Sheba, Baby

 

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Bewertung
**
Originaltitel
Sheba, Baby
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1975
Darsteller

Pam Grier, Austin Stoker, D’Urville Martin, Rudy Challenger, Richard Merrifield

Regie
William Girdler
Farbe
Farbe
Laufzeit
90 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Louisville, Kentucky: Auf der West Main Street liegt die Shayne Loan Corporation, das Kreditinstitut der Partner Andy Shayne (Rudy Challenger) und Brick Williams (Austin Stoker). Am heutigen Abend parkt ein Wagen auf der gegenüberliegenden Straßenseite, darin drei Männer den stets erleuchteten Laden beobachten. In dem dahinter liegenden Büro diskutieren die Partner Shayne und Williams über die Bedrohung durch illegal operierende Gangster, der sie sich ausgesetzt sehen. Indessen Williams mit den Gangstern reden will, ist Shayne der Meinung, dass ein ehrlicher Geschäftsbetrieb zu fairen Konditionen das beste Mittel sei, auch dieses Problem früher oder später lösen zu können. Als Williams einsieht, wie wenig er seinen Partner bewegen kann seine Meinung zu ändern, verabschiedet er sich. Auf dem Weg nach draußen löscht er das Licht, denn Shayne will den Hinterausgang benutzen. Kaum ist Brick davongefahren, steigen die Männer aus ihrem Wagen und brechen bei der Shayne Loan Corporation ein. Als Andy Shayne sie beim Verwüsten des Ladelokals überrascht, schlagen sie ihn brutal zusammen… In Chicago, Illinois, ist Sheba Shayne (Pam Grier) an einem sonnigen Morgen auf dem Weg zu ihrer Arbeit. Sie ist Privatdetektivin und hat mit ihrem Partner Racker (Edward Reece jr.) als Racker & Shayne Private Investigators ihre eigene Agentur auf der Fairfax Avenue. Als sie im Büro ankommt, erwartet sie ein Telegramm von Brick Williams, der ihr mitteilt, dass das Leben ihres Vaters ernsthaft in Gefahr sei…

 

In jener Welt des Film Noirs, die nach undurchschaubaren Gesetzen funktioniert, deren Ordnungshüter jedoch nur scheinbar ihre Einhaltung von allen Bürger als erste Pflicht einfordern oder gar selbst nach ihnen handeln, ist der Privatdetektiv eine höchst relevante Figur. Im klassischen Film Noir trat er in Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1941) mit Sam Spade (Humphrey Bogart) oder in Murder, My Sweet (USA 1944) mit Philip Marlowe (Dick Powell) als deren erster Anti-Held in Erscheinung. Im Neo Noir der späten 60er Jahre kehrte der Privatdetektiv in Filmwerken wie Ein Fall für Harper (USA 1966), Der Schnüffler (USA 1967) oder Der Dritte im Hinterhalt (USA 1969) dann wieder zurück. Auf den Filmplakaten für Sheba, Baby sehen wir Pam Grier im Schwarzweiß eines früheren Filmzeitalters in einem Detektivbüro, darin an der Garderobe ein Trenchcoat hängt und auf der Anrichte eine Kaffeekanne steht. Das hat mit dem Film nichts zu tun, sehr wohl aber mit Sheba Shaynes Profession - mit der Privatdetektivin klassischen Zuschnitts. Und so heißt es in der Unterzeile: "The Queen of the Private Eyes". Auch die Blaxploitation-Filme jener Jahre kannten ja den Privatdetektiv, etwa mit John Shaft (Richard Roundtree) in Shaft (USA 1971) oder mit Shep Stone (Fred Williamson) in Black Eye (USA 1974). Das Besondere an Sheba Shayne ist selbstredend, dass sie es als Frau mit den skrupellosen Widersachern aufnimmt, die ihren Vater und dessen Geschäftspartner Brick Williams aus ihrer Branche drängen wollen. Alles andere ist leider weniger besonders, schon gar nicht der Film selbst.

 

Irgendwo in jenen ersten 10 Minuten des Films liegt ein Potential, es ist fast ein Versprechen. Jenseits der ersten 10 Minuten ist davon nichts mehr übrig. Zum ersten agieren viele Darsteller auf dem Niveau eines (miserablen) Laientheaters, so dass man nicht weiß, ob es zum Lachen oder zum Weinen ist. Zum zweiten ist William L. Asmans Kameraarbeit nicht mal schlecht, doch sind Girdlers Filmschnitt und seine Dramaturgie unfassbar hölzern. Zum dritten sind die Action-Sequenzen, vom funky Soundtrack fröhlich untermalt, derart schlecht inszeniert, dass sie die Grenze zur Selbstparodie überschreiten. Wenn Sheba Shayne mit dem unbewaffneten Brick Williams eine ganze Bande schwerbewaffneter Gangster bei einer nächtlichen Geldübergabe im Freien zur Flucht veranlasst, ist das bloß lächerlich. Vor allem wenn sich im Anschluss der Mobster in einer Ansprache an zwei seiner Männer und seine drei Gespielinnen der Nacht darüber beklagt, dass seit dem Eintreffen Sheba Shaynes (mit der er zum ersten Mal aneinander geriet) in Louisville nichts mehr wie früher sei… Du liebe Güte, wer hat solches Drehbuch allen Ernstes zur Verfilmung freigegeben? Sheba, Baby erschien 1 Jahr nach Jack Hills Foxy Brown (USA 1974) und war der Anschluss-Erfolg mit der damals 25jährigen Pam Grier als eine Protagonistin, die dem Film auch ihren Namen gibt. Zusammen mit Bucktown (USA 1975) und Friday Foster (USA 1975) sollte es Griers kurze Phase in Hauptrollen der Blaxploitation-Ära jedoch beenden, bevor sie mit Quentin Tarantinos Jackie Brown (USA 1997) nochmals daran anschließen konnte und zwar besser und ausdrucksvoller als jemals zuvor.

 

Erstklassig und mit viel Aufwand restaurierte BD- und DVD-Edition (2016) von Arrow Video mit dem Film ungekürzt im Originalformat in einer bild- und tontechnisch wirklich fantastisch restaurierten Version, inklusive der original eglischen Tonspur und optionalen Untertiteln auf Englisch, dazu einen Audio-Kommentar von und ein Interview mit dem Drehbuchautoren und Produzenten David Sheldon, den Kinotrailer, eine Bildergalerie, die Dokumentation Pam Grier – The AIP Years, obendrein ein Booklet mit Standfotos und Werbematerial sowie mit einem Filmessay von Patty Breen.

 


Neo Noir | 1975 | USA | William Girdler | Rudy Challenger | Pam Grier

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