Ausgeräuchert

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Bewertung
**
Originaltitel
The Miami Story
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1954
Darsteller

Barry Sullivan, Luther Adler, John Baer, Adele Jergens, Beverly Garland

Regie
Fred F. Sears
Farbe
s/w
Laufzeit
75 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Columbia Pictures Corporation

Nach dem Zweiten Weltkrieg, weiß der Erzähler (William Woodson), nahm die organisierte Kriminalität in den USA bedrohliche Ausmaße an. Das in Washington vom US-Senat eingesetzte Special Committee to Investigate Organised Crime in Interstate Commerce unter Vorsitz Ester Kefauvers sollte die Entwicklung aushebeln und bezog sein Hauptquartier in Miami, Florida. In der von 600.000 Menschen bevölkerten Touristenstadt, die in der Hochsaison über 2 Millionen Leute zählte, kontrollierte die Kriminalität ganze Wirtschaftszweige. Der Senator des Bundesstaats, George A. Smathers, erklärt den Zuschauern, dass gezeigt werde, wie es gelungen sei, dem Verbrechen in Florida das Handwerk zu legen… Alles begann am Miami International Airport, wo eines Abends eine Passagiermaschine der Cuban American Airlines auf dem Rollfeld zum Stehen kam. Der Gepäckfahrer Ted Delacorte (John Baer) fuhr mit seinem Koffertransporter samt Anhänger an den Wartenden am Gate 15 vorbei aufs Rollfeld. Dort hielt er an und nahm einen kleinen Koffer, den er oben auf anderen platzierte. Schon gingen Passagiere die Gangway hinunter und wurden von einer Stewardess verabschiedet. Die junge Holly Abbott (Beverly Garland) stieg hinab und wartete unten auf jemanden. Oben erschienen die Kubaner Emilio Canida und Pedro Gomez und nickten Holly kurz zu, die jetzt rasch davonging. In dem Moment erschoss Ted Delacorte mit einer in dem Koffer verborgenen Waffe die beiden, noch bevor sie die Gangway hätten verlassen können…

 

“Plenty of opportunities for an engaging noir are present here, but Energizer Bunny director Fred F. Sears doesn't appear to have time to exploit them”, schlussfolgert Paul Mavis für DVD Talk anlässlich der DVD dieses Gangsterfilms im Film-Noir-Gewand, wie er für die erste Hälfte der 50er Jahre in der McCarthy-Ära so typisch war. Hauptgrund war wohl eher, dass es sich um einen lupenreinen Propagandafilm handelt, bei dem nicht nur der Erzähler einen patriotisch pathetischen Predigerton anstimmt, sondern sogar der bis 1969 amtierende Senator des Bundesstaats Floridas eine Einführung spricht. George A Smathers war ein ausgewiesener Rassist, der sich während der 50er und 60er Jahre vehement gegen Gesetzesvorlagen stemmte, die der schwarzafrikanischen Bevölkerung in den USA volle Bürgerrechte und vor allem das Wahlrecht zugestanden. In einem Wahlkampf, bei dem er 1950 gegen den liberalen Claude Pepper antrat, nannte Smathers jenen einen “nigger-lover“ und einen “nigger-communist“, gewann dank seiner widerwärtigen Hetzkampagne die Wahl und inszenierte sich im Anschluss als Antikommunist und Saubermann im Dienst einer weißen Oberschicht. Ist es ein Zufall, dass sein Eigenlob dem Film vorangestellt ist? Wohl kaum! Mit Titeln wie New York Confidential (USA 1955), Chicago Syndicate (USA 1954), New Orleans Uncensored (USA 1955) oder The Phenix City Story (USA 1955) wollte die Filmindustrie u.a. die konservativ linientreuen Kinozuschauer zurückgewinnen, die dem Film Noir einst den Rücken zugekehrt hatten. Und sie suchten den staatlichen Organen einer rigorosen Zensur in Form des House Committees on Unamerican Activities (HUAC) und der Production Code Administration unter Leitung des erzreaktionären Anti-Semiten Joseph Breen, der für seine Verdienste um die Filmzensur im Jahr 1954 einen Ehren-Oscar (!) bekam,  Honig um den Bart zu schmieren. Ausgeräuchert entstand via Trash-Produzent Sam Katzman und endete im Verleih der Columbia Pictures Corporation im fünften und vorletzten Jahr der McCarthy-Ära, als die US-amerikanische Filmbranche in Ketten der Zensur darnieder lag.

 

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© Columbia Pictures Corporation

“Now this deal still boils down to who gets killed first, Tony Brill or me.” Um Mobster und Strippenzieher Tony Brill (Luther Adler) hinter seiner Fassade legitimer Unternehmen zu Fall zu bringen, beschließen Miamis politische Würdenträger und Wirtschaftsmächtige, sich der Dienste des ex-Gangsters Mick Flagg (Barry Sullivan) zu versichern. Der alleinerziehende Vater ist unter dem Namen Mick Pierce seit 12 Jahren in Indiana als Farmer aktiv, doch eine Zeitungskampagne offenbart seine Identität und zerrt ihn vor den Augen seines bis dato unwissenden Sohnes Gil (David Kasday) ins Rampenlicht… Na, für das Vaterland und 50.000 US-Dollar Honorar ist jedes Mittel Recht, und so erledigt Flagg in den 55 Minuten, die der 20-minütigen Einführung folgen, für die Herren des Establishments die Schmutzarbeit. Hat er zu Beginn des Films noch ein wenig das Flair eines Anti-Helden, wird er im Nu zur Ein-Mann-Armee wider das Böse, die in Hollywood in jenen Zeiten so wie in den heutigen extrem beliebt war und ist. Die Darsteller sind kompetent, die Produktion zeigt sich solide, denn technisch verstand man auch bei der Sam Katzman Productions das Geschäft. So beweist Ausgeräuchert einen gewissen Unterhaltungswert, wie auch Paul Mavis feststellt. Im Ganzen ist der Plot aber so dämlich wie in jedem anderen x-beliebigen Undercover-Agent-rettet-das-Land-Film und dabei, wie schon dargestellt, einzig und allein im Dienst einer erzkonservativen politischen Gesinnung zum Zweck der Propaganda in Szene gesetzt. Im Jahr 1954 war der US-amerikanische “Film Noir“, will man das überhaupt so nennen, dort, wo der Gangsterfilm Mitte der 30er Jahre mit G Men (Gangsterdämmerung) (USA 1935) und Revolver und Roulette (USA 1936) angelangt war, nämlich bei Gut vs. Böse und damit verblüffend rückständig.

 

Der Fim erschien unterm Originaltitel The Miami Story in den USA via Sony Pictures Home Entertainment in deren Choice Collection als DVD (2014), ungekürzt und im Originalformat (Widescreen 1.78:1) mit der englischen Tonspur ohne Untertitel und ohne Extras. In der mit 9 Filmen ausgestatteten Box Noir Archive Volume 1: 1944 – 1954 von Kit Parker Films gibt es eine BD-Edition (2019), die der DVD von 2014 gleicht und keinen höheren technischen Standard bietet, ebenfalls ohne UT und ohne Bonus-Features.

 


Film Noir | 1954 | USA | Fred F. Sears | Barry Sullivan | George E. Stone | Luther Adler | Adele Jergens | Beverly Garland

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