Circumstantial Evidence

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Bewertung
**
Originaltitel
Circumstantial Evidence
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1945
Darsteller

Michael O’Shea, Lloyd Nolan, Trudy Marshall, Billy Cummings, Ruth Ford

Regie
John Francis Larkin
Farbe
s/w
Laufzeit
68 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation

Bei einem Versand in Chicago hat der verwitwete und alleinerziehende Joe Reynolds (Michael O’Shea) für seinen Sohn Pat (Billy Cummings) eine Werkzeugtasche für Holzarbeiter bestellt. Diese wird heute von dem Postboten Sam Lord (Lloyd Nolan), Reynolds‘ Kamerad aus Zeiten des Kriegszeiten und stets sein Freund, ausgeliefert und die beiden sind Zeuge, wie der Junge in Daniel-Boone-Verkleidung mit Freude die Axt zur Hand nimmt. Schon rennt er mit den Werkzeugen zu seiner Bande und lässt die Männer auf dem Bürgersteig zurück. Auch ein Brief der Versicherung in New York ist in der Post, denn Joe möchte seinen Sohn eines Tages zur Universität gehen sehen… Joe und Pat Reynolds wohnen im Haus von Agnes (Trudy Marshall) und Marty Hannon (Roy Roberts), die selbst keine Kinder haben, doch mit dem Witwer lange befreundet sind und auch dessen Frau gut kannten. Heute schlichtet Joe erstmal einen Streit zwischen den Eheleuten, bevor er sich mit Marty auf einen Drink in ihr Stammlokal verabschiedet… Sam Lord hat am Küchentisch die Füße hochgelegt und liest im Kriminalmagazin Mystery Classics, dessen Abonnent er ist. Seine Frau Kate (Lynn Whitney) stichelt ihn wegen der Wahl seiner Lektüre, doch Sams Gedanken weilen bei der Werkzeugtasche, die Joe für Pat kaufte. Er wünschte, er hätte selbst solch einen Sohn, doch die Lords sind kinderlos geblieben, was Kate auch nicht weiter bedauert, denn so bleiben diesem imaginären Sohn zumindest die Mystery Classics erspart…

 

“Circumstantial Evidence is so full of hackneyed and incredible plot turns that one can never get even slightly interested in the involved set of circumstances which almost send (…) Michael O'Shea to the electric chair“, schrieb der Filmkritiker Bosley Crowther nach der Premiere dieses Machwerks im April 1945 für The New York Times, und dieses Urteil hat viele Jahrzehnte später nichts von seiner Gültigkeit verloren. Trotz einer Laufzeit von lediglich 68 Minuten ist solcher Mumpitz um einen verwitweten Vater, der aufgrund von Aussagen einiger Zeugen zum Tode verurteilt wurde, tatsächlich aber den Mord, dessen er angeklagt ist, nicht begangen hat, kaum durchzustehen. Was dem Zuschauer an hölzernem Schauspiel, belanglosen Charakteren, spießigem Humor und vor allem an grotesken Wendungen der Filmhandlung geboten wird, ist eine Zumutung. Das überschattet vieles, was im Drehbuch gut angelegt ist. So wie David Starrling (Zachary Scott) in Patrick Jacksons Shadow On The Wall (USA 1950) oder Manny Balestrero (Henry Fonda) in Alfred Hitchcocks Der falsche Mann (USA 1956) gerät Joe Reynolds in die Mühlen der Justiz und hat keine Möglichkeit, sich aus eigener Kraft aus den von der Anklage ausgelegten Fallstricken zu befreien. Sein Verteidiger rät ihm, sich schuldig zu bekennen; sein bester Freund bestätigt unvorsichtigerweise unter Eid die zuvor in der Hitze eines Streits von Joe ausgesprochene Morddrohung bezüglich des Opfers. In der Todeszelle beschließt Joe, dessen Antrag auf Wiederaufnahme seines Prozesses zum zweiten und letzten Mal abgelehnt wurde, die Hilfe eines Mitgefangenen in Anspruch zu nehmen und aus dem Gefängnis zu fliehen. Er hat vor, den USA den Rücken zu kehren und sich nach Europa abzusetzen, wo er unter anderem Namen mit seinem Sohn ein neues Leben beginnen will… All diese vielversprechenden Ansätze lässt John Francis Larkin mithilfe seines Ensembles links liegen und schafft es nicht, die Ambivalenz der Rechtssprechung und der Staatsräson sowie auch diejenige in der Anlage des Charakters Joe Reynolds‘ für den Spannungsaufbau zu nutzen. Dass Larkin Hollywood und dem US-Fernsehen als Autor und Produzent erhalten blieb, aber niemals mehr als Regisseeur tätig wurde, erscheint daher folgerichtig.

 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation

Lloyd Nolan war ein recht guter Schauspieler und hat bis in die 60er Jahre in zahlreichen Film Noirs mitgewirkt. Als Privatdetektiv Michael Shayne trat er in Time To Kill (USA 1942) in einer der ersten Raymond-Chandler-Adaptionen in Erscheinung. Aber auch er wirkt als ebenso biederer wie über alle Maßen engagierter und einflussreicher Postbote Sam Lord nur halb bei der Sache. Michael O’Shea (The Threat, USA 1949) ist kein Favorit von mir, sein Over-Acting stört mich stets und überall, aber so wie Nolan gehen auch Roy Roberts, Dorothy Adams und Ray Teal in dieser ungemein fade inszenierten Kriminalposse unter. Circumstantial Evidence wirkt wie ein Film der 30er Jahre, der 10 Jahre zu spät und ohne zupackenden Griff seines Regisseurs heute kaum noch erahnen lässt, warum er überhaupt gedreht wurde. Trotz seiner zumindest im letzte Drittel dem Film Noir zugeneigten Entwicklung, kann ich hier nur von Herzen abraten.

 

In der Reihe Cinema Archives gibt es in den USA eine DVD (2013) der Twentieth Century Fox Film Corporation, und wie für dieses Studio typisch, ist die Bild- und Tonqualität exzellent, dazu der Film ungekürzt im korekten Bildformat und mit dem englischen Originalton ohne Untertitel.

 


Film Noir | 1945 | USA | John Francis Larkin | James Flavin | Lloyd Nolan | Michael O'Shea | Ray Teal | Reed Hadley | Roy Roberts | Dorothy Adams

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