Guncrazy - Junge Killer

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Bewertung
*****
Originaltitel
Guncrazy
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1992
Darsteller

Drew Barrymore, James LeGros, Joe Dallesandro, Michael Ironside, Billy Drago

Regie
Tamra Davis
Farbe
Farbe
Laufzeit
92 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Anita Minteer (Drew Barrymore) lebt in einer Kleinstadt nahe Fresno, Kalifornien, zusammen mit Rooney (Joe Dallesandro), dem Liebhaber ihrer Mutter, in einem Wohnwagen. Sie ist 16 Jahre alt, geht in die örtliche High School und hat außer Joy (Ione Skye), Tochter des Bewährungshelfers Mr. Kincaid (Michael Ironside), keine Freunde. Ihre Mutter, sagt sie, sei in Fresno und wird sie zu sich holen, sobald sie dafür das nötige Auskommen erwirtschaftet habe, doch der zynische Rooney bezichtigt seine eigene Freundin der Prostitution. Ab und zu fährt Anita mit Tom (Rodney Harvey) und Bill (Jeremy Davies), den Punks ihrer Klasse, auf den örtlichen Müllplatz, um in leer stehenden Betonröhren mit ihnen Sex zu haben. Doch im Grunde mag sie die beiden nicht, die ihrerseits keine Gelegenheit auslassen, sie zu verhöhnen. Als ihr Lehrer Mr. Sheets (Robert Greenberg) ihnen die Aufgabe stellt, sich einen Brieffreund zu suchen, gerät Anita an die Zeitungsannonce eines gewissen Howards (James LeGros). Der von Schusswaffen begeisterte 24jährige sitzt wegen Mordversuchs an seinem Vater im Gefängnis. Als der Briefwechsel zwischen ihnen anhebt, fühlt sich Anita erstmalig in ihrem Leben verstanden. Kurz darauf lernt sie von Rooney mit Handfeuerwaffen umzugehen und schießt in der Umgebung ihres Wohnwagens auf Blechdosen. Es stellt sich heraus, dass Anita ein natürliches Talent für das Schießen hat, und sie lernt schnell. Indessen steht Howards vorzeitige Entlassung bevor, nachdem dieser den Anschlag auf einen Gefängniswärter vereiteln konnte. Also ersucht Anita den Prediger und Mechaniker Hank Fulton (Billy Drago), Howard in seiner Werkstatt doch einen Job zu geben…
 
Der eklektische Kultregisseur Quentin Tarantino schrieb die Drehbücher für zwei Filme, die sich mit genau der Art Plot befassten und die beide nach Guncrazy - Junge Killer verfilmt wurden – True Romance (USA 1993) von Tony Scott und Natural Born Killers (USA 1994) von Oliver Stone. Beide Filme sind bestenfalls Hollywoodstandard – klischeehaft romantisch, vollgestopft mit Zeitgeist, prätentiös gewalttätig, sexy und doch unerotisch, usw. Beide Filme wurden von der Kritik hoch gelobt und vom Publikum zu Kultfilmen erkoren. Um Guncrazy- Junge Killer scherte sich im Grunde nie jemand. Der Film wird vom Publikum bis heute missachtet und außer Alain Silver in seinem Aufsatz Son of Noir: Neo-Film Noir and the Neo-B Picture (in: Film Noir Reader, 1996) hat über diesen Flop kaum jemand ein Wort verloren: “Guncrazy is not a remake but a mixture of fugitive couple and „kid noir“ concepts. The film does echo classic period titles, particularly the visual imagery of Joseph H. Lewis’ 1950 original Gun Crazy (…) The ingenuous dialogue is more in the manner of Nicholas Ray’s They Live By Night (1948)”. Silver bringt Tamra Davis’ Neo Noir nicht umsonst mit zwei der besten Film-Noir-Titel der klassischen Periode, seinerzeit beide unbeliebt und ebenfalls Flops an der Kinokasse, in Beziehung. Guncrazy - Junge Killer ist eins der wenigen unentdeckten Meisterwerke des US-amerikanischen Kinos der Neunziger, ein Klassiker dieser fruchtbaren Periode des Neo Noirs. Für mich ist schier unbegreiflich, dass solcher Film bis dato in seinem Stellenwert nicht erkannt wurde.
 
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© Koch Media GmbH
 
Tamra Davis schuf einen Film, der wunderbar durchdacht ist und nichts dem Zufall überlässt. Drew Barrymore und James LeGros sind in ihren Rollen perfekt; die Chemie der beiden ist glaubwürdig und beizeiten anrührend, sie stehen Cathy O’Donnell und Fairley Granger in Rays Im Schatten der Nacht nicht nach. Auch ansonsten gibt es eine Darstellerriege vom Feinsten: Billy Drago als aberwitziger Prediger und Automechaniker Hank Fulton, Michael Ironside als reaktionärer Bewährungshelfer Mr. Kincaid und Joe Dallesandro als Rooney sind bis in die Haarspitzen glaubwürdig. Dazu kommt die Kamerafrau Lisa Rinzler (Lisbon Story, 1994), die den Film nach weit mehr aussehen lässt, als sein B-Film-Budget vermuten ließe. Auch die Auswahl an Musikstücken - sicher zum Teil ebenfalls Zeitgeist, zugleich stilsicher dezent - setzt mit Sonic Youth, Alison Krauss oder B.T. Express beeindruckende Akzente. Vor allem aber zeigt sich ein Gespür für Drehorte. Guncrazy – Junge Killer ist ein Film, dessen Ästhetik des Hässlichen im Kontrast zur umgebenden Natur brillante Wirkung entfaltet. Vielleicht ist es dieses Amerika der White-Trash-Trailer mit der  herunter gekommenen Kleinstadt und den Slums am Rand des Wohlstands, was dem US-Publikum bis heute missfällt. Tamra Davis bettet es nämlich nicht (wie Tarantino & Co.) in die Watte der Hollywoodinszenierung, sondern geht ganz nah ran. Der Film erinnert zeitenweise an Felix E. Feists Verfolgt (USA 1950), atmosphärisch ist auch John Dahls Kill Me Again / Töten Sie mich (USA 1989) nicht weit. Unbedingt anschauen!
 
Technisch sehr gute DVD-Ausgabe (2009) der Koch Media GmbH, die den Film ungekürzt und im Originalformat mit gut verständlichem Originalton und auch der deutschen Tonspur, ohne Untertitel und ohne Extras bietet. Auch die erste DVD der e-m-s new media AG von 2003 bietet, was es braucht, obendrein deutsche Untertitel und den Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 1992 | USA | Tamra Davis | James LeGros | Jeremy Davies | Joe Dallesandro | Michael Ironside | Tracey Walter

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