Großstadthyänen

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
****
Originaltitel
The Lawbreakers
Kategorie
Post Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1961
Darsteller

Jack Warden, Vera Miles, Robert Douglas, Arch Johnson, Douglas Odney

Regie
Joseph M. Newman
Farbe
s/w
Laufzeit
79 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.
 
Los Angeles ist bei Nacht, so berichtet der Erzähler, wenn die meisten Stätten der Arbeit von ihren Bürgern verlassen sind, eine Spielwiese der Raubtiere… Als zwei Verdächtige in einem Apartmenthaus verschwinden, sind Police Captain Matt Gower (Jack Warden) und Sergeant Frank Orte (Douglas Odney) mit mehreren Männern zur Stelle. Doch hinter der Tür im ersten Stock verbirgt sich nur das Entree zu einem illegalen Bordell, von den beiden Gesuchten keine Spur. Erst ein Stockwerk höher stöbern die Polizisten sie auf; es kommt zu einem Schusswechsel, die Flüchtigen sterben. Als kurz darauf Sam Henry (Robert Bailey), tagsüber Angestellter im öffentlichen Dienst und nachts ein Geldbote für das Syndikat, an dem Haus vorüber fährt, sieht er die Einsatzfahrzeuge und erkennt Matt Gower. Sam Henry fährt zum Nachtklub Ed Rackins (Ken Lynch), um wie jeden Mittwoch die Wocheneinnahmen abzuholen und weiter zu transferieren. Sie wissen beide, dass sie für das Syndikat arbeiten, doch beide haben sie unterschiedliche Kontaktleute. Und so fährt Sam Henry jetzt zu dem erfolgreichen und angesehenen Anwalt Allen Bardeman (Robert Douglas), der heute Abend in seiner Villa eine Auseinandersetzung mit seiner Sekretärin und heimlichen Geliebten Angela Walsh (Vera Miles) führt. Sie will ihn überzeugen, das Syndikat mit einem cleveren Plan zu hintergehen, dadurch seine Schulden zu begleichen und seine Familie zu verlassen. Bardeman ist unentschlossen und nervös. Angela verlässt ihn, da sie weiß, dass in Kürze Sam Henry auftauchen wird. Auch dem bleibt Allen Bardemans Anspannung nicht verborgen…
 
Großstadthyänen ist ein extrem seltener und nicht nur hierzulande fast völlig in Vergessenheit geratener, später Film Noir. Sein Ursprung ist die Fernsehserie Asphaltdschungel, die es 1961 auf lediglich 13 Episoden brachte und die auf den ebenfalls von W.R. Burnett verfassten Film von John Huston, Asphalt-Dschungel  / Raubmord (USA 1950) zurückgeht. In der Serie sind Jack Warden, William Smith und Arch Johnson Polizeibeamte in Los Angeles, die in dem in San Francisco angesiedelten Original gar nicht vorkommen. Die einzige inhaltliche Verbindung ist deren neunte Folge mit dem Titel The Professor, welche quasi die Filmhandlung des John-Huston-Films als 60minütiges TV-Remake nach Los Angeles bringt. Die zweite Episode der Serie hieß The Lawyer And The Lady unter der Regie von Joseph M. Newman und war u.a. mit Vera Miles und Robert Douglas besetzt. Sie bildet das Ausgangsmaterial für den nochmals 19 Minuten längeren Spielfilm, der als Großstadthyänen im Jahr 1962 seinen Weg auch ins deutsche Kino fand. Das klingt wenig vielversprechend, erweist sich jedoch in Anbetracht der Kameraarbeit des großartigen Nicholas Musuraca, der exzellenten Femme-fatale-Rolle für Vera Miles sowie der musikalischen Untermalung mit Jazzstücken von Duke Ellington und Johnny Mandel als atmosphärisch zu Teilen gelungener Mob-Thriller der Frühsechziger mit zudem exzellenten Darstellerleistungen.
 
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© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.
 
“Like Samuel Fuller's Underworld U.S.A. (1961), The Lawbreakers suggests that organized crime is infiltrating American life, and masquerading as a respectable part of the community”, schreibt Michael E. Grost in seinem Essay The Films of Joseph M. Newman. Tatsächlich ist das für Einordnung des Films relevant, der sich teils dem Revival des Gangsterfilms als Abbildung der Mob-Kriminalität verdankt - Burt Balabans und Stuart Rosenbergs Unterwelt (USA 1960) ist ebenfalls typisch. De facto ist es jedoch der Subtext dieses Post Noirs, der seinen Reiz ausmacht und die eingangs vom Erzähler aus dem Off versprochene „Kampfhandlung“ von Gut vs. Böse Lügen straft. Wie in dem von Grost erwähnten Film Sam Fullers ist der Weg zum Neo Noir hier bereits beschritten. Das zutiefst paranoide Misstrauen gegenüber der gesellschaftlichen Oberfläche als sicherer Grund alltäglichen Fortschreitens erklimmt ein neues Niveau, insofern die ökonomischen Prozesse unausrottbar mit skrupelloser Gier, Vorteilnahme und Korruption verknüpft sind: „Don’t you understand? They’re everywhere. They’re powerful. They buy and sell politicians, legislators. They reach everywhere: The police. The government. Everywhere…” Das „Syndikat“ ist keine singuläre Erscheinung der kriminellen Sphäre, wie der Rechtsanwalt Allen Bardeman ausführt, es ist eine Herrschaftsform, der alle unterliegen, die aufgrund ihrer Machtinteressen und -ansprüche via Berufskarrieren automatisch damit in Berührung kommen. Nicht allzu lange und der Neo Noir würde mit Point Blank – Keiner darf überleben (USA 1967) und Nur noch 72 Stunden (USA 1968) die in Großstadthyänen bereits völlig unsentimental gesponnenen Fäden wiederaufnehmen. Insofern trotz der für solches TV-Material typisch biederen Schlusssequenz noch knapp 4 Sterne für Joseph M. Newmans obskuren Post Noir.
 
Es gibt weltweit kein VHS-Video und keine BD- oder DVD-Edition des Films, ebenso wenig wie eine solche der TV-Serie Asphaltdschungel (USA 1961), obgleich namhafte Stars ihrer Zeit darin Gastauftritte hatten. Vielleicht hilft diese Rezension, zumindest an Joseph M. Newmans Film wieder das Interesse zu wecken.
 

Post Noir | 1961 | USA | Joseph M. Newman | W.R. Burnett | Nicholas Musuraca | Jack Warden | Jay Adler | Vera Miles

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