Nacht hat tausend Augen, Die

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
**
Originaltitel
Night Has A Thousand Eyes
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1948
Darsteller

Edward G. Robinson, Gail Russell, John Lund, Virginia Bruce, William Demarest

Regie
John Farrow
Farbe
s/w
Laufzeit
81 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Paramount Pictures Corporation
 
Auf den Gleisen eines Rangierbahnhofs sucht Elliott Carson (John Lund) nach Spuren seiner Verlobten, Jenny Courtland (Gail Russell). Erst findet er einen ihrer Handschuhe, schließlich ihre Handtasche und Armbanduhr. Als er hoch blickt, sieht er sie selbst einen hoch gelegen Steg für das Wartungspersonal erklimmen, derweil eine Dampflok auf dem darunter durchführenden Gleis auf sie zuhält. Carson rast die Eisentreppe empor und kann Jenny im letzten Augenblick zurückhalten, als diese sich bereits jenseits des Geländers vor den Zug werfen will: “Why did you stop me? Why?“ Jenny Courtland möchte natürlich auf der Stelle wissen, warum er sie rettete, haben doch die Sterne tausend Augen, aber Carson beruhigt sie, dass ihr die Sterne ja nicht weh tun könnten: “Darling, the stars can’t hurt you.“ Also setzen sich die beiden, nachdem die Tränen der Aufregung getrocknet sind, in ihr hübsches Chrysler Cabriolet und fahren in ein nahegelegnes Jazz-Café, wo der ehemalige Wahrsager John Triton (Edward G. Robinson) sie bereits erwartet und ihnen Rührei und Kaffee servieren lässt. Elliott Carson kennt John Triton offensichtlich, macht andererseits keinen Hehl aus seinem Misstrauen ihm gegenüber, während Jenny darauf hinweist, dass Triton ihr ja nur helfen wolle. So erzählt jener den beiden Verlobten seine Geschichte, die ihn zwanzig Jahre zurückführt, als er mit Whitney Courtland (Jerome Cowan) als Manager und Buchhalter und seiner Assistentin Jenny (Virgina Bruce), die er liebte, eine Show als Wahrsager unterhielt…
 
Das Entree dieses B-Films aus dem Jahr 1948 misslingt dermaßen, dass man darüber nur mehr lachen kann. Was in Cornell Woolrichs Roman (EA 1945, ursprünglich unterm Pseudonym George Hopley) der Auftakt zu der wohl dunkelsten und hoffnungslosesten all seiner Geschichten ist, wird durch das limitierte Schauspiel Gail Russells und John Lunds sowie die hastige Inszenierung John Farrows zur Farce. Eben noch versucht sich Jean Courtland vor eine Lokomotive zu werfen; im nächsten Augenblick plaudert man bei Omelett und Kaffee geruhsam mit dem Wahrsager John Triton. Das ist so unglaubwürdig, dass sich einer fragen muss, für wie dämlich die Drehbuchautoren Jonathan Latimer und Barré Lyndon die potentiellen Zuschauer eines solchen Film Noirs wohl hielten. Ganz offensichtlich diente das Projekt lediglich als Starvehikel für Edward G. Robinson, der mitunter zwar noch die erste, beizeiten - wie etwa in Gangster in Key Largo / Hafen des Lasters (USA 1948) - aber schon nur noch die zweite Geige spielen durfte. Und seine darstellerische Leistung ist selbstredend das Beste an diesem vorhersehbaren und lahmen Streifen, dessen Geschichte außer den zentralen Charakteren mit dem Buch Cornell Woolrichs fast nichts gemein hat. Stattdessen hat man sich offensichtlich von anderen Filmen der Ära inspirieren lassen, vor allem von Edmund Gouldings Der Scharlatan (USA 1947) mit Tyrone Power als Wahrsager Stanton Carlisle und teils von Anatole Litvaks Die lange Nacht (USA 1947), darin Vincent Price den Magier Maximilan der Große mimt.
 
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© Paramount Pictures Corporation
 
„Farrow makes it reasonably atmospheric (…), but the script is marred by tiresome discussions as to whether extrasensory perception is rationally or scientifically accountable, and by a silly plot twist which allows for a (partly) happy ending,” heißt es von TM bei Time Out und es trifft als eine der wenigen negativen Rezensionen des Films zu 100% zu. Die Charaktere bleiben, besonders im Vergleich zu einem so lebenssatten, vielschichtigen Werk wie Gouldings Der Scharlatan, blass, hölzern und wie aus einem Streifen der Dreißiger entliehen. Sogar die Inszenierung ist lieblos – in den 20 Jahren zwischen Rückblende und Gegenwart zeigen die Protagonisten keinerlei Spuren des Alterns. Virginia Bruce und Jerome Cowan haben als Mitstreiter des Magiers John Triton die Ausstrahlung besserer Statisten; zu dritt geht ihre Chemie gegen Null. Beeindruckend ist einzig die Arbeit von John F. Seitz, der zwischen 1943 und 1950 u.a. für vier Filme Billy Wilders als Kameramann tätig war, darunter Frau ohne Gewissen (USA 1944) und Boulevard der Dämmerung (USA 1950). Der Rest ist mäßige Unterhaltung, die vor allem dem Autor der Romanvorlage, Cornell Wollrich, in keiner Weise gerecht wird. Hauptdarsteller Edward G. Robinson stellte in seinen Memoiren dem Film kein gutes Zeugnis aus, ebenso wenig wie Bosley Crowther im Oktober 1948 in der New York Times, der die bis heute beste Zusammenfassung dieses Machwerks ablieferte: "Night Has a Thousand Eyes," which came to the Paramount yesterday, is such unadulterated hokum that it almost ingratiates itself. Almost, we said.”
 
Weltweit gibt es von diesem Film lediglich eine italienische DVD, die den Film ungekürzt im Originalformat mit wahlweise englischem oder italienischem Ton in nicht restaurierter und daher bescheidener Bildqualität beinhaltet.
 

Film Noir | 1948 | USA | John Farrow | Cornell Woolrich | John F. Seitz | Edward G. Robinson

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