Lone Star

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Bewertung
*****
Originaltitel
Lone Star
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1996
Darsteller

Chris Cooper, Matthew McConaughey, Elizabeth Peña, Kris Kristofferson, Frances McDormand

Regie
John Sayles
Farbe
Farbe
Laufzeit
130 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Castle Rock Entertainment
 
Rio County, Texas, nahe der Grenze zu Mexiko: Inmitten der Wüste werden Teile eines menschlichen Skeletts gefunden, darunter der Schädel, obendrein ein Ring und ein Sheriffstern. Der amtierende Sheriff der Kleinstadt, Sam Deeds (Chris Cooper), lässt die Überreste im Labor untersuchen und kommt zu der Annahme, dass es sich um diejenigen des Ende der 50er Jahre plötzlich verschwundenen, als korrupt und herrschsüchtig geltenden Sheriffs Charlie Wade (Kris Kristofferson) handeln könnte. Damals war Sams Vater Buddy Deeds (Matthew McConaughey) soeben aus dem Koreakrieg zurückgekehrt und neben Hollis (Jeff Monahan) ein Deputy Charlie Wades. Später wurde Buddy Deeds, eine schillernde und längst legendäre Persönlichkeit, für dreißig Jahre der Nachfolger des verhassten Wades, doch inzwischen ist er verstorben. Von seinem trockenen, lakonischen Sohn Sam sind die Alten weniger angetan. Als Sam Deeds im Restaurant von Mercedes Cruz (Miriam Colon) - ihre Tochter Pilar (Elizabeth Peña) ist Sams unerfüllt gebliebene Jugendliebe und Lehrerin an der Schule des Ortes - diese Alten rund um ihren Stammtisch antrifft, erzählt ihm Hollis (Clifton James), was sich in der Nacht vor dem Verschwinden Wades zugetragen hat. Denn Charlie Wade war nicht nur rassistisch sondern auch bestechlich. Als er versuchte, Buddy Deeds für seine kriminellen Machenschaften einzuspannen, weigerte sich der und forderte ihn öffentlich heraus. „You’re a dead man!“ war das letzte, was Wade in jener Nacht vor fast 40 Jahren zu seinem Deputy Buddy Deeds sagte…
 
“John Sayles' panoramic survey of a Texas border town's turbulent racial politics is a noirish mystery“, weiß das AMC Network Entertainment LLC zu berichten. “Lone Star is a magnificent crime-drama with overtones of neo-noir and Western with an underlying theme of racial tension“, führt steveman12336 auf IMDb.com aus. Auch Olivia Smith listet bei ihren AS Media Studies in ihrem Beitrag “What is Neo-Noir?” den Film als signifikantes Beispiel für das innovative Neo-Noir-Kino der Neunziger. Das opulente Erzählwerk von Autor und Regisseur John Sayles war in jener Zeit nicht der erste Film, der eine klassische Film-Noir-Geschichte aus der Stadt in die Weiten der US-amerikanischen Landschaft und in eine Kleinstadt trug. So erinnert manches in Lone Star atmosphärisch an James Foleys After Dark, My Sweet (USA 1990), Tamra Davis’ Guncrazy - Junge Killer (USA 1992) oder auch an John Dahls Red Rock West (USA 1993). Aber noch mehr als die genannten Beispiele bedient sich Sayles einer narrativen Struktur der Rückblenden und einer Erzählung, die stückweise das in die Vergangenheit reichende Handlungspuzzle zu einem beeindruckenden Schicksalsgemälde zusammen setzt. Erst nach und nach erfahren die Protagonisten und auch der Zuschauer, wie die Fäden miteinander verwoben sind, wo Leidenschaft und Verbrechen, die in nächtlichen Schatten verborgenen Determinanten ihrer Noir-Welt, deren Wege bis in die heutige Zeit vorzeichneten: “Gotta be careful where you go pokin'. Who knows what you'll find.“
 
Das ist über eine Strecke von mehr als zwei Stunden kunstfertig umgesetzt. Darin liegt die Stärke dieses dem Lebenstempo in der öden und doch faszinierenden Wüste angepassten Dramas. Bis in Nebenrollen finden sich exzellente Akteure am Werk, mit Kris Kristofferson und Frances McDormand in kleinen Rollen, dafür Chris Cooper und Elizabeth Peña als Duo von einer überraschend stimmigen Chemie und Intensität. Toller Schnitt, exzellente Kameraarbeit von Stuart Dryburgh, ein gut gewählter, dezent eingesetzter musikalischer Hintergrund aus Blues, Folk, Country und R&B von Lucinda Williams, Freddie Fender, Little Walter, u.a. sowie eine ruhige, komplexe Dramaturgie, die dem Zuschauer unterstellt, dass er intelligent sei. Das verdeutlicht nicht allein die Erzählstruktur, das zeichnet auch die sprachlichen Qualitäten des Drehbuchs aus. Lone Star ist Erzählkino auf einem Niveau, wie es seit Ende der Sechziger nur mehr sporadisch im Kino zu erleben ist. Und obwohl dieser Neo Noir noch nicht viele Jahre auf dem Buckel hat, wirkt er inmitten des Budenzaubers, den Hollywood im letzten Jahrzehnt absonderte, wie ein Klassiker. Wer sich auf Lone Star einlassen kann, erlebt, worauf es im Film ebenso wie im Theater oder in der Literatur ankommt – auf die Erzählung. Und hier gibt es eine so berührende wie dunkle und überraschende Geschichte mit vielen Facetten und Untiefen, ganz nebenbei großartiges Kino: “No telling yet if there's been a crime, but this country's seen a good number of disagreements over the years.”
 
Bereits im Jahr 2000 erschien in Deutschland eine sehr gute DVD-Edition der Warner Home Video GmbH mit dem Film in exzellenter Bildqualität, ungekürzt und im Originalformat, Tonspuren auf Deutsch, Englisch oder Spanisch, wahlweise 19 (!) verschiedene Untertitel und dazu den original Kinotrailer als Extra. Ein Muss!
 

Neo Noir | 1996 | USA | John Sayles | Chris Cooper | Clifton James | Kris Kristofferson | Matthew McConaughey | Elizabeth Peña | Frances McDormand

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