Mordets Melodi

 

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Bewertung
***
Originaltitel
Mordets Melodi
Kategorie
Film Noir
Land
DNK
Erscheinungsjahr
1944
Darsteller

Gull-Maj Norin, Poul Reichhardt, Angelo Bruun, Peter Nielsen, Karen Poulsen

Regie
Bodil Ipsen
Farbe
s/w
Laufzeit
74 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Kopenhagen: An einem verregneten Winternachmittag steht ein alter Mann mit Hut vor dem Schaufenster des Antiquitätenhandels der Sonja Neie (Anna Henriques-Nielsen) und tritt schließlich ein. Unter seinem Mantel holt er einen Geigenkasten hervor, legt ihn auf den Tresen und öffnet ihn. Er schlägt der ebenfalls älteren Frau Neie vor, das Instrument von ihm zu kaufen. Sie verstehe nichts von Instrumenten, sagt sie ihm, er müsse sich eine halbe Stunde gedulden, bis ihr Sohn Eddie zurückkäme. Mit etwas Widerwillen lässt der Mann das Instrument bei Frau Neie zurück, die es hinterm Tresen verstaut. Erneut öffnet sich die Ladentür, und Sonja Neie fragt die Kundin, was sie wünsche. Bevor sie eine Antwort erhält, legen sich zwei Hände um ihren Hals und drücken fest zu, indessen die Fremde ein Lied anstimmt. Die Angestellte einer Bäckerei, Alice Rasmussen (Lili Heglund), geht auf der Straße an dem Antiquitätenladen vorüber, hört eine Frauenstimme singen und bleibt kurz lauschend stehen. Als erneut die Türlocke erklingt, liegt Sonja Neie bereits tot auf dem Boden…  Die Nachtclubsängerin Odette Margot (Gull-Maj Norin) steht vor dem Schaufenster der Bäckerei im strömenden Regen und starrt ausdruckslos ins Innere, bevor sie den Laden betritt. Sie bestellt bei Alice Rasmussen einen Kaffee, lehnt einen Keks jedoch ab und verlangt stattdessen ein Glas Wasser. Als man es ihr bringt, fragt sie nach der Uhrzeit, und als Alice ihr sagt, es sei halb sechs, legt sie ein Geldstück auf den Tisch und verlässt fluchtartig das Geschäft…

 

Licht und Schatten! Dies kennzeichnet als Stilmittel der Kameratechnik den Film Noir in Schwarzweiß wie kaum einen anderen Filmstil. Es kennzeichnet auch diesen dänischen Thriller aus dem Jahr 1944, ein ebenso couragiertes wie definitiv dem Film Noir zugehöriges Werk der Autorin und Regisseurin Bodil Ipsen. Der Film entstand unter ungewöhnlich schwierigen Bedingungen, denn 1944 stand Dänemark stets unter deutscher Besatzung, nachdem das Land am 9. April 1940 von der deutschen Wehrmacht überfallen und vollständig besetzt worden war. Diese Zeit der Unterdrückung und der Gewaltherrschaft war für die Dänen schwierig und demütigend, doch Ipsens Drama vermittelt eine eigenwillige und selbstbewusste Formensprache und braucht sich vor der internationalen Konkurrenz jener Jahre nicht zu verstecken. Die herbe, charaktervolle Gull-Maj Norin als Sängerin, Angelo Bruun als ihr nahezu diabolischer Ehemann und Hypnotiseur, ein skrupelloser Mann der Masken, sowie Peter Nielsen als Kriminalassistent Baunsø überzeugen auf ganzer Linie. Hinzu kommt die expressionistische Kameraarbeit von Valdemar Christensen, dessen Expertise dem Werk seinen kontraststarken Film-Noir-Charakter angedeihen lässt. Die Dramaturgie der ersten 20 Minuten ist zwar äußerst geruhsam, konnte mich aber doch in den Lauf der Geschichte hineinziehen, da ich mir von einigen der Fäden, die sie aufnahm, eine interessante Weiterentwicklung erwartete. Letzteres erwies sich leider als ein Trugschluss.

 

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“The idea to follow victims, suspects, and the police prancing around the murder mystery is a pleasant idea at first, but it doesn't (…) get attached to characters or let the thrill build“, schlussfolgert Carl Sandell für Letterboxd und spiegelt damit auch meinen eigenen Eindruck. Ein zentrales Problem ist der von Poul Reichhardt gespielte Beleuchtungsassistent Max Stenbnerg vom Kabarett Eldorado, wo auch Odette Margot eine Anstellung hat, der sich als ebenso liebestoll wie auch als ganz und gar flaches Gewässer entpuppt. Ein solcher Rollencharakter, nah an den in Deutschland von Heinz Rühmann in Komödien gespielten ewigen Knaben als dem „ehrlichen“ Mann, hat in einem Film Noir nichts zu suchen, zumal er in seiner zentralen Rolle zur Aufklärung der Verbrechen und zum Hergang des Finales so gut wie nichts beiträgt – er ist schlicht obsolet, und nervt. Besagtes Finale wird zur Gänze von dem Fiesling Louis Valdini dominiert, aber das Timing, bei dem Kriminalassistent Baunsø in letzter Minute die Lage klärt, ist im Schnitt und in der Inszenierung so dilletantisch, dass man unwillkürlich lachen muss. Solche unfreiwillige Komik aber verträgt der Film, der sich selbst ernstnimmt und ernstgenommen werden möchte, leider gar nicht. Was man einem Stummfilm womöglich nachsähe, wirkt einfach unbeholfen, es sei denn, die 74-minütige Fassung (PAL), die es als dänische DVD gibt, wäre tatsächlich eine gekürzte Version. In so mancher Online-Datenbank wird die Laufzeit dieses Werks mit 100 Minuten angegeben, doch das mag auch eine fehlerhafte Angabe sein. Fazit: Mordets Melodi, der im August 2018 auf dem sechsten Noir Film Festival in Křivoklát, Tschechien, gezeigt wurde, ist sicher kein Ärgernis, doch ebensowenig ist er ein Muss.

 

In der Reihe Nordisk Film Klassikere gibt es eine dänische DVD-Ausgabe (2006), in Deutschland nicht erhältlich, mit dem Film bild- und tontechnisch exzellent restauriert, also im originalen Bildformat mit dem dänischen Ton, leider jedoch ohne Untertitel und damit nicht für ein internationales Publikum. Insofern man sich jedoch um eine ansehnliche Veröffentlichung bemühte, gehe ich davon aus, dass die Laufzeit von 74 Minuten wahrscheinlich die ungekürzte ist.

 


 

Film Noir | 1944 | International | Bodil Ipsen | Angelo Bruun

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