seidene Schlinge, Die

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Bewertung
***
Originaltitel
Noose / Silk Noose, The
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1948
Darsteller

Carole Landis, Joseph Calleia, Derek Farr, Stanley Holloway, Nigel Patrick

Regie
Edmond T. Gréville
Farbe
s/w
Laufzeit
91 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Verlag für Filmschriften Christian Unucka
 
Im Londoner Stadtteil Soho ist der Hehler Bar Gorman (Nigel Patrick) bekannt wie ein bunter Hund und angesehen wie ein Geschäftsmann. Als er an diesem Morgen ins Büro kommt, wird ihm durch seinen Mitarbeiter Basher (Leslie Bradley) eine unangenehme Nachricht übermittelt. Die Leiche der 22jährigen Millie Sharpe wurde von der Polizei am Ufer der Themse aufgefunden. So eilt Bar Gorman zum ungekrönten König des Schwarzmarkts im Nachkriegsengland - zu Sugiani (Joseph Calleia), der sich soeben von seinem Barbier (Hay Petrie) eine morgendliche Rasur verpassen lässt. Die beiden realisieren im Nu das Ausmaß des Problems, als Inspektor Rendall (Stanley Holloway) in der Straße, darin auch Sugianis Etablissement Blue Moon Club gelegen ist, mit den Damen der Gegend zu plaudern beginnt. Er spricht auch mit Anne Foss (Ruth Dixon), Sugianis ex-Freundin und enge Vertraute der Ermordeten. Zwar schweigt sie zu allen Fragen der Beamten von Scotland Yard, die sie zur Identifizierung der Toten ins Leichenschauhaus mitnehmen, doch später in einer Bar wird ihr das Ausmaß der Tragödie bewusst und sie erleidet einen Zusammenbruch. Zufällig ist auch die Journalistin Linda Medbury (Carole Landis) anwesend, die Anne im Waschraum versorgt und dabei auf eine Aktzennotiz der Polizei und auf Annes Beziehung zu Sugiani stößt. Linda Medbury, für das Ressort Mode zuständig, beschließt kurzerhand, die Geschichte als ihre Chance zu nutzen und eilt zum Sitz der Zeitungsredaktion…
 
“You can buy people’s loyalty, you know. Politicians do it with promises. Sugiani does it with cash”, erläutert Lindas Verlobter, der aufrechte Captain Jumbo Hoyle (Derek Farr), als er noch daran glaubt, ihr die Sache mit Sugiani ausreden zu können. Es sind Passagen wie diese und andere, darin es ums Leben und Überleben in Zeiten der Rationierung und des Schwarzmarkts und der Knappheit von allem geht, die für das Skript dieses Thrillers sprechen. Immer mal wieder bricht Die seidene Schlinge aus der üblichen Schwarzweißmalerei aus und präsentiert die Figuren als schillernde, eigenwillige und teils obskure Charaktere. Der französische Regisseur Edmond T. Gréville und sein Kameramann Hone Glendinning würzen ihren Film mit reichlich Expressionismus, so dass er den Vergleich mit exzellenten britischen Film Noirs wie Sträfling 3312 (1947) oder Brighton Rock (1947) kaum zu scheuen braucht.
 
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© Renown Pictures Ltd.
 
Aber sosehr Nigel Patrick und vor allem Joseph Calleia überzeugen, sosehr enttäuschen die Lichtgestalten, die ihnen auf der Spur sind. Derek Farr und die US-amerikanische Darstellerin Carole Landis (I Wake Up Screaming /Hot Spot, USA 1941), die im Juli 1948 Selbstmord beging, versinken im Mittelmaß. Weder versteht der Zuschauer die Motivation Linda Medburys, sich gegen Sugiani und sein Imperium des Verbrechens aufzulehnen, noch erscheint die von Jumbo Hoyle mit den braven Recken eines Sportclubs inszenierte Kommandoaktion wider die Bösewichte glaubwürdig. Zudem betätigt sich Medbury nicht als Detektivin sondern eilt von einem zum nächsten, ohne wirklich Beweise für die Ermordung Millie Sharpes zu suchen oder zu erhalten. Konträr zu Mary Anderson als ermittelnde Journalistin Mary Roberts im kanadischen Film Noir Whispering City (CAN 1947) oder P.J. McNeal (James Stewart) in Kennwort 777 (USA 1948) tut Linda Medbury nach ihrem Eröffungsartikel fast nichts. Auch die ins Komödienhafte spielenden Tendenzen, etwa durch den Charakter Bar Gormans oder den Tick mit Medburys verlorenen Schuhen, irritieren und tragen nichts zur Qualität der Geschichte bei. Demgegenüber inszeniert Gréville seinen Film stilsicher elegant und temporeich. Die seidene Schlinge ist ein zwar inkonsistenter, teils jedoch überraschend abgebrühter B-Film, der sein Versprechen der dramatischen ersten 20 Minuten nicht einzulösen vermag und nichtsdestotrotz sehenswert bleibt, sei es auch nur wegen Calleia und Patrick. Vier Sterne für eine tolle Inszenierung seitens der Regie, drei für die Story und ihre stereotypen Helden.
 
Der obskure Film liegt in einer exzellenten DVD-Edition der Renown Pictures Ltd. (UK) vor, bildtechnisch hervorragend restauriert, eine ungekürzte Fassung im Originalformat und mit einem gut verständlichen englischen Originalton, allerdings ohne Untertitel, was in diesem Fall gute Englischkenntnisse erfordert.
 

 

Film Noir | 1948 | UK | Edmond T. Gréville | Dennis Harkin | Derek Farr | John Slater | Joseph Calleia | Nigel Patrick | Carole Landis

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