Faces In The Dark

 

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Bewertung
***
Originaltitel
Faces In The Dark
Kategorie
Post Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1960
Darsteller

John Gregson, Mai Zetterling, John Ireland, Michael Denison, Tony Wright

Regie
David Eady
Farbe
s/w
Laufzeit
84 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Inhaber und Geschäftsführer Richard Hammond (John Gregson) ist die treibende Kraft hinter den Innovationen des mittelständischen Unternehmens Hammond Electric. Aktuell betreibt er das Projekt Apollo, die Einführung einer leistungsstarken und besseren Glühbirne. Die Beteiligung finanzstarker Investoren lehnt der impulsive, selbstherrliche Geschäftsführer in einer heutigen Sitzung rigoros ab und verprellt damit auch seinen Partner David Merton (Michael Denison), der den Fortbestand der Firma gefährdet sieht. Hammonds Ehefrau Christiane (Mai Zetterling), die sich vom Chauffeur Clem (Tony Wright) aufs Werksgelände kutschieren ließ, bittet ihren Gatten in seinem Büro um eine Unterredung, doch er hat keine Zeit und vertröstet sie auf das anschließende Mittagessen. Richard Hammond bittet Miss Hopkins (Valerie Taylor) herein, übergibt ihr einige Unterlagen für die Post und verabschiedet sich zu einer Testvorführung der Apollo-Glühbirne ins Laboratorium. Als David Merton in Hammonds Büro tritt, findet er die wartende Christiane. Er klärt sie darüber auf, in welchem Maß die despotische Art Richards den Fortbestand der Firma gefährde und Christiane ihrerseits teilt ihm mit, warum sie ihren Ehemann heute um eine Unterredung ersucht habe. Sie wolle ihn endgültig verlassen, diesmal sei eine Umkehr ausgeschlossen. Indessen wehrt sich Hammond gegen die Vorsicht des Laborleiters und jagt zu viel Strom in die Versuchsapparatur, so dass es zu einer verheerenden Explosion kommt, bei der er selbst erblindet…

 

“Faces in the Dark still ends up interesting even though there isn't really a sympathetic character in the entire movie”, stellt Andy Webb in seiner Besprechung dieses obskuren britischen Thriller der frühen 60er Jahre für The Movie Scene fest. Damit ist David Eadys Post Noir, der sich nach den ersten 10 Minuten zu einem Kammerspiel entwickelt, auch in seiner Zeit nicht allein. Der britische Film Noir hatte schon immer ein Faible und ein Talent, über seine explizit rüden, ruppigen und oft rundum egozentrischen Rollencharaktere ein intensives Unwohlsein, eine bittere Schwere zu provozieren, die den Zuschauer gleich zu Beginn in seinen Bann schlägt. Werke wie Lewis Gilberts Dämon der Frauen (UK 1955), Joseph Loseys Teuflisches Alibi (UK 1957) oder Basil Deardens Das Mädchen Saphir (UK 1959) zeigen ihre Figuren als ambivalente und oft abgründige Meister des Überlebens, die nach eigenen Maßgaben der Moral urteilen und handeln. Hatten in den späten 40er Jahren Schauspieler wie John Mills oder Derek Farr die Lichtgestalten unter den Anti-Helden des Brit Noirs verkörpert, stehen die späten 50er Jahre bereits im Zeichen von Darstellern wie Stanley Baker und Michael Craig. So erinnerte mich Eadys Drama um ein gefallenes Alphatier, das plötzlich auf die Hilfe der von ihm geschmähten und verspotteten Mitmenschen angewiesen ist, eben genau an jene Filmwelt Joseph Loseys, der im gleichen Jahr mit Die Spur führt ins Nichts (UK 1960) ein erstes Meisterwerk britischen Kinos der heraufdämmernden 60er Jahre vorlegte. Faces In The Dark ist jedoch bei weitem nicht auf einem Losey vergleichbaren Niveau angesiedelt, böte die als Gesichter des Schattens 1961 auch in Deutschland erschienene Romanvorlage (EA 1953) der französischen Autoren-Duos Pierre Boileau und Thomas Narcejac dazu ebenso wie die beteiligten Schauspieler auch die Gelegenheit.

 

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© Renown Pictures Ltd.

“Only cats and blind men can see in the dark.” Die Regie erscheint unbeteiligt, was sich positiv auswirken könnte, steckte eine Absicht dahinter, doch hier scheint es geradewegs uninspiriert, und das gilt zumindest passagenweise für die Kameraarbeit. Der US-amerikanische Film-Noir-Veteran John Ireland (Flucht ohne Ausweg, USA 1948) macht sich ebenso positiv bemerkbar wie John Gregson in der Hauptrolle und dessen Erzählerstimme aus dem Off, welche uns durch die Gedankenwelt des Blinden leitet. In der bewusst auf die ausgetüftelte Raffinesse der Kontrahenten angelegten Handlungsentwicklung gibt es zwei Schnitzer, die dem aufmerksamen Cineasten den Genuss etwas verderben. Der Mittelteil mit dem erwähnten Bühnencharakter ist dialogisch überladen, das Ende konsequent und doch etwas hastig inszeniert. Faces In The Dark ist ein obskurer Film Noir aus England, der die landestypische Tradition konsequent fortsetzt und der im Vergleich zu den Boileau-Narcejac-Verfilmungen Die Teuflischen (FRA 1955) und Vertigo - Aus dem Reich der Toten (USA 1958) die Möglichkeiten des Kinofilms in sträflicher Weise außen vor lässt. Trotz vereinzelt exzellenter Momente gerät Eadys Film dzwar nicht zum Ärgernis, bleibt aber auch nicht als herausragend in Erinnerung. Fazit: Man kann ihn, man muss ihn aber nicht sehen.

 

Sehr gute DVD-Edition der Renown Pictures Ltd. (2011) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu die original englische Tonspur ohne Untertitel und das Ganze auch ohne Extras.

 


Post Noir | 1960 | UK | David Eady | Pierre Boileau | Thomas Narcejac | John Ireland | Tony Wright | Mai Zetterling

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