Agent aus der Hölle, Der

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Bewertung
***
Originaltitel
Alias Nick Beal
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

Ray Milland, Audrey Totter, Thomas Mitchell, George Macready, Fred Clark

Regie
John Farrow
Farbe
s/w
Laufzeit
93 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Paramount Pictures

Im Gewitterregen erklimmt der künftige Gouverneur Joseph Foster (Thomas Mitchell) mit anderen Honoratioren und mit Leibwächtern die Stufen des Rathauses der Stadt, wo seine Amtseinführung stattfinden wird. Aber glücklich sieht er dabei nicht aus… Acht Monate zuvor war Foster in seiner Rolle des Staatsanwalts ein angesehener und respektierter Beamter. Indessen er sich in einer Besprechung mit dem ebenso einflussreichen wie dubiosen Geschäftsmann Frankie Faulkner (Fred Clark) befand, brachte sein Mitarbeiter Peter Wolfe (King Donovan) ihm die geforderte Akte in dem Fall Beckford. Faulkners Besuch galt seinerzeit einem besonderen Zweck, denn er wusste zu berichten, dass der fast siebzigjährige Gouverneur Lambert beabsichtige, sich zur Ruhe zu setzen. Und ein Mann wie Foster, bald 48 Jahre alt, habe gute Chancen zu gewinnen, sofern er die richtigen Sponsoren hätte. Joseph Foster antwortete ihm, dass solche Sponsoren nicht im Gefängnis sitzen sollten, zumal er beabsichtige, im Prozess gegen den Faulkner nahestehenden Hanson zu gewinnen. Nun wusste Faulkner von einer Vorladung, die Foster eingereicht hatte, um Hansons Buchhaltung zu überprüfen, nur dass leider die zur Debatte stehenden Geschäftsbücher am Morgen Feuer gefangen hätten… Joseph Foster, ein Mann von Prinzipien, war über diesen offen eingestandenen Betrug erbost und machte Faulkner klar, dass er sich nicht kaufen ließe, bevor er ihn hinauswarf. Sofort darauf erschien der mit Foster befreundete Pastor Thomas Garfield (George Macready) im Büro…

 

Das ist ein ungewöhnlicher Beitrag in der Sparte des klassischen Film Noirs, über den sich manches Positive sagen lässt, womit sich auch lohnt zu beginnen. Die Thematik der Versuchung und Verführung ist im Film Noir fest verankert, und wie z.B. in Andre de Toths Pitfall (USA 1948) steht eine vermeintliche Femme fatale hier unter dem Einfluss eines Mannes, der sie beherrscht und lenkt. Jener offensichtlich der biblischen Hölle entsprungene “Agent“ Nick Beal (Ray Milland) manipuliert alles und jeden in solch diabolischem Erzählstück und er treibt die Figuren seines Interesses mit sicherer Hand übers Spielfeld, darauf sie ihre tiefsten Grundsätze und Leitlinien sukzessive verraten. Während die Prostituierte Donna Allen (Audrey Totter) schon früh seinem Einfluss erliegt, dauert es eine Weile, bis Nick Beal den ambitionierten Bezirksstaatsanwalt Joseph Foster aus seinem stabilen Umfeld herausgelöst und isoliert hat. Dann ist auch jener eine nahezu willenlose Marionette… Regisseur John Farrow leitet den Zuschauer mit Ruhe und mit dramaturgischem Gespür durch die Handlung und Lionel Lindon (Die blaue Dahlie, USA 1946) steuert als Mann hinter der Kamera einige grandios expressionistische Bildkompositionen bei. Die herausragende Schauspielerin des Ensembles ist ohne Zweifel Audrey Totter, die in all ihren Szenen markant im Mittelpunkt steht. Thomas Mitchell füllt seine Rolle als quasi “Faust“ sicher aus und haucht seinem Musterbürger im freien Fall die notwendige Glaubwürdigkeit ein. Auch Ray Milland, beizeiten etwas hölzern, konnte  mich in Der Agent aus der Hölle, wie der deutsche Titel des Films nüchtern und treffsicher konstatiert, großteils überzeugen. Folglich sollte man meinen, John Farrows eigentümliche Mixtur, die an Val-Lewton-Produktionen à la The Seventh Victim (USA 1943) erinnert, wäre für die Freunde des klassischen Film Noirs ein uneingeschränkter Hochgenuss. Aber genau das ist nicht der Fall.

 

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© Paramount Pictures

Das extrem banale und läppische Ende des Films offenbart, was Der Agent aus der Hölle im Grunde sein will und auch ist – eine x-te Variation von Johann-Wolfgang Goethes Drama Faust. Eine Tragödie. (EA 1808/1832) für unbedarfte Gemüter. Ob es der Zensurbehörde und ihrem Production Code oder der christlichen Überzeugung des unterm Pseudonym Mindred Lord arbeitenden Autors Mindred Loeb geschuldet ist, spielt keine Rolle, denn seine Schlusssequenz entwertet den Film und dessen Handlungsentwicklung fast vollständig. Nun gibt es so einige Film Noirs, deren finale Sequenzen und Einstellungen nach einem konsequenten Handlungs- und Spannungsaufbau ins Einerlei spießbürgerlicher Selbstzufriedenheit zurückführen. In der Hinsicht zählt Der Agent aus der Hölle jedoch zu den besonders missratenen Beispielen. Schon vor Ende verleiten Anspielungen auf den christlichen Glauben zu störendem Hokuspokus in der Charakterzeichnung – Beal lässt sich nicht berühren und liest nicht aus der Bibel vor – doch das Finale setzt dieser Tendenz dann unerwartet die Krone auf. Stets lassen sich Sequenzen des Films, vor allem diejenigen mit Audrey Totter, genießen. Doch mit Blick auf das Ganze hätte man hier mehr herausholen können, bedeutend mehr. Nun hatte schon John Farrows vorheriger Film Noir Die Nacht hat tausend Augen (USA 1948) nicht bloß mit dem Übernatürlichen angebandelt sondern seine Romanvorlage (EA 1945) aus der Feder von Cornell Woolrich durch einen geänderten Schluss völlig verwässert und damit ruiniert. Der Film ist Mumpitz und wurde von seinem Hauptdarsteller Edward G. Robinson in dessen Autobiografie auch als solcher gewertet. Mit einem John Huston, Fritz Lang oder Billy Wilder auf dem Regiestuhl wäre Paramounts Der Agent aus der Hölle unter Garantie ein besserer Film geworden. So bleibt er ein gerade mal mittelmäßiges Kuriosum für eine Gruppe eingefleischter Film-Noir-Fans.

 

Eine italienische DVD-Ausgabe (2015) der A& R Productions S.a.s. unterm Titel La sconfitta di Santana bietet in deren Rare Movies Collection als weltweit einzige Ausgabe den Film bild-und tontechnisch halbwegs solide (nicht restauriert) ungekürzt im Originalformat mit der original englischen Tonspur und mit optional italienischen Untertiteln, im Übrigen ohne Extras.

 


Film Noir | 1949 | USA | John Farrow | Lionel Lindon | Darryl Hickman | Fred Clark | George Macready | Henry O'Neill | Ray Milland | Thomas Mitchell | Audrey Totter

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