Memento

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Bewertung
****
Originaltitel
Memento
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2000
Darsteller

Guy Pearce, Carrie-Anne Moss, Joe Pantoliano, Mark Boone Junior, Russ Fega

Regie
Christopher Nolan
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
108 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Ein Polaroid zeigt die blutverschmierten Fliesen eines Badezimmers, am Boden die Ahnung eines menschlichen Körpers. Eine Hand hält das Bild und wedelt damit, so dass die Berührung mit Luft die Entwicklung des Fotos beschleunige… Doch sie vollzieht sich rückwärts. Immer blasser werden die Farben darauf. Immer weniger ist zu erkennen, bis die Fläche des Fotos leer ist. So leer wie das Kurzzeitgedächtnis von Leonard Shelby (Guy Pearce), der nach der Ermordung seiner Frau (Jorja Fox) keine neuen Erinnerungen mehr erwirbt. Was länger als 4 bis 5 Minuten zurück liegt, entzieht sich seinem Zugriff. Und so hat Leonard sich ein komplexes System aus schriftlichen und bildlichen Notizen zu Recht gelegt, um sich selbst in der Wirklichkeit zu verorten und sein Ziel zu erreichen: den Mörder seiner Frau aufzuspüren und zu töten. Unterstützt wird er dabei von einem Mann namens John Edward Gammell (Joe Pantoliano), der sich Teddy nennt. Doch der Kontakt mit Leonard, jedes Wiedersehen mit ihm, ist sowohl für Teddy als auch für Burt (Mark Boone Junior), den Portier im Motel Discount Inn, wo Leonard ein Zimmer bewohnt, nicht immer leicht. Jedes Mal aufs Neue müssen sie Leonard, der sich die wichtigsten Indizien seiner Suche nach dem Täter auf den Körper tätowierte, bestätigen, dass sie alle Vereinbarungen mit ihm kennen. Sobald Leonard erwacht, weiß er nicht, wie lange er schon in dem Motelzimmer lebt und wen er tags zuvor getroffen hat. Führt ihn die Suche seinem Ziel tatsächlich näher? Oder versucht jemand, ihn zu manipulieren, wie einige der Botschaften auf den Rückseiten der Polaroids nahelegen? Wer ist Natalie (Carrie-Anne Moss), die Frau, mit der sich Leonard zufolge seiner eigenen Aufzeichnungen in einer Bar verabredet hat…
 
Fast ein Kammerspiel! Mit einem Zehntel des Budgets, das ein so sinnloses Machwerk wie Payback - Zahltag (USA 1999) verschlungen hat, inszenierte der britische Regisseur Christopher Nolan 2000 seinen ersten US-amerikanischen Film, nachdem sein minimalistischer Neo Noir Following (UK 1998, mit einem Nullbudget gedreht) bei der Kritik für Aufsehen sorgte. Nach einer Kurzgeschichte seines Bruders Jonathan, betitelt Memento Mori, zieht Memento den Zuschauer durchgehend in seinen Bann. Sowohl die Riege der Darsteller, mit Guy Pearce, Carrie-Anne Moss und Joe Pantoliano als zentrales Trio des Geschehens um den erinnerungslosen Jonathan Shelby, kann vollauf überzeugen, als auch die fulminante Inszenierung in Farbe und in Schwarzweiß, die auf unterschiedlichen Zeitebenen zwei Erzählstränge voneinander trennt. Das wichtigste und überaus innovativ gehandhabte Stilmittel des Neo Noirs Memento, im Grunde Schlüssel seines Erfolgs, ist die narrative Struktur, die eine Geschichte komplett von ihrem Ende her erzählt. Vergleichbar Robert Siodmaks Rächer der Unterwelt / Die Killer (USA 1946) oder Takeshi Kitanos Hana-bi - Feuerblume (JPN 1997) besticht der Film durch eine verschachtelte Chronologie, die vom Zuschauer viel Aufmerksamkeit fordert. Christopher Nolan geht in Memento über die Stilisierung der genannten Film-Noir-Klassiker hinaus. Er zerhackt die Geschichte gemäß den Segmenten von Shelbys Wahrnehmung und Erinnerung (bzw. deren rapidem Verlust) in fünf- bis zehnminütige Segmente, die aneinander anschließen, aber ein von den Schnitten nur ruckhaft zurücklaufendes Erschließen der Ereignisse erlauben. Ein wenig enttäuschend ist das Ende - nicht im Sinne der Story, wohl aber im Sinne einer „Moral von der Geschicht“ und ihres Prinzips Hoffnung.
 
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© EuroVideo Medien GmbH
 
Memento war der zweite und bereits der letzte interessante Titel des Regisseurs Christopher Nolan, den Hollywood nach einem lauwarmen US-Remake (2002) des norwegischen Neo-Noir-Klassikers Insomnia - Todesschlaf (NOR 1997) endgültig in seinen Mainstream-Kanon einreihte. Seit Batman Begins (2005) ist Christopher Nolan (meist im Verbund mit Bruder Jonathan, der die Drehbücher liefert) ein enorm erfolgreicher Lohnarbeiter für jedwedes Spezialeffekte-Spektakel (oft nach Comicvorlagen), mit denen das Blockbusterkino aus Hollywood zur Zeit am liebsten Kasse macht. Als ernsthafter Regisseur bleibt Nolan wie Joe Carnahan mit Narc (2002) oder Danny Cannon mit Phoenix – Blutige Stadt (1998) eine Eintagsfliege - konträr zu Steven Soderbergh, der bei allem Auf und Ab seit 1989 immer wieder auch überzeugen kann. Schade!
 
Exzellente Blu-ray und DVD-Editionen (2011) der EuroVideo Medien GmbH: deutsche und englische Tonspur, wahlweise deutsche oder englische Untertitel, mit 108 Minuten ungekürzt und im Originalformat, bild- und tontechnisch topp. Überaus sehenswert und mit Blick auf den Neo Noir des neuen Jahrtausends eine Bereicherung!

Neo Noir | 2000 | USA | Christopher Nolan | Callum Keith Rennie | Guy Pearce

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