Bis zur letzten Stunde

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Bewertung
***
Originaltitel
Kiss The Blood Off My Hands
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1948
Darsteller

Joan Fontaine, Burt Lancaster, Robert Newton, Lewis L. Russell, Aminta Dyne

Regie
Norman Foster
Farbe
s/w
Laufzeit
79 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Universal-International Pictures Inc.
 
London: Dunkelheit liegt über Themse und Hafen, die Sperrstunde rückt näher und die Pubs müssen schließen. Auch der Wirt im Anchor and Dolphin (Colin Kenny) fordert seine Gäste auf, das Lokal zu verlassen und sie tun es, indessen Harry Carter (Robert Newton) Zeit braucht, um das Klavier zu schließen und sein Glas zu leeren. Nur William Earle Saunders (Burt Lancaster) bleibt am Tresen sitzen und reagiert auf die Aufforderung des Wirts mit einem Kinnhaken, der ihn zu Boden streckt. Der Mann knallt mit dem Kopf gegen einen der Füße des Klaviers und ist tot, wie Harry Carter feststellt. Bill Saunders flieht aus dem Lokal, indessen die Tresenkraft (Marilyn Williams) einen Schrei ausstößt und die ersten Neugierigen zurückkehren. Saunders bricht sich Bahn und hetzt von einem Polizisten (Don McCracken) verfolgt durch verwinkelte Gassen über Hinterhöfe und auf Dächer von Lagerschuppen, bis er neben sich ein Fenster erspäht. Er öffnet es, klettert hinein, während unter ihm der Polizist und ein Kollege (Robin Hughes) mit Taschenlampen nach ihm suchen. Er blickt sich um und sieht, dass er sich im Schlafzimmer einer jungen Frau Joan Fontaine) befindet, die nur wenige Meter von ihm entfernt in ihrem Bett liegt und schläft. Als Saunders das Fenster schließen will, wacht sie auf, wundert sich und steht auf. Er schnellt vor, umfasst sie hinterrücks und presst seine Hand auf ihren Mund. Sofern sie still hielte, wird er ihr nicht weh tun, lässt er sie wissen, indessen die Polizisten bei ihrer Vermieterin (Aminta Dyne) nachfragen…
 
“The cities can be rebuilt, but the wounds of men, whether of the mind or of the body, heal slowly.” Norman Fosters Verfilmung des Romans Kiss The Blood Off My Hands (EA 1940) aus der Feder des englischen Autors Gerald Butler, der 1948 in den USA als The Unafraid erneut veröffentlicht wurde, ist zu Beginn ein geradezu archetypischer Film Noir seiner Zeit. Bill Saunders ist Kriegsveteran, aber im Unterschied zu George W. Taylor (John Hodiak) in Somewhere In The Night (USA 1946) oder zu Eddie Rice (John Payne) in Herr der Unterwelt (USA 1949) ist er kein Heimkehrer. Saunders ist in der Fremde gestrandet, traumatisiert und von immer schon schwierigen Lebensphasen seiner Vergangenheit heimgesucht, ein zu Alkohol und Gewalt neigender, einsamer Hüne von ex-GI. Die Geschichte beginnt, als der ohnedies schon Gescheiterte endgültig durchs Raster der Normen fällt und einen Mann, dem er einen Schlag versetzt, versehentlich in den Tod befördert. Mit einer Dynamik, die an Raoul Walsh denken lässt, zieht Norman Foster in der Fluchtsequenz des Beginns den Zuschauer in den Bann. Saunders hetzt durch die nächtlichen Straßen eines kriegsversehrten Londons, - alles Bauten auf der Studiobühne von Universal Pictures in Hollywood - ein Tier auf der Flucht vor seinen Häschern. Der 34jährige Burt Lancaster hatte just mit Harold Hecht die unabhängige Norma Productions gegründet, die später in Hecht-Lancaster-Productions umbenannt wurde. Sie sollte ihm eine bessere Kontrolle über die weitere Entwicklung seiner Karriere sichern. Nur zwei Jahre zuvor hatte der ehemalige Zirkusartist Lancaster in Robert Siodmaks Film Noir Rächer der Unterwelt / Die Killer (USA 1946) sein Debüt als Schauspieler gegeben. Doch Bis zur letzten Stunde war bereits sein achter Film - der vierte im Jahr 1948 - und die Rolle ganz typisch für ihn.
 
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© Universal-International Pictures Inc.
 
“Though dappled with shadows and light, it never quite recaptures the visual fireworks of its first ten minutes“, stellt Mark Fertig für Where Danger Lives fest, obgleich die grandios inszenierte Eröffnungssequenz streng genommen bloß 7 Minuten dauert. Ein Zuviel an melodramatischer Zuspitzung und einer romantischen Liaison, die nie zu 100% überzeugt, vor allem auch ein zu hastiges Finale und ein flaches Ende lassen die Leistungen der Hauptdarsteller Joan Fontaine und Burt Lancaster sowie die grandiose Kameraarbeit Russell Mettys (Im Zeichen des Bösen, USA 1958) schließlich auf Grund laufen. Das Versprechen des Auftakts bleibt uneingelöst und trotz der spürbar hehren Ambitionen, die sich vor allem in der moralischen Ambivalenz des Rollencharakters Bill Saunders ausdrücken, gibt die Filmfassung des Romans nicht viel her. Denkt man daran, wie 10 Jahre zuvor in Marcel Carnés Hafen im Nebel (FRA 1938) eine vergleichbare Geschichte auf den Punkt genau zu Ende geführt wurde, ist die Schwäche des Films unübersehbar. Guy Savage beschreibt in seiner Rezension des heute obskuren Romans Gerald Butlers, dass jener um einiges dunkler als der Film sei. Das Gleiche läst sich von John Farrows Die Nacht hat tausend Augen (USA 1948) sagen - gegenüber Cornell Woolrichs Roman (EA 1945) als dessen Quelle geradezu eine Groteske. Letzteres ist Bis zur letzten Stunde ganz sicher nicht. Leidlich unterhaltsam ist das Werk dennoch (leider) kein Kernstück des US-amerikanischen Film Noirs jener Spätvierziger.
 
Trotz seiner über ihren Tod hinaus prominenten Filmstars des klassischen Kinos und trotz des großen Interesses am Film Noir in den USA ist Bis zur letzten Stunde bis heute weltweit nicht als BD oder als DVD erhältlich. Eine mit einem TV-Mitschnitt in mittelprächtiger Qualität versehene Bootleg-DVD (2011) ist inzwischen vom Markt genommen worden.
 

Film Noir | 1948 | USA | Norman Foster | Russell Metty | Burt Lancaster | Robert Newton | Joan Fontaine

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