Flamingo Road

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
***
Originaltitel
Flamingo Road
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

Joan Crawford, Zachary Scott, Sydney Greenstreet, David Brian, Gladys George

Regie
Michael Curtiz
Farbe
s/w
Laufzeit
94 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Bild Bild Flamingo Road-Poster-web4.jpg Bild
© Warner Bros.
 
Boldon City ist eine Kleinstadt in Lauro County. Ihre Flamingo Road ist die Straße, darin Macht und Reichtum Zuhause sind, die Straße, in der so mancher gern wohnte… Wie in jedem Jahr ist aktuell Coyne’s Carnival, ein Jahrmarkt auf Wanderschaft, am Stadtrand zu Besuch. Auf einer der Bühnen sind Tänzerinnen zu sehen, die dort - “Burlesque as you like it!“ - einen orientalischen Tanz aufführen, oder zumindest ist es, was ein Ansager (Pat Gleason) den Besuchern der Show verspricht. Eine ihnen ist Lane Bellamy (Joan Crawford), die bei Coyne’s Carnival schon in vielen Rollen ihr Geld verdiente und die jetzt mit den Anderen vor dem Gewitter ins Zelt fliehen muss. Indessen verhandelt Inhaber Tom Coyne (Dick Elliott) mit Mark Lanright (James Flavin), einem Gläubiger, der auf die Rückzahlung seines Kredits nicht länger warten will und droht, den Rummelplatz durch Boldon Citys Sheriff Titus Semple (Sydney Greenstrreet) beschlagnahmen zu lassen. Coyne muss und mit dem Jahrmarkt über die Staatsgrenze fliehen, sehr zum Leidwesen seiner Angstellten. Auf der Terrasse seiner Palmer House benannten Villa empfängt Semple den Deputy Sheriff Fielding Carlisle (Zachary Scott) und gibt ihm die Anweisung, zu Coyne’s Carnival zu fahren und Lanrights Forderung umzusetzen. Fieldings wohlhabende Verlobte Annabelle Weldon (Virginia Huston) fängt ihn vor Palmers House ab und beklagt sich, dass er sein Versprechen für ein gestriges Tennismatch gebrochen habe. Als Carlisle beim Jahrmarkt ankommt, findet er nur ein einziges Zelt und die Tänzerin Lane Bellamy, die beschlossen hat, fortan in Boldon City zu bleiben…
 
“Mildred Pierce does it again, and everybody’s telling!“ Vier Jahre nach ihrem Comeback als Mildred Pierce in dem gleichnamigen Film Noir (auf Deutsch Solange ein Herz schlägt, USA 1945), der Joan Crawford ihren Oscar als beste Hauptdarstellerin einbrachte, brauchte der Star dringend einen weiteren Erfolgsfilm. Also brachte sie ihr Studio Warner Bros. erneut mit dem Regisseur Michael Curtiz, mit Darsteller Zachary Scott und mit dem Komponisten Max Steiner zusammen, allesamt auch in der Crew des vier Jahre alten Welterfolgs. Nur drei Filme hatte Joan Crawford zwischen Solange ein Herz schlägt (Prämiere 9/1945) und Flamingo Road (Prämiere 5/1949) gedreht, nur zwei davon für Warner Bros., das Studio, bei dem sie unter Vertrag stand. Ihre Rolle in Hemmungslose Liebe (USA 1947) hatte der Diva zwar erneut eine Oscar-Nominierung eingebracht, doch das düstere Werk konnte nicht so viele Zuschauer begeistern, wie das Studio gehofft hatte. Flamingo Road zeigt sich noch heute als ein ungemein vitales und kurzweiliges Drama, voll von exzellenten Schauspielern - neben Crawford und Scott vor allem Sydney Greenstreet, Gladys George, Fred Clark und David Brian - und durch Ted McCords Kameraarbeit zusätzlich veredelt. Es wimmelt von windigen, vielschichtigen Rollencharakteren und von Schauplätzen, die ihnen die richtige Bühne bieten. Langweile kommt in der temporeichen Geschichte voller Wechselfälle niemals auf, und die Protagonisten hauen sich ihre Einzeiler um die Ohren, dass es für den Film-Noir-Freund eine Freude ist: “You can’t go wrong if you say “yep“ to the right people and “nope“ to the rest of them.“
 
Bild Bild Bild
© Warner Bros.
 
Obwohl viele Zutaten in diesem Drama mit starken Einflüssen des Film Noirs erstklassig sind, gibt es einen entscheidenden Schönheitsfehler, und der ist Joan Crawford selbst. Ungeachtet ihres Talents, das die Rolle der Lane Bellamy mit Leben füllt, stellte Filmkritiker Bosley Crowther 1949 für die New York Times fest “that this picture was really designed to achieve (…) a mechanized demonstration of Miss Crawford's fortitude.” Von Beginn an zeigt sich die stark geschminkte, allemal gut (aber eben nicht mehr jung) aussehende 44jährige für die Rolle der Lane Bellamy als zu alt. Schon seit Jahren waren Joan Crawfords Liebhaber in Filmen jünger als sie - Zachary Scott und David Brian um jeweils neun, John Garfield (Humoreske, USA 1946) um acht, Van Heflin (Hemmungslose Liebe, USA 1947) um fünf Jahre. Als 44jährige eine Jahrmarktstänzerin zu mimen, die es leid ist, dass Männer sie auf der Bühne als billiges Flittchen wahrnehmen, erscheint unglaubwürdig, auch wenn man die Crawford um ein paar Jahre jünger einschätzen kann. Und dass Zachary Scott als Fielding Carlisle die im Vergleich zu Joan Crawford um 20 Jahre (!) jüngere Virginia Huston für sie aufzugeben bereit ist, lässt sich nur schwer schlucken… Trotz all ihrer Vorzüge lässt die satte Produktion im Finale auch jene zupackende Energie vermissen, die sie zuvor innehatte. Nachdem Titus Semple alle Trümpfe in der Hand hält, erweist sich die Lösung als zu einfach und die mit allen Wassern gewaschene Lane Bellamy in ihrer Beziehung zu dem korrupten und manipulativen Baulöwen Dan Reynolds als zu handzahm. Lässt man das außen vor, kann man den Film sicher genießen, ist er doch in jedem Fall ein Ausweis, wie viele herausragende Talente das Studio Warner Bros. zu dem Zeitpunkt unter seinem Dach vereint hielt. Als Die Straße der Erfolgreichen lief das Werk 1965 erstmals im deutschen Fernsehen.
 
Erstklassig restaurierte Edition (2008) als DVD in The Joan Crawford Collection Volume 2 (USA, Regionalcode 1) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, inklusive englischer Tonspur ohne Untertitel und mit dem Featurette Crawford at Warner's, mit dem Cartoon Curtain Razor und mit der Adaption als Radiohörspiel als Extras. Mehrere europäische DVD-Editionen aus den letzten Jahren mögen ebenfalls gut sein, liegen uns aber nicht vor.
 

Film Noir | 1949 | USA | Michael Curtiz | Ted D. McCord | David Brian | Fred Clark | Sydney Greenstreet | Zachary Scott | Gladys George | Joan Crawford | Virginia Huston

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