Journey Into Fear

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
***
Originaltitel
Journey Into Fear
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1943
Darsteller

Joseph Cotten, Dolores del Rio, Ruth Warrick, Agnes Moorehead, Jack Durant

Regie
Norman Foster
Farbe
s/w
Laufzeit
68 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Instanbul in der Türkei: In einem Hotelzimmer läuft nachts ein Grammophon und spielt einen Chanson, indessen der Auftragsmörder Banat (Jack Moss) sich erst die Haare kämmt und dann eine Pistole mit einem Magazin lädt. Mehrfach hängt die Schellackplatte in der Rille fest und spielt ein ums andere Mal die gleiche Sequenz, bis Banat seinen Mantel anzieht, den Hut aufsetzt und das Zimmer verlässt … Auf der Straße beobachtet Banat, wie vor dem Hotel Adler Palace ein Wagen vorfährt und der US-Amerikaner Howard Graham (Joseph Cotten) und seine Ehefrau Stephanie (Ruth Warrick) aussteigen und in der Halle verschwinden. Howard Graham ist ein Rüstungstechniker und er weilte als Berater der türkischen Kriegsmarine im Land. Aktuell befindet er sich auf dem Weg nach Batumi, um sich von dort wieder in die USA zu begeben. Als er an der Rezeption eincheckt, wird er vom Portier (George Sorel) darauf hingewiesen, dass in der Hotelhalle bereits ein Mann (Everett Sloane) auf ihn warte. Jener stellt sich dem Ehepaar in lautstarker Manier als Kopeikin vor, seines Zeichens lokaler Handelsvertreter von Bainbridge & Sons, dem US-amerikanischen Arbeitgeber Howard Grahams. Der aufdringliche Kopeikin lädt sich selbst zum Nachtessen aufs Zimmer der US-Amerikaner ein, wo er ankündigt, mit Graham unter vier Augen Geschäftliches besprechen zu müssen. Doch statt an die Hotelbar führt Kopeikin den Ankömmling in einen Nachtclub, wo soeben die exotische Josette (Dolores del Rio) ihren Auftritt hat…
 
Bei Journey Into Fear hat Orson Welles niemals die Regie geführt, wie oftmals behauptet wurde. RKO Pictures hatte die Filmrechte am Roman Eric Amblers (EA 1940) erworben und als Autor des Drehbuchs und als Inhaber der Mercury Productions Company hatte Orson Welles, der ursprünglich Regie führen sollte, das Projekt auf die Schiene gebracht. In Hauptrollen sehen wir mit Joseph Cotten, Agnes Moorehead, Everett Sloane und Ruth Warrick eine typische Besetzungsliste aus Orson Welles’ Mercury Theatre, er trat selbst in der Schlüsselrolle des türkischen Geheimdienstchefs Colonel Haki auf. Die Regie übernahm Norman Foster, da Welles im Anschluss an seinen Riesenerfolg mit Citizen Kane (USA 1941) zu viele andere Verpflichtungen einging. Aber Orson Welles verhielt sich ungeschickt im Umgang mit den Studiobossen von RKO und wurde von einigen Machtwechseln in den oberen Etagen kalt erwischt. Von seinen eigenen Obsessionen mit dem am Ende unvollendet gebliebenen Projekt It’s All True (USA 1942) angetrieben, musste er sogar die Kontrolle über den fertig gedrehten Der Glanz des Hauses Amberson (USA 1942) abgeben, der in seiner Abwesenheit von 148 Minuten auf 88 Minuten gekürzt wurde und dann völlig floppte. Sowohl Welles als auch die Mitglieder des Mercury Theatres erhielten bei Bearbeitung des Films in den RKO-Studios Hausverbot und kurz darauf wurde Welles gänzlich gefeuert. Die bloß 68 Minuten dauernde Fassung von Journey Into Fear, die im Januar 1943 genau ein Jahr nach Drehbeginn in Mexiko ihre Premiere hatte, erweist sich bis heute als zu abrupt im Erzählstil und fast schon skizzenhaft, doch das Restmaterial ging beim Schnitt für alle Zeiten verloren. Im Jahr 2005 zeigte man auf den Filmfestspielen von Locarno eine europäische Kinofassung mit immerhin 6 Minuten mehr Spieldauer, aber die gibt es bis heute nicht als DVD. Die deutsche Erstaufführung erfolgte unter dem blassen Titel Von Agenten gejagt erst im Jahr 1972 im hiesigen Fernsehen.
 
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“Movement is change. And to an old man, change means death.” Es gibt wunderbare Momente in Journey Into Fear, lauter schillernde Charaktere gespielt von herausragenden Darstellern, und eine exzellente Kameraarbeit von Karl Struss (Der Todesreifen / Ein gefährlicher Rivale, USA 1946). Doch das Ergebnis selbst wird in der Regel überbewertet. Mancher wittert ein verborgenes Meisterwerk aus der Feder und von der Hand des oft so brillanten Orson Welles, aber das ist der Film beileibe nicht. Was hier gelungen ist, von den Ideen visionärer Köpfe in die Tat umgesetzt, fügt sich als Spielhandlung nicht zu einem kohärenten Ganzen, das jenes Niveau der ersten 10 Minuten aufrecht und den Zuschauer bei der Stange hielte. Oder anders: Der Film erfüllt niemals das Versprechen seines Originaltitels, lässt aber hin und wieder ahnen, dass dqas möglich gewesen wäre, hätten nicht zu viele Köche mitgewirkt, womit vor allem die Nachbearbeitung und jene endgültige Schnittfassung gemeint ist. Es gibt einige Filmhistoriker, die Orson Welles an den Rückschlägen seiner Karriere als Autor und als Filmregisseur eine Mitschuld zuschreiben, vor allem setzte er oft sein Vertrauen in die falschen Leute. Erst Ende 1945, über drei Jahre nach seiner letzten Regiearbeit für RKO, sollte Orson Welles für Die Spur des Fremden / Der Fremde (USA 1946) wieder als Autor und Regisseur arbeiten, doch erneut wurde ihm die Kontrolle über die Endfassung zu Teilen entzogen, nachdem von den Produzenten aus seinem Drehbuch bereits 32 Seiten entfernt worden waren.
 
Die englische DVD-Edition (2013) von Odeon Entertainment bringt den Film in ihrer Serie The Hollywood Collection in einer bild- und tontechnisch exzellent restaurierten Fassung, ungekürzt (soweit davon die Rede sein kann) im Originalformat mit dem englischen Originalton ohne Untertitel und ohne Extras. Die französischen DVD (2004) bietet unter dem Titel Voyage au pays de la peur die gleiche Qualität und zudem französische Untertitel.
 

Film Noir | 1943 | USA | Norman Foster | Eric Ambler | Everett Sloane | Joseph Cotten | Orson Welles | Agnes Moorehead | Dolores del Rio

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