Sträfling 3312

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Bewertung
****
Originaltitel
They Made Me A Fugitive / I Became A Criminal
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Trevor Howard, Sally Gray, Griffith Jones, René Ray, Mary Merrall

Regie
Alberto Cavalcanti
Farbe
s/w
Laufzeit
97 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
London: In den Nachkriegsjahren blüht auch in England der Schwarzmarkt. Unter Führung des so gerissenen wie skrupellosen Narcy (Griffith Jones), Kurzform von Narcissus, nutzt eine Schmugglerbande die Fassade eines Beerdigungsinstituts – der Walhalla Undertaking Company. Auch der Kriegsheimkehrer und ehemalige RAF-Pilot George Clement Morgan (Trevor Howard), genannt Clem, kennt Narcy und trifft ihn in einem Nachtclub. Clem ist desillusioniert und zynisch, doch er braucht einen Job und steigt bei Narcy ein. Letzterer hat ein Auge auf Clems Freundin geworfen, die undurchsichtige Blondine Ellen (Eve Ashley). Als Narcy eines Abends unter der Schmuggelware im Sarg Kokain hervorholt, droht ihm Clem nicht mehr mitzuspielen. Zwar werden sich die zwei vorerst handelseinig, doch Narcy, der Clem als Rivalen erkennt, beschließt ihn loszuwerden. Als sie mit Soapy (Jack McNaughton) einen Coup in einem Lagerhaus durchführen, lässt Narcy Clem am Tatort zurück – in dem Auto, darin er just einen Polizisten überfuhr. Clem findet sich als verurteilter Mörder im Gefängnis zu Dartmoor, als ihn unter dem Vorwand, seine Schwester zu sein, eine gewisse Sally Connor (Sally Gray) aufsucht, eine Varietétänzerin und ehemalige Freundin Narcys…
 
Klassenkampf! Die Konkurrenz zwischen Narcy und Clem versinnbildlicht die im britischen Film vielerlei reproduzierte, unausrottbare Rivalität zwischen der Arbeiterklasse und dem Bildungsbürgertum. Der Gangster Narcissus tut in seiner Maskerade des edlen Herrn alles, um nach oben zu gelangen, ohne jedoch von vornherein eine Aussicht auf Erfolg zu haben. Clem in seinem Ledermantel, unrasiert und mit der Schiebermütze im Nacken, zeigt aller Welt, dass trotz seiner heroischen Vergangenheit als Offizier in diesem England kein Platz für ihn ist. Desillusioniert, aggressiv und unnachgiebig sind sie beide! Das Gute und Aufrechte fördert schließlich die Liebe Sallys (wieder) in Clem empor. Insofern ist Sträfling 3312 – beispielhaft für die desaströse Übersetzung eines Filmtitels ins Deutsche! – fast konventionell gestrickt. Fast! Denn zusehends entpuppt er sich als ein echter Film Noir, dessen Ende dort einen Schritt weitergeht, wo beim US-amerikanischen Film Noir ab den Spätzvierzigern sich alles im Wohlgefallen des Happy Ends auflöst.
 
 
Bild Bild Bild
 
Der gebürtige Brasilianer Alberto Cavalcanti und sein tschechischer Kameramann Otto Heller bannen die rasanten 97 Minuten des Films in eine Mixtur aus grimmiger Milieustudie und expressionistischem Schwarzweiß. Trevor Howard stiehlt (fast) allen die Schau und Griffith Jones tut seinerseits alles, um mitzuhalten. Klasse Schauspiel des Ensembles, perfekte Schnittfolge, glaubwürdiges Skript! Zwar sind die Schmuggler zu sehr vom Reißbrett der Kriminalliteratur und weniger gelungen als in Filmen Carol Reeds, doch ist der Einfluss des hierzulande vergessenen Sträfling 3312 auf den britischen Film Noir der kommenden Jahre unübersehbar. Das Finale findet sich nahezu kopiert in den britischen Thrillern Auf falscher Spur (UK 1950), ebenfalls mit Trevor Howard, und Hetzjagd (UK 1960). Wegen seiner für die Zeit ungeschminkten Gewalttätigkeit – vergleichbar Henri-Georges Clouzots Unter falschem Verdacht (FRA 1947) – erschien der Film in den USA seinerzeit um ganze 19 Minuten (!) gekürzt.
 
Die englische DVD-Edition der Odeon Entertainment Ltd. bringt den Film in einer hervorragenden Fassung, wenngleich er bildtechnisch beizeiten nicht die Brillanz anderer Restaurationen zeigt. Ungekürzte Spielzeit von 97 Minuten im Originalformat und mit original englischem Ton ohne Untertitel, der für manchen gewöhnungsbedürftig sein dürfte. Dazu gibt es ein achtseitiges Booklet mit Infos, Fotografien und Filmplakaten.
 

 

Film Noir | 1947 | UK | Alberto Cavalcanti | Maurice Denham | Trevor Howard | Sally Gray

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