Leben und Sterben in L.A.

 

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Bewertung
*****
Originaltitel
To Live And Die In L.A.
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1985
Darsteller

William Petersen, Willem Dafoe, John Pankow. Debra Feuer, John Turturro

Regie
William Friedkin
Farbe
Farbe
Laufzeit
112 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation

Der Agent des Geheimdienstes Richard Chance (William Petersen) ist ein engagierter Beamter, allerdings fanatisch und zu impulsiv, wie sein langjähriger Partner Jimmy Hart (Michael Greene) weiß. Bei einer Rede des US-Präsidenten Ronald Reagan gelingt es ihnen, einen islamistischen Terroristen (Michael Zand) mit Bombengürtel bis aufs Dach eines Hotels zu verfolgen und unschädlich zu machen… In Los Angeles sind die beiden auf der Spur des Meisterkriminellen Eric Masters (Willem Dafoe), eines skrupellosen Fälschers von Banknoten, der solche im großen Stil selbst herstellt und in Umlauf bringt. Agent Hart steht kurz vor der Pensionierung, lediglich drei Arbeitsage hat er kurz vor Weihnachten noch vor sich, und Chance schenkt ihm für den Ruhestand eine Angelroute. Jimmy Hart kündigt ihm an, dass er eine Spur verfolgen wolle, er den damit verbundenen Ausflug zu einer in der Sierra Nevada gelegenen Lagerhalle jedoch allein übernehmen wolle. Chance ist davon nicht begeistert und vereinbart mit ihm, dass er ihm folgen werde, sollte er nach zwei Tagen keine Nachricht von ihm erhalten haben. Tatsächlich hat Rick Masters in der Einöde eine heruntergekommene, scheinbar unbenutzte Halle gemietet, darin er einen Satz Falschgeld herzustellen im Begriff ist. Außer ihm ist nur sein Leibwächter Jack (Jack Hoar) vor Ort. Als Hart die Lagerhalle mit dem Fernglas beobachtet, sieht es dem Anschein nach so aus, als sei niemand dort und so dringt er eigenmächtig auf das umzäunte Gelände vor...

 

“How you making it?” - “Like every other swinging dick in this place makes it. Day by motherfucking day.” Das seinerzeit mit Überraschung und mit positiver Resonanz bedachte Comeback des nicht immer stilsicheren, teils allerdings brillanten Regisseurs William Friedkin (French Connection / Brennpunkt Brooklyn, USA 1971) zum Thrillerkino ist für mich bis heute ein Kernsstück, ein exemplarisches Meisterwerk des Neo Noirs jener Jahre. Der damals völlig unbekante William Petersen verkörpert als Richard Chance jene Art von Gesetzeshüter, dem alle Mittel recht sind, um ans Ziel zu gelangen und dessen persönliche Motivation auf der Grenzlinie von Fanatismus und neurotischem Aberwitz nicht nur Pflicht und Treue im Beruf sondern auch den ureigenen moralisch-ethischen Kompass aus den Augen verliert. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr steigert sich Chance in seinen Rausch der Rache hinein, die er an dem diabolisch skrupellosen Rick Masters zu vollziehen hofft. Dabei schlingert auch sein Partner John Vukovich (John Pankow) in einen Strudel der Ereignisse, die Chance und ihn schließlich selbst zu kriminellen Handlungen verführen und weitere von ihnen fordern, denn nachdem die Dominosteine ihres brandgefährlichen Spiels erstmal ins Kippen gerieten, ist kein Halten mehr. Friedkin wollte seiner von MGM mit einem Budget von 6 Millionen US-Dollar ausgestatteten Produktion den Anstrich einer Independent-Films geben. So heuerte er den deutschen Kameramann Robby Müller (Der amerikanische Freund, GER/FRA 1977) an, verpflichtete durch die Bank (noch) kaum bekannte Darsteller und arbeitete mit hohem Tempo, das die Akteure oft im Glauben ließ, man sei noch mit der Generalprobe befasst, indessen Friedkin die Kamera laufen ließ und dann diesen allerersten Take für den Film nutzte.

 

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© capelight pictures

“To Live and Die in L.A., for all its amorality and downright immorality, is a cracker-jack thriller, tense and exciting and unpredictable, and more grimy fun than any moralist will want it to be", schrieb Jay Scott für The Globe and Mail und bringt es auf den Punkt. In der Mitte der 80er Jahre befand sich das US-amerikanische Kino mit Blick auf seine Tradition des Thrillers einmal mehr van einem Wendepunkt. Die von Hollywood nach gängigen Schemata produzierten Verfilmungen von Kriminalromanen erschienen verstaubt. Filme wie Robert Bentons In der Stille der Nacht (USA 1982) oder Peter Yates‘ Der Augenzeuge (USA 1981) mit ihren Alfred-Hitchcock-Referenzen und immergleichen Rollencharakteren wirkten ermüdend und konservativer als alles, was in der zweiten Hälfte der 70er Jahre von Martin Scorsese, Paul Schrader und John Cassavetes bereits neu belebt worden war. Im Rückblick sind es gerade Blood Simple - Eine mörderische Nacht (USA 1984) von Joel und Ethan Coen und eben Leben und Sterben in L.A. von Friedkin, die sich für den Neo Noir der 80er Jahre und auch den Boom der 90er Jahre als stilbildend und richtungsweisend erweisen sollten. Jim McBrides‘ Der große Leichtsinn - The Big Easy (USA 1986), Michael Manns Blutmond (USA 1986), Sidney Lumets Der Morgen danach (USA 1986) und J. Lee Thompsons Murphy’s Law (USA 1986) folgten Friedkins Überraschungserfolg auf dem Fuße und fokussierten sich allesamt auf einen entgleisten Cop im Zentrum des Geschehens. Der einzige echte Wehmutstropfen in Leben und Sterben in L.A. ist die furchtbar anachronistische und für heutige Ohren unerträglich banale Musikbegleitung der US-New-Wave-Band Wang Chung, ein Musterbeispiel für den fast schon tragisch lächerlichen Synthie-Pop jener Zeit.

 

Eine 2-Disc Collector’s Edition (2018) von capelight im Mediabook mit BD und DVD sowie 24-seitigem Booklet bringt den Film bild- und tontechnisch exzellent und ungekürzt im Originalformat, dazu einen Audiokommentar von William Friedkin, als “Taking a Chance“ ein Interview mit William L. Petersen, als “Doctor for a Day“ ein Interview mit Dwier Brown, als “Wrong Way“ ein Interview mit Stunt-Koordinator Buddy Joe Hooker, als “Counterfeit World“ ein Making-of sowie als “Renaissance Woman in L.A.“ ein Interview mit Debra Feuer und zuletzt als “So in Phase“ noch ein Interview mit der Band Wang Chung, dazu das aternative Ende, entfallene Szenen sowie die Originalkinotrailer aus den USA und aus Deutschland.

 


Neo Noir | 1985 | USA | William Friedkin | Robby Müller | John Turturro | Willem Dafoe | William Petersen

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