Beyond The Forest

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Bewertung
***
Originaltitel
Beyond The Forest
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

Bette Davis, Joseph Cotten, David Brian, Ruth Roman, Minor Watson

Regie
King Vidor
Farbe
s/w
Laufzeit
93 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Warner Bros.

Loyalton, Wisconsin: In der Kleinstadt ist am heutigen Werktag so ziemlich jedes Geschäft geschlossen, denn die Bewohner haben sich im Gerichtssaal versammelt. Hier muss sich Rosa Moline (Bettina), Ehefrau des Arztes Louis Moline (Joseph Cotten), wegen eines Todesfalls verantworten, der sowohl ein Unfall als auch ein Mord gewesen sein könnte… Vor einiger Zeit waren Rosa, ihr Mann Louis und der Gutsverwalter Moose Lawson (Minor Watson), nachdem sie beim Angeln gewesen waren, auf einem angrenzenden See im Kanu unterwegs. Ihr Ziel war das Blockhaus von Moose, das auf dem Gelände des luxuriösen Landhauses von Neil K. Latimer (Davids Brian) stand, eines in Chicago ansässigen, steinreichen Geschäftsmannes, der hin und wieder in seinem Wasserflugzeug die Abgeschiedenheit des mit 16 Bädern ausgestatteten Herrensitzes aufsuchte. Rosa hatte sich in ihren hochhackigen Schuhen den Knöchel verstaucht, indessen sie ihrem Mann eine Nachricht übergab, die sie scheinbar vergessen hatte. So musste sich Dr. Moline auf den Rückweg nach Loyalton begeben, wo Mildred Sorren (Sarah Selby) von ihrem achten Kind entbunden werden wollte. Rosa ließ er wegen ihres Knöchels in der Obhut von Moose und genau das war auch in Rosas Sinne. Schon hatte sie in der Hütte eine Flasche Bourbon so versteckt, dass der Witwer Moose, der mit dem Trinken aufzuhören gedachte, sie schnell finden musste. Moose konnte Rosa Moline nicht ausstehen, aber auch sein Widerstand gegenüber dem Alkohol war nicht allzu groß…

 

“I don't want people to like me. Nothing pleases me more than when they don't like me. It means I don't belong.“ Bette Davis ist Bette Davis ist Bette Davis. Ihr Auftritt in King Vidors Beyond The Forest, ihrem nach 18 Jahren letzten Film für das Filmstudio Warner Bros., ist fast eine Frage der Philosophie und kaum eine solche nach dem für ihre Figur adäquaten Schauspiel. Sowohl der Film selbst als auch die Rolle der Rosa Moline sind völlig jenseits von Glaubwürdigkeit und einer wie auch immer gearteten Authentizität, so dass es sich nicht mal lohnte über Details zu sprechen. Ohne Bette Davis gäbe es keine Rosa Moline, obgleich sie wie eine Kreuzung aus Maria Montez und Vampirella aussieht. Solche Figur ist ganz und gar sie selbst, was immer das für den Film meint. Letzterer wird in Anlehnung an Susan Sontags kulturphilosophische Begriffsschöpfung gern als typisch für “Camp“, also als haltlos der Übertreibung und ironisch aufgeladener Theatralik verschriebenes Werk bezeichnet, was mit Blick auf Bette Davis’ späte Rollen seine Berechtigung hat. Dass sie für die Rolle der Rosa Moline so offensichtlich 12 bis 15 Jahre zu alt wirkt, offenbart zugleich, dass Bette Davis im Gegensatz zu Barbara Stanwyck oder Joan Crawford auch frühzeitig alterte. Als Beyond The Forest ins Kino kam, war Bette Davis 40 - je ein Jahr älter als Joan Crawford zu Zeiten von Solange ein Herz schlägt (USA 1945) oder Barbara Stanwyk in The Strange Love Of Martha Ivers (USA 1946). De facto sieht sie bedeutend älter als die Genannten aus, zudem älter als ihr Filmpartner Joseph Cotten, der bereits 44 Jahre zählte. Wenn Männer Rosa Moline auf der Straße hinterher pfeifen oder David Brian (seinerseits 35) als Multimillionär und Kosmopolit Neil K. Latimer sie voll Leidenschaft in seine Arme schließt, kann sich heute wohl kaum ein Cineast das Lachen verkneifen. Die weltfremde und maßlos selbstgerechte Rosa Moline ist als Diva vom Land eine Karikatur, durch und durch vom Materialismus zerfressen und einem Lebensplan verpflichtet, der zuletzt ihren Selbsthass offenbart. In solcher Hinsicht lässt Bette Davis nichts anbrennen und gibt sich der Darstellung des Monströsen ganz hin, - in ihrer Drastik fast das Gegenteil der von Gene Tierney subtil porträtierter Ellen Berent in John M. Stahls Todsünde (USA 1945) - weshalb man sogar hier der Darstellerin und ihrer Figur deren Qualitäten nicht streitig machen kann.

 

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© Warner Bros.

“For those who have not been embarrassed by pretensions in a fairly long time, let us recommend the climax of this incredibly artificial film”, schrieb zur Premiere im Oktober 1949 auch Bosley Crowther in seiner Reznsion für die New York Times, der zuvor den Aberwitz dieser Verfilmung des gleichnamigen Romans (EA 1948) von Stuart Engstrand durch King Vidor hervorhob. In Anlehnung an Madame Bovary oder Hedda Gabler, Frauenfiguren der klassischen Literatur, wirkt Rosa Moline zwar vollends überzeichnet, doch beweist die in Form und Inhalt eigentümlich hemmungslose Herangehensweise einige Härten. Selbst im Film Noir der 40er Jahre dürften sich nur wenige Beispiele für ein solches Finale finden, das eindrücklich in Erinnerung bleibt und einmal mehr die Kompetenz des durch seine Kooperationen mit Alfred Hitchcock bekannt gewordenen Kameramanns Robert Burks beweist. Wer sich für ein deftiges Stück “Camp“ in der richtigen Stimmung befindet, wird Beyond The Forest womöglich genißen können. Ansonsten ist diese Groteske allemal kein Muss. In Deutschland lief der Film als Der Stachel des Bösen erstmalig im Dezember 1994 im Fernsehen.

 

Als Más allá del bosque gibt es eine spanische DVD-Edition (2013) von Llamentol, die den Film in ton- und bildtechnisch unterdurchschnittlicher Qualität, allemal ungekürzt und im Originalformat beinhaltet. Neben dem orighinal englischen Ton gibt eine spanische Tonspur und spanische Untertitel, das Ganze ohne Extras. Eine französische DVD (2014) der TCM Collection unterm Titel La garce zeigt eine deutlich bessere Bild- und Tonqualität, mit lediglich der englischen Tonspur und optional französischen Untertiteln, ebenfalls ohne Extras.

 

Film Noir | 1949 | USA | King Vidor | Robert Burks | David Brian | Joseph Cotten | Regis Toomey | Ann Doran | Bette Davis | Ruth Roman

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