Gunn

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Bewertung
***
Originaltitel
Gunn
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1967
Darsteller

Craig Stevens, Laura Devon, Edward Asner, Albert Paulsen, Sherry Jackson

Regie
Blake Edwards
Farbe
Farbe
Laufzeit
95 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Paramount Pictures

Vor der Küste von Los Angeles kreuzt Mafiaboss Julio Scarlotti (Lincoln Demyan) mit seiner Geliebten (Chanin Hale) auf der Motoryacht Tempest durch den Pazifischen Ozean. Es ist Nacht und der Steuermann (Mark Van Mills) entdeckt auf dem Radarschirm ein Boot, das sich dem ihren nähert. Der Skipper benachrichtigt Scarlotti, der im Bademantel an Deck kommt und darüber informiert wird, dass wohl die Küstenwache auf einen Besuch vorbeikommen werde. Schon legt deren Boot an und zwei Uniformierte springen behende auf Scarlottis Yacht. Aber noch bevor Julio Scarlotti eine Antwort darauf erhält, was der Besuch bezweckt, haben die beiden ihn und alle anderen an Bord befindlichen Passagiere und Crewmitglieder mittels Maschinenpistolen ermordet… Beim Begräbnis des Paten Scarlotti, zu dem eine überschaubare Anzahl von Menschen kommt, um dessen mit vielen Blumen geschmückten Sarg in die Erde zu senken, beobachtet auch Privatdetektiv Peter Gunn (Craig Stevens) aus einiger Entfernung das Geschehen. Er erhält Gesellschaft von Police Lieutenant Jacoby (Edward Asner), der um Gunns Verbindung zu Scralotti weiß und fürchtet, der Detektiv könne unnötig Staub aufwirbeln und dadurch die Untersuchungen der Polizei gefährden. Scarlotti rettete Gunn einst das Leben, und der Private Eye ist offenbar nicht willens, dessen Ermordung hinzunehmen. Auch als Scarlottis ebenfalls anwesender Nachfolger Nick Fusco (Albert Paulsen) ihm eine unmissverständliche Warnung zukommen lässt, bleibt Gunn gelassen…

 

“Something about a new grave makes me want to run a four-minute mile, get drunk and shack up with a redhead. Not necessarily in that order.“ Die TV-Serie Peter Gunn (USA 1958-1961) war nach Richard Diamond, Privatdetektiv (USA 1957-1960) die zweite mit einem “Private Eye“ in der Titelrolle besetzte TV-Serie, die der vom Rundfunk zum Fernsehen gewechselte Autor und Regisseur Blake Edwards als einen Erfolg verbuchen konnte. Mit Craig Stevens in der Hauptrolle und mit Lola Albright und Herschel Bernardi an seiner Seite brachte es Peter Gunn, dessen Titelmelodie für Henry Mancini und später Duane Eddy zum Welthit wurde, in 3 Staffeln auf insgesamt 114 Episoden. Sechs Jahre später war Blake Edwards (Der letzte Zug, USA 1962) ein international erfolgreicher Hollywoodregisseur, der vor allem im Komödienfach mehrere Kassenschlager hatte verbuchen können. So wandte er sich 1967, als Hollywood den Film Noir als hardboiled Neo Noir in Technicolor für sich (wieder-)entdeckte, nochmals dem etwas in die Jahre gekommenen P.I. Peter Gunn zu und brachte ihn im Breitwandformat und in Farbe auf die Kinoleinwand. Stets mit Craig Stevens in der Rolle des seinem Publikum wohlbekannten Serienhelden, mit Kamera-As Philip H. Lathrop (Point Blank – Keiner darf überleben, USA 1967) hinterm Objektiv und mit allerlei kompetenten Nebendarstellern verfilmte Edwards einen bereits durch die TV-Serie bekannten Fall, nämlich deren erste Episode, einfach erneut. In einer Zeit, als durch Kinohelden wie James Bond (Sean Connery) nach Romanen Ian Flemings Gewaltdarstellungen und Erotik auf der Leinwand deutlich zugelegt hatten, versuchte Edwards seinen Gunn, so der schlichte Titel des Films, einem veränderten Publikumsgeschmack anzupassen. Nicht zuletzt dadurch erlitt das Werk Schiffbruch. Gunn floppte an der Kinokasse und geriet schnell in Vergessenheit.

 

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© Paramount Pictures

Die Drehorte und Lathrops Kameraarbeit sind exquisit; Blake Edwards‘ Gespür für Dramaturgie und auch die Darsteller lassen (großteils) nichts zu wünschen übrig. Eklatante Schwächen sind ein Humor, der teils nadelspitz und treffsicher, teils albern und in Anbetracht blutig-tragischer Ereignisse deplatziert wirkt. Auch sind die nach Strickmuster der James-Bond-Abenteuer porträtierten Frauenfiguren banal und auf devote Promiskuität reduziert. Weiblichkeit, so scheint es, meint bedingungslose Unterwerfung unter einen tatkräftigen Mann, meint einzig Verlockung durch Angebote sexueller Freuden, weshalb in dem Film junge Frauen auf ihre körperlichen Attribute reduziert werden, demgegenüber älteren Damen das Recht auf sarkastische Einzeiler, eine fast maskuline Liebe zum Geld und damit beinahe so etwas wie „Persönlichkeit“ zugesprochen wird. Darstellerin Sherry Jackson, die entweder nackt in eine Decke gehüllt oder nackt in Peter Gunns Bett liegend durch den Film geistert, markiert in einer unfassbar dämlichen Rolle den Tiefpunkt. Um den Film in den USA zu bewerben, zeigte eine unbekleidete Sherry Jackson ihre Reize im August 1967 auch in einer Ausgabe des Männermagazins Playboy. Stereotypen wie aus einem Groschenroman sind einer Drehbuchschule à la Blake Edwards jedoch unwürdig und ziehen den Film stark nach unten. Indessen sich mit Der Schnüffler (USA 1967), Der Gnadenlose (USA 1968), Rogue’s Gallery (USA 1968) und mit Der Dritte im Hinterhalt (USA 1969) die Figur des Privatdetektivs auch im Neo Noir einen Platz eroberte, legte sein Schöpfer Peter Gunn für 22 Jahre auf Eis. Allerdings konnte Blake Edwards auch mit Peter Strauss in der Hauptrolle seines altbackenen Fernsehfilms Peter Gunn, Privatdetektiv (USA 1989) die Figur nicht zu neuem Leben erwecken. Es blieb sein letzter Versuch, mittels des nunmehr über 30 Jahre alten und mächtig angestaubten Serienhelden nochmals ein junges Publikum anzusprechen.

 

Während die TV-Serie Peter Gunn (USA 1958-1961) weltweit in mehreren Editionen mit allen 114 Folgen vollständig auf DVD vorliegt, gibt es erstaunlicherweise bis heute (2022) nirgendwo eine BD- oder DVD-Ausgabe des Kinofilms Gunn unter der Regie von Blake Edwards, welcher im Januar 1968 auch im bundesdeutschen Kino zu sehen war. Lediglich online findet sich mitunter eine bild- und tontechnisch unterdurchschnittliche Fassung, die offenbar aus dem Fernsehen kopiert wurde, mit dem Originalton ohne Untertitel, allemal ungekürzt und im korrekten Bildformat.

 


 

Neo Noir | 1967 | USA | Blake Edwards | Philip H. Lathrop | George Murdock | Regis Toomey

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