Im Netz der Leidenschaften / Die Rechnung ohne den Wirt

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
***
Originaltitel
The Postman Always Rings Twice
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

Lana Turner, John Garfield, Cecil Kellaway, Hume Cronyn, Audrey Totter

Regie
Tay Garnett
Farbe
s/w
Laufzeit
108 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Frank Chambers (John Garfield) ist an der Küste Kaliforniens als Anhalter unterwegs. Er wurde aus dem Gefängnis entlassen, erzählt er dem Fahrer (Leon Ames), der ihn mitnimmt, und will jetzt von vorn beginnen. Als er an der Raststätte Twin Oaks durch ein Schild mit der Aufschrift „Man Wanted“ auf einen Job als Aushilfe aufmerksam wird, lässt er sich vom Betreiber Nick Smith (Cecil Kellaway) kurzerhand einstellen. Wenig später lernt er dessen Frau Cora (Lana Turner) kennen. Sie ist gut 25 Jahre jünger als ihr Mann – wasserstoffblond, elegant, lasziv. Frank weiß um seine schwache Seite und möchte am liebsten sofort kündigen, erkennt er doch in Cora die Gefahr für sich und seine Vorsätze. Aber er bleibt. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Denn Cora Smith fühlt sich ihrerseits zu Frank Chambers hingezogen. Als sie eines Nachts im pazifischen Ozean gemeinsam ein Bad nehmen, bricht ihre Leidenschaft füreinander hervor. Schon bald drängt sie die Liebenden zu Überlegungen, die eine Zukunft ohne Nick betreffen…
 
Tay Garnetts Film Noir mit der Idealbesetzung John Garfield und Lana Turner, seinerzeit ein Publikumshit, erfährt bis heute in den USA mehr Wertschätzung als in Europa. Doch zweierlei stört an dieser dritten Verfilmung des Debütromans Die Rechnung ohne den Wirt (EA 1934) von James M. Cain: Die vollends fehlende Chemie zwischen der glamourösen Cora und dem trotteligen Nick macht deren Ehe in den Augen des Zuschauers gänzlich unglaubwürdig. Sie erscheint als hanebüchen konstruierte Prämisse und trotz des guten Schauspiels aller Akteure als reine Farce. Zum Zweiten ist die Erotik der Buchvorlage und der Zweitverfilmung durch Luchino Visconti unter dem Titel Ossessione (ITA 1943) in dieser MGM-Verfilmung von Tay Garnett aufs Niveau des Hays Codes, der seinerzeit in den USA offiziell gültigen Zensurvorgaben, herunter gefahren. Was für damalige Verhältnisse in Hollywood nahe der Zumutung rangierte, erscheint dem Betrachter heute harmlos und flach.
 
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© Warner Bros.
 
Demgegenüber gibt es auch Positives: Schauplätze, Dialoge, Darsteller und Regie, vor allem mit Blick auf eine rasante Erzählung über 108 Minuten Laufzeit, sind erste Wahl. Die Femme fatale und ihr willensschwacher Antiheld, Schuld und Unschuld als Nachbarn im Dickicht der Psyche – thematisch und stilistisch gibt es Film Noir satt. Doch nachdem auch Hume Cronyn und Audrey Totter den Cineasten im Verlauf der Handlung zunehmend mit dem Film aussöhnen, setzt das elegisch-pathetische Ende wieder eins drauf. Deutlich schwächer als Luchino Viscontis leidenschaftliches und dennoch bitter trockenes Debüt - gegen das MGM seinerzeit klagte und damit ein Aufführungsverbot in den USA erwirkte - wurde mit Im Netz der Leidenschaften / Die Rechnung ohne den Wirt die Chance für einen Klassiker des Film Noirs schlicht verspielt.
 
Die jeweils hochwertige BD (2013) und DVD (2004) von Warner Bros. präsentiert den Film in ungekürzter Spielzeit und im Originalformat, mit wahlweise vier Tonspuren, darunter Deutsch und Englisch, sowie haufenweise Untertiteln. Unter den Extras ist neben dem US-Kinotrailer vor allem die Dokumentation Die John-Garfield-Story ein herausragendes Bonusfeature.
 

Film Noir | 1946 | USA | Tay Garnett | James M. Cain | John Garfield | Hume Cronyn | Lana Turner | Audrey Totter

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