Back In The Day

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Bewertung
***
Originaltitel
Back In The Day
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2004
Darsteller

Ja Rule, Ving Rhames, Tatyana Ali, Giancarlo Esposito, Joe Morton

Regie
James Hunter
Farbe
Farbe
Laufzeit
103 min
Bildformat
Widescreen

 


 

Back In The Day-Poster-web1.jpg Back In The Day-Poster-web2.jpg Back In The Day-Poster-web4.jpg Back In The Day-Poster-web3.jpg

 

Reggie Cooper (Ja Rule) war noch ein Teenager, als sich seine Mutter (Pam Grier) und sein Vater Benson (Giancarlo Esposito), ein Sportmanager, wegen Bensons Affären trennten. Die Mutter, die neben Reggie noch dessen Schwester Tosha (Davetta Sherwood) und seinen jüngeren Bruder Vincent (Stephen Kough) aufziehen musste, war schon damals zu stolz, um von ihrem ex-Mann einen einzigen Dollar anzunehmen. Daran erinnert sich Reggie, als er heute einer Kontrolluntersuchung durch einen Arzt (Norman Grant) unterzogen wird, hatte er doch im Alter von 12 Jahren ein einscheidendes Erlebnis. Ohne Geld fand er damals Hilfe und Akzeptanz bei den Drogendealern unter Joseph “J-Bone“ Brown (Ving Rhames), weshalb er für sie einige Botengänge übernahm. Eines Tages wurde er bei einem Schusswechsel verletzt, und da seine Mutter die Operation nicht bezahlen konnte, lebte er fortan bei seinem Vater Benson. Kurz darauf wurde J-Bone verhaftet und zu einer mehrjährigen Gefängnissstrafe verurteilt, so dass Reggie und er sich aus den Augen verloren… Aber J-Bone ist aus der Haft entlassen, er geht die langen Gänge der Anstalt in Richtung des Tors und inhaliert den Duft der Freiheit. Auf der Straße warten bereits seine Freundin Loot (Tia Carrere) und seine rechte Hand Jamal (Lahmard J. Tate) in einem metallic-roten 1962er Chevrolet Impala. Als J-Bone einsteigt und sich auf den Beifahrersitz fallen lässt, reicht ihm Loot wortlos ein schwarledernes Kästchen. J-Bone öffnet es und entnimmt die Zigarre…

 

Die in Hauptrollen allemal solide und in Nebenrollen teils exquisit besetzte B-Produktion Back In The Day wurde von der Filmkritik und vom Publikum geringgeschätzt, ist aber kein durchweg schlechter Film. Genaugenommen zeigt sich sein Autor und Regisseur, James Hunter, sogar als ambitioniert. Reggie Coopers Eltern trennten sich, als letzterer noch jung und unerfahren war, und indessen er bei seiner Mutter heranwuchs, fand er in dem brutalen J-Bones eine Vaterfigur, der ihm einst vermeintlich das Leben rettete. Als er bei einer Feier anlässlich der Rückkehr J-Bones in die Freiheit und in den Kreis der seinen diese Anekdote zum besten gibt, lässt J-Bone durchblicken, dass er sie für eine schöne Geschichte halte, er sie aber etwas anders in Erinnerung habe. Zu dem Zeitpunkt ist Reggies Vater bereits tot - am Abend des Basketballspiels, da Reggie und Benson in der Sportarena erstmals auch wieder J-Bone über den Weg liefen, von einem Unbekannten erschossen. Auf dem Weg zu dem Restaurant, wo Benson für seinen Sohn und sich selbst noch eine nächtliche Mahlzeit auftrieb, hatte er seinem Sohn das Versprechen abgenommen, dass jener sich nicht wieder mit J-Bone träfe. Denn niemand anders als Benson Cooper hatte vor Jahr und Tag im Verbund mit einigen anderen dafür gesorgt, dass Joseph Brown hinter Schloss und Riegel kam. So gerät der vaterlose Reggie wieder unter den Einfluss seiner früheren Freunde und es ist niemand als J-Bone, der auf eine gnadenlose Art und Weise die Loyalität des Jungen ihm gegenüber auf die Probe stellt. So weit, so gut! Aber James Hunter, erstmalig und einmalig Autor und Regisseur in einer Person, verzettelt sich. Reggie Coopers Maß an Naivität und sein grenzenloser Gehorsam wirken in der Darstellung durch den Rapper Ja Rule einfach zu plump, um beim Zuschauer nicht ein wiederholtes Kopfschütteln zu provozieren.

 

Zu den herausragenden Darstellern zählen hier Frank Langella, Giancarlo Esposito und Joe Morton. Der dank seiner Mitwirkung in Quention Tarantinos Pulp Fiction (USA 1994) aus den hinteren in die vorderen Ränge von Besetzungslisten katapultierte Ving Rhames macht seine Sache allemal gut. Ja Rule vermag jedoch trotz der einen oder anderen Bemühung seinem Reggie Cooper keine Kontur zu geben. Wie ein Stück Holz treibt er auf den Wogen der Handlung und es geht auf Kosten der Glaubwürdigkeit seiner Figur, die bei zugespitzter Dramatik der Verwicklungen fast unbeteiligt wirkt. Ebenfalls in einem Film Quentin Tarantinos, nämlich in Jackie Brown (USA 1997), hatte acht Jahre zuvor Pam Grier die Hauptrolle gespielt und Kritiker und Publikum begeistert. Ein Comeback der einstigen Schönheit vieler Blaxploitation-Filme der frühen 70er Jahre war ausgeblieben, doch in Michael Rymers Undercover – In Too Deep (USA 1999) und in Lee Davis‘ 3 A.M. (USA 2001) konnte sie mich erneut für sich gewinnen. In Back In The Day habe ich sie kaum noch erkannt und ihr Schauspiel ist nicht mal im Rahmen dieser Produktion noch akzeptabel. Zudem kippt der Film im Finale vom Neo Noir zur Märchenstunde. Wenn mir das deutsche Fernsehen derlei präsentiert, wundert es mich nicht: das frohgemut Banale ist dort seit Jahrzehnten Programm. In einer dergestalt zugespitzten Erzählung um Freundschaft, Familienbande, Liebe und Betrug ist die Auflösung des gordischen Knotens zugunsten des Protagonisten, wie James Hunter das versucht, leider nur grotesk. Dies ist bedauerlich, denn über weite Strecken versuchte der Film mehr zu sein als Unterhaltung von der Stange.

 

Eine deutsche DVD-Edition (2005) der VCL Communications im Vertrieb von Warner Home Video Germany bringt den Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch einwandfrei, dazu den englischen Originalton und eine (in der Übersetzung lausige und oft ungenaue) deutsche Synchronisation, das Ganze ohne Untertitel und ohne Extras.

 


Neo Noir | 2004 | USA | James Hunter | Badja Djola | Frank Langella | Giancarlo Esposito | Paul Benjamin | Ving Rhames | Pam Grier

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