Wenn es Nacht wird in Paris

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
*****
Originaltitel
Touchez pas au Grisbi
Kategorie
Film Noir
Land
FRA/ITA
Erscheinungsjahr
1954
Darsteller

Jean Gabin, René Dary, Jeanne Moreau, Lino Ventura, Vittorio Sanipoli

Regie
Jacques Becker
Farbe
s/w
Laufzeit
92 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Die Freunde Max (Jean Gabin) und Riton (René Dary) sind zwei offenbar wohl situierte Herren um die 50. Ihre Nächte verbringen sie mit Josy (Jeanne Moreau) und Lola (Dora Doll), ihren etwa 20 Jahre jüngeren Freundinnen, in schicken Pariser Restaurants und Clubs. Max scheint allerdings nicht viel Vergnügen daran zu finden. Doch er und Riton müssen warten. Warten bis jener spektakuläre Goldraub am Flughafen von Orly - acht Barren im Wert von 50 Millionen Francs! - aus dem Gedächtnis der Öffentlichkeit verschwunden sein wird. Indessen schlichtet Max einen Streit zwischen dem Nachtclubbesitzer Pierrot (Paul Frankeur) und dem Drogenhändler Angelo (Lino Ventura). Da bekommt er mit, dass Angelo sich an Josy herangemacht hat, die ihrerseits dem ältlichen Riton den Laufpass gibt. Dank Josy scheint Angelo nun etwas über den Raubzug in Orly zu wissen, was Riton ihr gegenüber hätte verschweigen müssen. Auf der Fahrt nach Haus wird Max im Taxi von einer Ambulanz verfolgt. Und auch Riton bekommt unerwartet Besuch...
 
Wenn es Nacht wird in Paris ist der Schlüsselfilm, der den Film Noir im Jahr 1954 nach Frankreich zurückholte. 1955 folgten Rififi  von Jules Dassin und Die Teuflischen  von Henri-Georges Clouzot und 1956 Drei Uhr nachts  von Jean-Pierre Melville. Der moderne französische Gangsterfilm brachte Elemente des klassischen Film Noirs zu später Blüte – die Femme fatale, den zum Scheitern verurteilten Antihelden, das schattendurchsetzte Schwarzweiß einer entfremdeten Wirklichkeit. Becker, Melville und Louis Malle (Fahrstuhl zum Schafott, FRA 1958) öffneten der Nouvelle Vague das Tor in ein neues Zeitalter europäischen Kinoschaffens. Das Wort Gangsterfilm trifft es im Übrigen nicht – statt eines Genres gibt es Film Noir. Statt eines Goldraubs sehen wir in Touchez pas au grisbi zwei alte Freunde beim Nachtessen und beim Zähneputzen.
 
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Demgegenüber spielt Jacques Beckers Film zu 100 % in der Gegenwelt. Die Polizei oder eine andere Ordnungsmacht kommen nicht vor. Zugleich tritt der wohlhabende Ganove Max wie der heimliche Herrscher von Paris in Erscheinung. Reihenweise liegen ihm hübsche Frauen zu Füßen. In Nachtbars und Bistros kennen ihn Hinz und Kunz und überall öffnen sich Türen oder reichen sich Hände. Darin steckt eine gehörige Portion bitterer Ironie, die sich mit der Entwicklung einer zunehmend brutalen Handlung aufs Beste verträgt. Jacques Becker, knochentrocken, zeigt Meisterschaft auf allen Ebenen. Der Kameramann Pierre Montazel tut ein Übriges und serviert ein mustergültiges Paris Noir im Licht der Nacht. Zu Jean Gabin muss man nicht viel sagen - 40 Jahre lang ein Gigant des französischen Schauspiels. Und das restliche Ensemble, einschließlich Lino Ventura in seinem Filmdebüt, ist kaum minder exquisit.
 
Die französische und die englische DVD von Studiocanal zeigen den Film bildtechnisch 1A restauriert, zum Originalton noch englische Untertitel, auch Originalformat und –länge, die frz. Edition im Rahmen der Serie Noire, die jener von Marcel Duhamel ab 1945 im Verlagshaus Gallimard editierten Buchreihe im Erscheinungsbild stilsicher nachempfunden ist.
 

Film Noir | 1954 | France | Jacques Becker | Daniel Cauchy | Jean Gabin | Lino Ventura | Paul Frankeur | Jeanne Moreau

Wir leben seit 15 Jahren mit der DVD als einem Bildträger, der den Filmmarkt fürs Home Entertainment revolutionierte. Aber Filmklassiker gibt es in Deutschland fast gar nicht. Jede drittklassige Horrorproduktion kommt als BD und als DVD - in 3D und als Steelbook, als Premium Edition, als Director’s Cut, etc. pp. Französische und englische Filmklassiker sind kaum greifbar. Kurzum: Wenn es Nacht wird in Paris, Schlüsselfilm des Comebacks von Jean Gabin und in den USA Teil der renommierten Criterion Collection, gibt es in Deutschland seit Jahr und Tag nicht mal als VHS-Video. Die englische DVD bietet immerhin englische Untertitel.

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