Lemmy Caution gegen Alpha 60

Psychologische Verteidigung


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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
****
Originaltitel
Alphaville: Une étrange aventure de Lemmy Caution
Kategorie
Post Noir
Land
FRA/ITA
Erscheinungsjahr
1965
Darsteller

Eddie Constantine, Anna Karina, Akim Tamiroff, Howard Vernon, Valérie Boisgel

Regie
Jean-Luc Godard
Farbe
s/w
Laufzeit
99 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Der Privatdetektiv Lemmy Caution (Eddie Constantine) kommt als Journalist Ivan Johnson in seinem Ford Mustang aus der Außenwelt in die Zone von Alphaville. Hier lenkt und leitet der von Professor von Braun (Howard Vernon) geschaffene Computer Alpha 60 das Leben aller Bewohner. Dieses Elektronengehirn kontrolliert auch die menschliche Psyche. Wer gegen die von Braun erstellten Gesetze seiner Herrschaft verstößt und verbotene Gefühle und Gedanken zeigt, wird eliminiert. Caution ist mit der Suche nach dem vermissten Agenten Henry Dickson (Akim Tamiroff) beauftragt. Die Tochter von Brauns, die hübsche Natascha (Anna Karina), ist dem verdächtigen Besucher zur Seite gestellt. Sie zeigt ihm die in Sektoren aufgeteilte Stadt Alphaville und versucht ihrerseits, etwas über den vermeintlichen Journalisten in Erfahrung zu bringen. Sie interessiert sich für Ideen wie Liebe oder Bewusstsein, die im Wortschatz der Bewohner Alphavilles nicht existieren und von denen diese keinen Begriff haben. Caution findet Dickson, der in einer obskuren Absteige untergetaucht ist, aber offenbar – sei es durch fremde Einflüsse oder durch sich selbst – dem Untergang geweiht scheint...
 
Lemmy Caution gegen Alpha 60 ist kein Science-Fiction-Film und kommt völlig ohne Spezialeffekte aus. Stattdessen nutzt er Topoi des literarischen Genres, um nach Dystopien à la George Orwells 1984, das mittels einer Sprache aller Bewohner Alphavilles zitert wird, eine totalitäre Herrschaftsform der Zukunft zu präsentieren. Dabei karikiert der Film viele Stereotypen v.a. des Kriminal- und Thrillerkinos, dessen Prä-James-Bond-Charakter Lemmy Caution (seit Im Banne des blonden Satans (F 1953) von Eddie Constantine verkörpert) er sich als Pulp-Figur bewusst zunutze macht. Die Mixtur aus Krimipersiflage und zeitkritischer Nouvelle Vague mit stilistischen und thematischen Bezügen zur Film-Noir-Tradition bringt einen einmaligen Hybriden hervor. Dessen Einfluss auf das Neo-Noir-Kino der USA ab 1967 ist in vielen Sequenzen eindeutig.
 

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© Studiocanal GmbH
 
Jean-Luc Godard nutzt für seine Anti-Utopie das Paris der Mittsechziger als Kulisse. Wir sehen ein Szenario der Gegenwart, das im kontrastharten Licht seiner Film-Noir-Fotografie bedrohlich unterkühlt und menschenfeindlich wirkt. Stahl, Glas, Beton und die leeren Räume der Nacht im Neonlicht erinnern ans Kino von Orson Welles, Anthony Mann und Jules Dassin. Eddie Constantin als Privatdetektiv in Trenchcoat mit Hut bringt in seinem bereits für die Sechziger anachronistischen Auftreten ein weiteres Noir-Thema in den Film. Darüber hinaus sind zeitgeschichtliche und filmische Einflüsse evident: Wernher von Braun, Leiter der nationalsozialistischen Raketenschmiede auf Usedom, als Namensstifter, dazu Bezüge zu Jean Cocteaus Orpheus in der Unterwelt (F 1950) und zu Fritz Langs Das Testament des Dr. Mabuse (D 1933). Jean-Luc Godards Vision entpuppt sich zuletzt als überraschend radikal und selbst fernab der filmischen Konventionen, die sie konsequent entlarvt.
 
Sehr gute DVD von Arthaus mit einem exzellent restaurierten tiefenscharfen Bild, ungekürzt im Originalformat, deutschem und französischem Ton, wobei die Synchronisation nicht zu empfehlen ist, da sie Aspekte der Sprachregelung in Alphaville unter den Tisch fallen lässt, insofern – französischer Originalton, ggf. mit Untertiteln.
 

 

 

Post Noir | 1965 | France | Jean-Luc Godard | Raoul Coutard | Akim Tamiroff | Eddie Constantine | Howard Vernon | Jean-Pierre Léaud | Anna Karina

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