American Side, The

 

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Bewertung
***
Originaltitel
The American Side
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2016
Darsteller

Greg Stuhr, Alicja Bachleda, Camilla Belle, Matthew Broderick, Robert Forster

Regie
Jenna Ricker
Farbe
Farbe
Laufzeit
104 min
Bildformat
Widescreen

 


 

The American Side-Poster-web1.jpg The American Side-Poster-web2.jpg The American Side-Poster-web3.jpg The American Side-Poster-web4.jpg

© Sony Pictures Home Entertainment

Die Stadt Buffalo im Bundesstaat New York an den weltberühmten Niagarafällen: In seiner Stammkneipe steht der Privatdetektiv Charlie Paczynski (Greg Stuhr) wie so oft am Flipper und verzweifelt an seinem Pech. Er hat seinen Whisky an die Bar mitgenommen, als die Strip-Tänzerin und Prostituierte Katrina (Kelsey Siepser) hereinkommt und Charlie die letzte Zigarette aus der Jacke stiehlt. Weil er sich darüber beklagt, gibt sie ihm ein hübsches Benzinfeuerzeug, zumal es ihm eh besser stünde. Katrina verschwindet durch die Hintertür und raunt ihm noch zu, dass er sich zu ihrem Rendezvous in der Parkzone D bitte nicht zu spät einstellen solle. Schon kommt ein Professor der Physik (Grant Shaud) herein, mit dem sich Charlie nun selbst in ein Billardzimmer der Bar verzieht, wo er ihm eine Reihe von Fotografien vorlegt, die den Professor in zärtlicher Umarmung mit Katrina zeigen. Der Mann ist außer sich, weil er fürchtet, dass ihn seine eifersüchtige Frau um seine Segelyacht bringen werde. Doch Charlie bietet ihm die Fotos für lediglich 1.000 US-Dollar an, und der Professor schnappt sich die Abzüge und verschwindet… Auf dem Parkgelände eines Rummelplatzes erwartet Charlie den Einbruch der Dunkelheit, Radio hörend und pappige Pommes frites aus einem Pappbecher essend. Schließlich fährt ein Wagen direkt vor ihm in eine Lücke, und Charlie holt die Kamera hervor. Katrina umarmt Tom Soberin (Harris Yulin), Professor der Ingenieurswissenschaft aus Pittsburgh, und Paczynski schießt wie gewohnt die Fotos…

 

”Everyone looks the same in a suit, like a rat.“ Ein Privatdetektiv, eine Femme fatale und Interessengruppen, die aus Motiven, welche eine lange Zeit im Dunkeln bleiben, offenbar im Clinch miteinander liegen, alles und alle ohne Ausnahme dubios. Der komplexe, überfrachtete Film Noir nach Raymond Chandler & Co. stand Pate für The American Side. Vor allem die Kameraarbeit, die Regie und auch die Schauspieler beweisen in ihrem Bemühen, hier Anschluss zu finden, einiges an Kompetenz und manchmal sogar Finesse. Klar, es wimmelt von Klischees, und diese wollen auch nicht vermieden sondern lustvoll auf die Spitze getrieben werden. Greg Stuhr verkörpert den Privatdetektiv Charlie Paczinsky in einer Art und Weise, die der Connaisseur des Film Noirs immer wieder gern stilisiert und variiert sieht. Weniger geglückt ist allerdings die Einbindung der historischen Figur Nikola Tesla (1856-1943), ein in Serbien gebürtiger und für die Nutzung elektrischer Energie in den USA des späten 19. Jahrhunderts hoch relevanter Erfinder, Elektroningenieur und Unternehmer. Die Idee, der in seinen letzten Jahrzehnten zurückgezogen lebende Sonderling habe ein Notizbuch mit brillanten Erfindungen hinterlassen, welche die zentralen Probleme auf dem Energiesektor ebenso schnell lösen wie die Menschheit bedrohen könnten, rückt ihn in die Nähe von Science-Fiction-Szenarien, wie sie seit den Romanen Jules Vernes (1828-1905) Leser aller Altersklassen faszinierten. Leider gerät in The American Side solche für die Lösung der Rätsel zentrale Handlungskomponente nur begrenzt romantisch, dafür zunehmend banal und unlogisch.

 

“If you know anything about Tesla (…) you are sure to be hugely disappointed by The American Side, because Tesla is nothing more than a tease here”, schreibt Mary Ann Johnson für FlickFilosopher und legt den Finger auf die Wunde. Spätestens wenn das Finale naherückt, wird klar, dass die Verschwörungstheorie um ein Erbe Nikola Teslas nur Mittel zum Zweck war, um die Handlung voranzutreiben, in der Sache aber vollkommen irrelevant bleibt. So erweist sich der Film letzten Endes als substanzlos und seine Vielzahl der Spieler und Gegenspieler von weit geringerer Bedeutung, als es uns die Geschichte beizeiten Glauben lassen möchte. Dass ein Film Noir sich mit Blick auf den Filmstil, dem er entstammt und dem er verhaftet ist, sich in die Nähe politischer Thriller mit Elementen der Science-Fiction-Tradition begibt, galt im Zeitalter der atomaren Bedrohung schon für Robert Aldrichs Rattennest (USA 1955) und für Irving Lerners City Of Fear (USA 1958). So schamlos stylish und überbordend wie The American Side ist aber vor allem Tony Krantz‘ The Big Bang (USA 2010). Beiden ist als Neo Noir ein hoher Unterhaltungswert und in ihren technokratischen Fantasien ein subtil ironischer Einschlag gemein. Doch beide sind letzten Endes auch trivial und bieten in der Summe mehr Popcorn-Kino, als der Freund des Neo Noirs zu goutieren bereit ist.

 

Sehr gute US-amerikanische DVD-Edition (2016, RC 1) der Sony Pictures Home Entertainment Inc. mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch einwandfrei, dazu die original englische Tonspur und optional Untertitel auf Englisch, Französisch und Spanisch, das Ganze jedoch ohne jegliche Extras.

 


Neo Noir | 2016 | USA | Jenna Ricker | Harris Yulin | Robert Forster

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