Escape By Night

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Bewertung
***
Originaltitel
Escape By Night
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1953
Darsteller

Bonar Colleano, Andrew Ray, Sidney James, Simone Silva, Ted Ray

Regie
John Gilling
Farbe
s/w
Laufzeit
79 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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London, England: In einer Prozesswelle wider das organisierte Verbrechen hat der Lord Chief Justice of England and Wales Berman im Old Bailey weitere Urteile gefällt, die von den Abendzeitungen in Windeseile verbreitet werden. Nur die Ausgabe von The Comet zeigt nirgendwo eine Notiz solcher Ereignisse, und der Chefredakteur McNaughton (Peter Sinclair) rennt aufgeregt durch die Redaktion, um seinen Reporter Tom Buchan (Bonar Colleano) ausfindig zu machen, der ihn unerwartet im Stich ließ. Kaum in seinem Büro ruft ihn Geschäftsführer Tallboy (Ronald Adam) an und will seinerseits wissen, warum man als einzige Zeitung in London dazu keinen Leitartikel habe. Tallboy hält Tom Buchan für einen Trunkenbold und verlangt von McNaughton, dass er ihn feuert. Indessen torkelt der Gesuchte in die Redaktion und versucht unter den Blicken der Kollegen vergebens eine Zigarette anzuzünden, bevor er in McNaughtons Büro zitiert wird. Der Vorgesetzte sieht sofort, dass Tom besoffen ist und macht ihm deswegen Vorwürfen, aber er feuert ihn nicht, denn er weiß um seine Qualitäten. Trotzdem reagiert Buchan aufbrausend und prahlt, er könne im Nu überall einen Job als Reporter finden und verlässt das Büro… Als er später im Pub mehrere seiner Kollegen (Michael Balfour, Dennis Chinnery, Frank Forsyth) über den in London lebenden Gangster Gino Rossini (Sidney James) spekulieren hört, lässt er sich im Nu hinreißen zu behaupten, er schreibe seine Zeitungsgeschichten nicht, sondern er führe sie persönlich herbei…

 

”Tempean’s success owed a lot to John Gilling, and it was he who wrote and directed the more effective noir Escape by Night (1953), with Bonar Colleano as a hard-drinking journalist”, schreiben Steve Chibnall und Brian McFarlane in ihrem Buch The British ‘B’-Film (EA 2009) über das auf B-Produktionen spezialisierte Studio Tempean Films der Produzenten, Autoren, Regisseure und Kameramänner Monty Berman und Robert S. Baker. So wie die britische Hammer Films in Kooperation mit Lippert Pictures produzierte Tempean Films in den frühen 50er Jahren viele jener Brit Noirs mit teils US-amerikanischen Darstellern aus der zweiten Reihe, - etwa Scott Brady, Arthur Kennedy, Rod Cameron, - die in Anbetracht des Niedergangs des US-amerikanischen Film Noirs nun in solchen zweit- bis drittklassigen Werken sich ihre Brötchen verdienten. Wer hier die eine oder andere verborgene Perle des Film Noirs zu finden hofft, wird jedoch meistens enttäuscht. Trotz seiner guten Besetzung - Sidney James, Bonar Colleano und Simone Silva liefern überzeugende Rollenportraits - ist der Film nach den ersten 10 Minuten, welche die Geschichte aufs Gleis setzt, eher zäh und vorhersehbar. Der großspurige Tom Buchan sucht mit dem Mafiosi Gino Rossini Zuflucht in einem leerstehenden Theaterhaus, denn Rossini beabsichtigt, den Erlös seiner Besitztümer in Diamanten anzulegen und mit diesen und mit Tom Buchan als Begleitschutz im Flugzeug nach Italien zu fliehen. Buchan erhofft sich Rossinis Lebengeschichte aus erster Hand, so dass er seinen Ruf als bester Journalist Londons endgültig in Stein gemeißelt sieht. Als ein Junge namens Joey Weston (Andrew Ray) die beiden in ihrem Versteck aufspürt, bietet sich eine Verbindung zur Außenwelt, die vorerst für beide sicher scheint... Das klingt alles nicht übel, zumal Colleanos Tom Buchan zwar einerseits ein Prahlhans, andererseits aber ein lebensmüder Trinker ist. Tatsächlich bringt John Gilling seine Geschichte auch halbwegs originell voran, im Ganzen passiert jedoch zu wenig, um die Charaktere richtig auszufeilen, bzw. der Film legt es genau darauf nicht an.

 

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”Gino, you can only trust the people who are afraid of you.” Immer wieder einmal lässt jemand einen Satz fallen, der die Filmhandlung ihre Richtung hätte wechseln lassen können, aber die Erzählung nach einem Originaldrehbuch John Gillings trottet stur geradeaus. Mit der Kammerarbeit des erfahrenen Monty Berman, den bis in Nebenrollen ausdrucksstarken Schauspielern und mit seinen Drehorten inmitten Londons hätte Escape by Night ein deutlich besserer Film werden können. Das ist in Kürze das Fazit des Film-Noir-Connaisseurs, der sich einmal mehr um seine Rolle als Trüffelschwein betrogen findet, denn leztendlich ist dieser “Quota Quckie“ so durchschnittlich wie fast alle Filme John Gillings. Trotz des eingangs zitierten Versuchs einer Ehrenrettung durch Chibnall und McFarlane kann ich selbst keinen Film John Gillings empfehlen, der als B-Produktion deutlich über sein Budget und die Zeit seiner Entstehung hinauswiese. So mag dieser Autor und Regisseur der Produktionsfirma Tempean Films zwar Gewinne beschert haben, zeitlose Klassiker sind in seinem Werkskatalog aber nicht beinhaltet. Kurzum, Escape by Night ist zwar halbwegs unterhaltsam, aber auch für den Freund des europäischen Film Noirs kein Muss.

 

Trotz einer Reihe aktueller Wiederveröffentlichungen von Film Noirs aus dem Katalog des Schaffens von John Gilling gibt es von Escabe By Night bis dato weltweit keine offiziell lizensierte (!) BD- oder auch DVD-Edition. In Online-Foren findet sich die halbwegs solide Kopie einer TV-Ausstrahlung, ungekürzt im Originalformat mit der original englischen Tonspur ohne Untertitel.

 


Film Noir | 1953 | UK | John Gilling | Monty Berman | Bonar Colleano | Martin Benson | Michael Balfour | Ronald Adam | Sidney James | Simone Silva

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