Blood Ties

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Bewertung
****
Originaltitel
Blood Ties
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA/USA
Erscheinungsjahr
2013
Darsteller

Clive Owen, Billy Crudup, Marion Cotillard, Mila Kunis, Zoe Saldana

Regie
Guillaume Canet
Farbe
Farbe
Laufzeit
123 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Der Stadtteil Brooklyn in New York, 1974: Zwei Kriminelle lauschen dem langatmigen Witz eines Dritten, als plötzlich die Polizei die Wohnungstür eintritt und die Beamten sich mit ihnen ein Feuergefecht liefern. Einer der Gangster stirbt durch Polizeioffizier Frank (Billy Crudup), den Leiter der Aktion, und zusammen mit seinem Kollegen Valenti (John Ventimiglia) dringt er in die Bude eibn. Doch die beiden Flüchtigen konnten durchs Badezimmerfenster in den Hof entkommen… Polizisten verhaften den vielfach vorbestraften Anthony Scarfo (Matthias Schoenaerts) vor den Augen seiner Frau Vanessa (Zoe Saldana) und Tochter Janie (Mirabelle Lee). Neben Frank und Valenti ist Lieutenant Connellan (Noah Emmerich) anwesend, sichtbar schlechter Laune. Er hält Frank vor, die Sache falsch geplant und so durchgeführt zu haben, dass die Polizei jetzt nichts in der Hand habe und sich stattdessen blamiere… Nach neun Jahren im Gefängnis wird der wegen Mordes verurteilte Chris (Clive Owen) entlassen. Seine Schwester Marie (Lili Taylor) und sein Bruder Frank holen ihn am Tor ab. Doch die Begrüßung seitens des überzeugten Polizisten Frank ist kühl; er hat seinen Bruder nie im Gefängnis besucht. Die drei fahren zu ihrem Vater Leon (James Caan), der seine Kinder allein erzog, in das Krankenhaus, wo ihm just ein Lungenflügel entfernt wurde. Jener freut sich heute vor allem über Chris, seinen Erstgeborenen…
 
Die in New York angesiedelte, französisch-amerikanische Co-Produktion unter der Regie Guillaume Canets und mit einem Ensemble aus England, Frankreich, Belgien, der Ukraine und den USA spielt im Jahr 1974. Durch ihren Look scheint sie in der Tradition von Gangster- und Neo-Noir-Dramen wie French Connection / Brennpunkt Brooklyn (USA 1971), Serpico (USA 1973) oder Die Seven-Ups (USA 1973) zu stehen, wie das seit American Gangster (USA 2007) wieder in Mode ist. Tatsächlich ist Blood Ties das Remake des französischen Thrillers Rivals - Ungleiche Brüder (FRA 2008) von Jacques Maillot, darin niemand anders als Guillaume Canet die Rolle des Polizisten-Bruders innehatte. Übersetzte man dessen Originaltitel La liens du sang nach der Romanvorlage von Bruno und Michel Papet wörtlich, lautete er auf Deutsch Blutsbande. Schon dieser Film war in den 70er Jahren verortet, weil das Buch der Papets auf Tatsachen beruht. Doch zurück zum US-Remake Blood Ties. Auch wer Maillots Film niemals sah, wird sich an gewisse Einflüsse erinnert finden. Vor allem James Grays Filme The Yards - Im Hinterhof der Macht (USA 2000) und Helden der Nacht - We Own the Night (USA 2007), beide mit Mark Wahlberg und Joaquin Phoenix als „ungleichen Brüdern“, weisen deutliche Parallelen auf, und James Gray ist neben Canet bei Blood Ties Autor des Drehbuchs. Dass ein Neo Noir mit einer Entlassung aus dem Gefängnis anhebt und die Flutwelle der Vergangenheit seine Protagonisten wie Treibgut durch deren Gegenwart schleudert, ist ebenfalls ein Allgemeinplatz. So erntete Blood Ties vor allem in den USA schlechte Kritiken und Häme - alles schon gesehen, alles schon dagewesen. Damit macht man es sich mit diesem Werk allerdings zu leicht.
 
Bild Bild Bild
© Koch Media GmbH
 
“Come on, Chris! Fuck me. You're dying to, I know you are.” Die Leistungen der Schauspieler sind durch die Bank engagiert und teils exzellent, mit Clive Owen und Billy Crudup in Hochform und Nebendarstellern, deren Rollencharaktere plastisch und glaubwürdig erscheinen. Hier stechen Domenick Lombardozzi und James Caan sowie Zoe Saldana und Lili Taylor nochmals heraus. Das historische Setting ist erstklassig in Szene gesetzt, was deshalb erwähnenswert ist, weil derlei oft daneben gerät. Die Geschichte selbst, auf ihre Charaktere und nicht so sehr auf Verbrechen und Action fokussiert, hält den Spannungsbogen und liefert im Finale einige pointierte Entwicklungen, die auch den Abschluss als gelungen erscheinen lassen. Blood Ties ist kein Film, der den Verführungen einer rasanten Action-Dramaturgie, wie sie beim Wort „Thriller“ als Mainstream-Format in der Regel die Erwartungshaltungen prägt, auf den Leim geht. Doch mit vier Familienangehörigen, den drei Frauen um Chris und Frank und den dazugehörigen Ganstern und Polizeibeamten sind es zu viele Charaktere, denen der Film in zwei Stunden zu ihrem Recht verhelfen möchte. Viele bleiben kaum eine Skizze, etwa Marie und Mike (Domenick Lombardozzi), die als Charaktere mehr Kontur gebraucht hätten. Allerdings lief Blood Ties im Mai 2013 bei der Premiere auf dem Filmfestival in Cannes mit 144 Minuten Spielzeit im Vergleich zur gekürzten Kinofassung von 127 Minuten (NTSC), die in den USA erst im März 2014 und in Deutschland gar nicht ins Kino kam. Alles in allem ist Blood Ties ein solider Neo Noir mit reichlich Kompetenz vor und hinter der Kamera, leider etwas konventionell und zudem zwar im Äußeren, doch nicht im Geist dem Neo Noir der Siebziger verpflichtet. Insofern enttäuscht er ein wenig, aber ihn gesehen zu haben, ist dennoch besser als nicht.
 
Erstklassige BD- und DVD-Edition (2014) der Koch Media GmbH mit dem Film ungekürzt (= Kinofassung) im Originalformat, deutsche und englische Tonspur, dazu optional deutsche Untertitel. Mit dem Kinotrailer, einem Making Of und geschnittenen Szenen gibt es zudem über 45 Minuten an Extras.
 

Neo Noir | 2013 | USA | Guillaume Canet | Billy Crudup | Clive Owen | Domenick Lombardozzi | Griffin Dunne | James Caan | John Ventimiglia | Lili Taylor | Zoe Saldana

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