Hot Spot, The - Spiel mit dem Feuer

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Bewertung
****
Originaltitel
The Hot Spot
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1990
Darsteller

Don Johnson, Virginia Madsen, Jennifer Connelly, William Sadler, Charles Martin Smith

Regie
Dennis Hopper
Farbe
Farbe
Laufzeit
124 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.
 
An einem brütend heißen Sommermorgen kommt Harry Madox (Don Johnson) aus der texanischen Wüste in eine Kleinstadt, wo er an der Tankstelle hält und beim Begleichen der Rechnung ein Bier verlangt. Aber die Besitzerin (Margaret Bowman) verkauft keins vor der Mittagsstunde und verweist ihn auf den Stripclub The Yellow Rose, wo Madox dem Bankdirektor Julian Ward (Jack Nance) dabei zusieht, wie der sich direkt vor einer Stripperin positioniert… Als Harry Madox nach einem Bier das Lokal verlässt, kreuzt zufällig Gloria Harper (Jennifer Connelly) mit ihrem Hund seinen Weg. Sie ist auf dem Weg zum Gebrauchtwagenhändler Harshaw Motors, wo sie als Buchhalterin beschäft ist. Und instinktiv tritt auch Madox aufs Gelände. Soeben drückt der Verkäufer Lon Gulick (Charles Martin Smith) Mr. Haynes (George Haynes) seine Visitenkarte in die Hand und verzieht sich ins Brüro. Madox fragt Haynes, ob er Interesse an einem neuen Wagen habe, und als jener bejaht, zeigt er ihm ein ganz anderes Modell, als dasjenige, was Gulick dem Mann vorgeführt hat. Haynes kauft es und George Harshaw (Jerry Hardin) ist mehr als beeindruckt von soviel Verkäufertalent, zumal er ohnehin nach einer qualifizierten Fachkraft auf der Suche ist. Am gleichen Abend mietet sich Madox im Landmarck Inn ein, wo er nur dadurch die Aufmerksamkeit der örtlichen Behörden weckt. Als er er am nächsten Morgen zur Arbeit kommt, wird er von Harshaw aufgefordert, sich um den zahlungsunwilligen Kunden Frank Sutton (William Sadler) zu kümmern, zu dessen abgelegenem Farmhaus er in Gesellschaft von Gloria Harper hinausfahren soll…
 
“The Hot Spot’s (…) moral complexities and the intricacies of character in this neo noir create a vastly superior film that could so easily be overlooked, and in some ways The Hot Spot craftily encourages the viewer to miss its subtle, buried moral ambiguities”, schreibt Guy Savage für Film Noir of the Week über die sechste Regiearbeit des Schauspielers Dennis Hopper und trifft damit den zentralen Aspekt des durch die Bank unterschätzten Werks. Einmal mehr kam die sexualisierte Fassung einer klassischen Film-Noir-Erzählung beim US-amerikanischen Publikum und bei der Kritik nicht gut an, die sich dergleichen offenbar lieber im Korsett der Filmzensur der 40er und 50er vorführen lassen. Aber Dennis Hoppers Film Noir zeigt, was die gleichen Charaktere in einem Klassiker nur außerhalb der Leinwand durften und was somit der Imagination der Zuschauer vorbehalten blieb. In The Hot Spot bleibt an der Amoralität der Figuren ganz explizit kein Zweifel und zwangsläufig rutschen deren Sympathiewerte mit jeder Wendung weiter abwärts, sofern die Tricks und Kniffe alle ethischen Schranken und Hemmungen hinter sich lassen und das Spiel zu einem mit tödlichen Folgen wird. Auch in Billy Wilders Frau ohne Gewissen (USA 1944), in Tay Garnetts Im Netz der Leidenschaften / Die Rechnung ohne den Wirt (USA 1946) oder in Byron Haskins Der blonde Tiger (USA 1949) wird entweder der Ehebruch vollzogen oder der Gatte aus dem Weg geräumt – die mörderische Absicht wird zur Tat. Und selbst auf dem Terrain des Neo Noirs gab es mit Lawrence Kasdans Heißblütig – Kaltblütig / Eine heißkalte Frau (USA 1981) und mit dem Debüt der Coen-Brüder, Blood Simple - Eine mörderische Nacht (USA 1984), bereits Vorläufer des erotischen Neo Noirs, die in die gleiche Kerbe hauen. Dennoch blieb Hoppers süffisanter Verfilmung von Charles Williams’ Roman Hell Hath No Fury (EA 1952) die Anerkennung versagt.
 
Dolly: “There's only two things to do in this town. You got a TV?” - Harry: “Nope.” - Dolly: “Well then, you're down to one. Lotsa luck!“ Don Johnson und Denis Hopper verstanden sich nur mäßig. Im Nachinein hagelte es Vorwürfe seitens des Regisseurs. Und Virginia Madsen war über ihre Erotikszenen im fertigen Film brüskiert. Weder Johnson, damals auf der Höhe seines durch die TV-Serie Miami Vice (USA 1984-1990) begründeten Rufs, noch Madsen haben später in nur einem interessanten Film mitgewirkt. Hoppers Neo Noir verschwand trotz Mitwirkung von Jack Nitzsche, Miles Davis und John Lee Hooker, die als musikalische Untermalung einen schweißtreibenden Blues beisteuerten, bald in der Versenkung und erfuhr nur selten noch eine Würdigung als Kultklassiker seiner Zeit. Insofern der Film Noir jedoch gern und häufig das Abgründige und den Irrsinn ins Fundament seiner dramatischen Wendungen einbezog, ist The Hot Spot - Spiel mit dem Feuer ein Neo Noir par excellence und zwar einer mit Temperament und wunderbar überzeichneten Charakteren. Sein Kunstraum als Vorhölle moral-ethischer Ambiguität ist selten so lustvoll hemmungslos ausgelotet worden, wie es Dennis Hopper nach einem Drehbuch von Charles Williams - jener hatte bereits 1962 eine eigene Vorlage erarbeitet - und Nona Tyson hier gelingt. Entgegen der Unkenrufe vieler US-Kritiker sei dieses Werk damit allen Freunden des Film-Noir-Kinos und seiner Wiederbelebung durch unerschrockene Außenseiter auf dem Regiestuhl wie eben Dennis Hopper wärmstens empfohlen.
 
Erstklassige DVD-Ausgabe (2004) von MGM Home Entertainment mit dem Film bildtechnisch topp und ungekürzt im Originalformat, dazu Tonspuren auf Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch und Untertitel auf Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch, Schwedisch, Finnisch, Norwegisch, Dänisch, Englisch, Deutsch, den US-Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 1990 | USA | Dennis Hopper | Charles Williams | Don Johnson | Jack Nance | Jennifer Connelly

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