Jenseits allen Zweifels

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
***
Originaltitel
Beyond A Reasonable Doubt
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1956
Darsteller

Dana Andrews, Joan Fontaine, Sidney Blackmer, Arthur Franz, Philip Bourneuf

Regie
Fritz Lang
Farbe
s/w
Laufzeit
77 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Bild Bild
 
Los Angeles: Der Staatsanwalt Roy Thompson (Philip Bourneuf) möchte auf der politischen Bühne eine Rolle spielen und nutzt jede Gelegenheit, um durch spektakuläre Verurteilungen auf sich aufmerksam zu machen. Der Zeitungsverleger Austin Spencer (Sidney Blackmer) ist ein Feind der Todesstrafe und des US-amerikanischen Justiz, die eine Jury in die Lage versetzt, Angeklagte aufgrund reiner Indizienbeweise schuldig zu sprechen. Er kritisiert Thompson, den er ansonsten schätzt, mittels der Leitartikel in seiner Zeitung. Toppjournalist Tom Garrett (Dana Andrews), der just als Romanautor debütierte, ist mit Austin Spencers Tochter Susan (Joan Fontaine) verlobt. Dennoch will Tom Garrett die anstehende Hochzeit noch verschieben, da ihm sein Verlag wegen eines zweiten Buchtitels im Nacken sitzt. Als das Revuegirl Patty Gray außerhalb der Stadt ermordet aufgefunden wird und die Polizei im Dunkeln tappt, schlägt Spencer seinem künftigen Schwiegersohn Garrett vor, eine Indizienkette zu fingieren. Die beiden planen, den ermittelnden Lt. Kennedy (Edwards Binns) auf eine falsche Spur zu locken und für die Verhaftung von Tom Garrett selbst zu sorgen. Nach dessen Verurteilung soll die Fotodokumentation dieser Fälschung belegen, wie leicht sich die US-amerikanische Justiz von denen, die es wollen, hintergehen lässt und ein Unterschuldiger zum Tode verurteilt werden kann. Zu dem Zweck macht sich Garrett, gekleidet nach der vagen Beschreibung des Freundes der Ermordeten, an die Stripteasetänzerin Dolly Moore (Barbara Nichols) heran. Darüber ist auch Susan schnell im Bilde und Tom Garrett gerät schon bald nicht nur ihr gegenüber in Erklärungsnot…
 
Jenseits allen Zweifels war eine der letzten Produktionen des durch Howard Hughes zugrunde gerichteten Studios RKO und es war der letzte US-amerikanische Film des deutschen Exilanten Fritz Lang, der damit eine zwanzigjährige Schaffensphase beendete. Thematisch schließt dieser Film Noir an Langs frühe US-Werke an, insofern schon Blinde Wut (1936) und Gehetzt / Du lebst nur einmal (1937) sich mit der Justizgerechtigkeit in den USA beschäftigten. Waren die Werke der Dreißiger jedoch von einer packenden Dramaturgie, von Leidenschaft und Dynamik gekennzeichnet, wirkt an diesem Schlusspunkt von Fritz Langs Film-Noir-Phase vieles müde und lustlos. Die Inszenierung als Studiofilm erscheint konventionell und für das Jahr 1956 bei weitem zu bieder. Trotz typischer Film-Noir-Szenen bei Nacht, die deutlich Langs Handschrift tragen, ist das Meiste bloß abgefilmt. Hauptdarsteller Dana Andrews und Joan Fontaine, die in den Vierzigern zu den Großen zählten, wirken überraschend farblos. Auch das sonstige Ensemble kann die drögen Rollencharaktere nicht mit Leben füllen, so dass Barbara Nichols als vulgäre Tänzerin Dolly Moore geradezu auffällt. Mit 77 Minuten Laufzeit ist der Film um 18 Minuten kürzer als der ihm verwandte Vorläufer Die Bestie (1956), der Dana Andrews ebenfalls als Journalist und Schriftsteller zeigt und in der Inszenierung um einiges sorgfältiger ist. Besonders die Exposition der Geschichte wirkt in Jenseits allen Zweifels zu hastig und wenig glaubwürdig; Douglas Morrows Skript ist für den eigenen Anspruch bei weitem nicht genug ausgeführt.
 
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© Exposure Cinema
 
Manche Kritiker führen das überraschende (und überaus konstruierte) Ende zur Ehrenrettung heran, das in der Tat besser als bei anderen Fritz-Lang-Filmen der Fünfziger die Geschichte beschließt. Doch der aufmerksame Zuschauer kann es vorausahnen und das Schauspiel der Akteure trägt auch im letzten Viertel nichts zum Spannungsaufbau bei. Hin und wieder beschleicht einen bei Jenseits allen Zweifels die Ahnung, wie gut dieser Film hätte werden können, zumal er immerhin mittelmäßig bleibt. Doch im Ganzen reiht er sich ein in die Werksgeschichte Fritz Langs, der in den Fünfzigern außer mit dem herausragenden Heißes Eisen (1953) nicht mehr zur großen Form auflief. Bedauerlich ist allemal, dass beide RKO-Filme Fritz Langs - Die Bestie (1956) und Jenseits allen Zweifels - auf DVD nicht im Originalformat (dem als SuperScope bezeichneten 2.00:1) sondern im Vollbildmodus (1.33:1) beinhaltet sind, wodurch es zur Bildbeschneidung kommt. Der auf der DVD enthaltene Trailer zeigt alle Bildausschnitte von Jenseits allen Zweifels im originalen SuperScope-Format. Peter Hyams, der schon Richard Fleischers Film Noir Um Haaresbreite (USA 1952) als 12 Stunden Angst (USA 1990) wieder verfilmte, brachte unterm Titel Gegen jeden Zweifel (2009) ein Remake mit u.a. Michael Douglas und Jesse Metcalfe.
 
Schöne DVD-Edition (2011) von Exposure Cinema (UK), die diesen seltenen Film zwar nicht im korrekten Format, dafür bildtechnisch in einer soliden (keinesfalls brillanten) Fassung beinhaltet - englischer Ton mit optional englischen Untertiteln. Vorbildlich ist einmal mehr die Gestaltung und Präsentation, inklusive eines Beilegeblatts mit Filmpostern, dem US-Trailer und einer Bildergallerie – Poster und Standfotos – als Extras.
 

Film Noir | 1956 | USA | Fritz Lang | Dana Andrews | Edward Binns | Joan Fontaine | Robin Raymond

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