Seinerzeit ignoriert und ad acta gelegt, harrt dieses cineastische Meisterstück mit einer grandiosen Kameraarbeit von George E. Diskant (Um Haaresbreite, 1952) auf seine Wiederentdeckung. Nicht nur für den Film-Noir-Freund ein Muss! 1974 verfilmte Robert Altmann (Der Tod kennt keine Wiederkehr, 1973) Edward Andersons Romanvorlage noch einmal unter deren Originaltitel, nämlich als Diebe wie wir mit Keith Carradine und Shelley Duvall.
 
Wunderbare DVD-Edition von Arthaus / Studiocanal in Kooperation mit dem KulturSPIEGEL und zwar im Rahmen von deren Arthaus Collection, die den Film ungekürzt im Originalformat mit englischem und deutschem Ton sowie optional deutsche Untertiteln und den US-Kinotrailer als Extra präsentiert – das Ganze im geschmackvoll gestalteten Digipack inklusive eines informativen Booklets. In den USA erschien They Live By Night (US-Originaltitel) in Kombination mit Side Street als Teil der Film Noir Classic Collection Vol. 4 bei Warner Bros. Unbedingt ansehen!
 

Film Noir | 1948 | USA | Nicholas Ray | George E. Diskant | Farley Granger | Howard Da Silva | Jay C. Flippen | Will Wright | Cathy O'Donnell

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