Assassin’s Code, The

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Bewertung
****
Originaltitel
The Assassin’s Code
Kategorie
Neo Noir
Land
USA/CAN
Erscheinungsjahr
2018
Darsteller

Justin Chatwin, Peter Stormare, Mark Thompson, Robin Thomas, Yancy Butler

Regie
David A. Armstrong
Farbe
Farbe
Laufzeit
96 min
Bildformat
Widescreen

 


 

The Assassins Code-Poster-web1.jpg The Assassins Code-Poster-web2.jpg The Assassins Code-Poster-web3.jpg The Assassins Code-Poster-web4.jpg

 

Cleveland, Ohio: Ein Lieferwagen der örtlichen Polizeibehörde fährt am späten Abend durch ein verlassenes Industrieviertel, als der am Steuer sitzende Police Officer (Andrew Tarr) die Straße durch eine Baustelle gesperrt sieht. Gegenüber seiner ebenfalls uniformierten Begleiterin (Ann Marie Cipolla) macht er seinem Ärger Luft, bevor er durch einen vorm Absperrgitter postierten Bauarbeiter mit Atemschutzmaske und mit einer Taschenlampe nach links umgeleitet wird. Widerstrebend folgt der Fahrer dessen Wink, aber nun sehen sich die Polizisten einem Lkw gegenüber, der die schmale Gasse blockiert. Sie kommen zum Stehen und schon zwingen mehrere maskierte Bewaffnete mit Sturmgewehren die beiden zum Aussteigen und ketten sie mit Handschellen an die Streben eines Baugerüsts. Sodann öffnen die Gangster die Ladefläche und bugsieren die im Lieferwagen verstauten Fässer voller Pseudoephedrin, dem Grundstoff für Crystal Meth, in einen inzwischen von hinten herangefahrenen Lkw. Als sie sich allesamt an Bord ihres Transporters befinden und die Masken abnehmen, können David Paris (Dontez James), Ray Blaine (Melvin Bender), Keller Abrams (Jordan Whalen) und Jimmy Marco (Matt O’Shea) kaum glauben, dass es so dermaßen einfach lief… In einer Gegend voller Einfamilienhäuser ist Police Detective Michael Connolly (Justin Chatwin) am Morgen dabei, die Anzeige einer alten Dame (Dorothy Silver) aufzunehmen, deren Pensionsschecks aus ihrem Briefkasten gestohlen wurden…

 

Das Marketing für eine Filmproduktion und das Werk selbst zeigen häufiger eine bemerkenswerte Diskrepanz und das gilt für nahezu alle Epochen des Filmschaffens. Selten jedoch empfand ich diese als so extrem wie im Fall von The Assassin’s Code, der auf Plakaten und Umschlägen für BD- und DVD-Editionen explizit wie ein Action-Thriller vermarktet wird und mit seinen visuellen Lockmitteln am Ende nichts gemein hat. Vielmehr ist The Assassin’s Code, der seinen Titel zu Recht trägt, ein klassischer, fast anachronistischer Neo Noir im Stil mancher Cop-Thriller aus den 90er Jahren. Womöglich haben David A. Armstrong und sein Autorenteam bestehend aus Valerie Grant und Edward Lee Cornett bewusst auf Filme jener Ära als Quellen der Inspiration zurückgegriffen. So zeigt die Produktion explizit Parallelen zu Michael Apteds Blink (USA 1993), zu Curtis Hansons L.A. Confidential (USA 1997), zu Ron Sheltons Dark Blue (USA/UK/GER 2002) und zu Keith Snyders Emmett's Mark (USA 2002). Die Thematik der Korruption ranghoher Dienstherren des Polizeiapparats in den USA hat seit den Tagen des klassischen Film Noirs Konjunktur und wurde dank einiger Werke Sidney Lumets, etwa Serpico (USA /ITA 1973) oder Prince Of The City – Die Herren der Stadt (USA 1981), für die Tradition des Neo Noirs zu einer Art Sub-Genre. Mit dem Polizeibeamten in zweiter Generation, der durch das Erbe seines Vaters belastet ist, und mit Police Captain Jack O’Brien (Mark Thompson), der mit Michaels Vater befreundet war und auch den Sohn seit Kindertagen kennt, serviert The Assassin’s Code gleich mehrere Klischees und scheut auch vor weiteren nicht zurück. Zudem erweist sich der Abstecher ins Privatleben des jungen Police Detectives Michael Connolly, der mit der Cellistin Jia (Elizasbeth Anweis), einer Musikerin im Ensemble des Sinfonieorchesters der Stadt, verheiratet ist, als wenig übereugend. In ihren gemeinsamen Szenen entwickeln die beiden, welche ihre Charaktere sonst glaubwürdig darstellen, auffällig wenig Chemie miteinander. Und auch Yancy Butlers Over-Acting als Staatsanwältin Laura Consolo empfand ich als zumindest teilweise störend.

 

“Austin Wintory creates a standard thriller soundtrack, but does add several moments that turn the film into a more modern noir”, heißt es im Blog Kirkham a Movie a Day. Was für den Komponisten der gelungenen Musikbegleitung gilt, hat für die Autoren, die Kameraarbeit und die Regie ebenso seine Berechtigung. Denn The Assassin’s Code hat einen Subtext, der mit dem Auftragsmörder Kurt Schlychter (Peter Stormare) zu tun hat, der für die kriminelle Organisation hinter dem anfänglichen Raubzug die Drecksarbeit erledigt und unliebsame Mitwisser exekutiert. Der Mann deutscher Abstammung, dessen Familienname nicht zufällig gewählt ist, verfolgt eigene Ziele, die wiederum seiner Vergangenheit und einem daraus erwachsenden Kodex geschuldet sind, was in Anbetracht der zu 100% amoralischen Kälte Schlychters weder die Zuschauer noch seine Auftraggeber vermuten können. Lange Rede, kurzer Sinn: Trotz der erwähnten Klischees empfand ich sowohl die bizarre Persönlichkeit Kurt Schlychters, seine Familiengeschichte und das Zusammenführen der Fäden beim Aufeinandertreffen mit Det. Michael Connolly im Finale clever eingefädelt. Die Autoren und Armstrong halten im letzten Drittel mehr als eine Überraschung parat und brechen aus der Routine des Cop-Thrillers aus. Mit einem grandiosen Stormare und den ebenfalls erstklassigen Leistungen von Rich Grosso, Mark Thompson und Robin Thomas ist der Film für Freunde des Neo Noirs keinesfalls verschwendete Zeit und allemal besser, als die meisten US-Kritiker ihn beurteilen. Insofern gibt es meinerseits knapp vier Sterne und eine Empfehlung.

 

Via Gravitas Ventures (USA) gibt es eine jeweils bild- und tontechnisch exzellente BD- und auch DVD-Edition (2018, RC1) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu den englischen Originalton inklusive englischer Untertitel, das Ganze jedoch ohne jegliche Extras.

 


Neo Noir | 2018 | USA | David A. Armstrong | Peter Stormare | Robin Thomas

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