Delusion

 

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Bewertung
***
Originaltitel
Delusion
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1991
Darsteller

Jim Metzler, Jennifer Rubin, Kyle Secor, Jerry Orbach, Robert Constanzo

Regie
Carl Colpaert
Farbe
Farbe
Laufzeit
93 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Atlas Film und Medien GmbH

Fünf Jahre seines Lebens haben der Computerspezialist George O’Brien (Jim Metzler) und sein Team in die Entwicklung der neuen Software Mirage XT investiert, doch kurz vor Vollendung ihres Werks wird die Firma von der Gladstone Group übernommen. Mit Hilfe seines Kollegen arrangiert O’Brien eine halbe Million US-Dollar unmittelbar vor Übernahme auf gefälschte Rechnungen zu verbuchen. Der Plan ist nun, das Geld in bar nach Reno, Nevada, zu transportieren und dort mit Leuten aus dem alten Team die Fertigstellung der Software in Eigenregie voranzutreiben… Als George in der glühenden Hitze auf dem einsamen Highway Richtung Osten fährt, bemerkt er hinter sich ein 71er Oldsmobile Cutlass, das offensichtlich ins Schlingern gerät. Nach einem gewagten Überholmanöver des Wagens verschwindet er hinter der nächsten Anhöhe außer Sichtweite, doch schon steigen Staubwolken auf, die darauf hindeuten, dass das Vehikel von der Fahrbahn abkam. Tatsächlich sieht George kurz darauf den Wagen auf dem Dach liegend in der Wüste, indessen eine Frau (Jennifer Rubin) und ein junger Mann (Kyle Secor) aus dem Wrack klettern. Und schon bald sitzen Patti und Chevy bei George im Wagen, nachdem sie jenen darum baten, sie doch bis zur nächsten Ansiedlung mitzunehmen. Doch es dauert nicht lange, bis George O’Brien  den Eindruck gewinnt, dass es womöglich ein Fehler war, diese beiden mitzunehmen…

 

Die frühen 90er Jahre wurden im Kino zum Zeitalter der Rückkehr des Neo-Noir-Kinos und zwar noch bevor der spätere Regie-Star Quentin Tarantino mit Reservoir Dogs (USA 1992) seinen Überraschungserfolg platzieren konnte. Im langen Fahrwasser von Joel und Ethan Coens Blood Simple – Eine mörderische Nacht (USA 1984) folgten mit John Dahls Kill Me Again / Töten Sie mich (USA 1989), mit James Foleys After Dark, My Sweet (USA 1990) und mit Dennis Hoppers The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer (USA 1990) plötzlich Neo-Noir-Filme, die explizit als solche verstanden werden wollten und aus dem Korsett der Zensur in jenen 40er Jahren, der Blüte des klassischen Film Noirs, bewusst ausbrachen. Physische und psychische Gewalt wurde gnadenlos bebildert und Sexualität spielte sich nicht mehr nur in der Vorstellung des Zuschauers ab. Zudem verließen die genannten Filme die Lokalität einer urbanen Hölle als Handlungsort und schickten ihre Protagonisten buchstäblich in die Wüste oder in die Einöde jämmerlicher Kleinstädte in “the middle of nowhere“. Zeitgleich verzeichnete die alternative Popmusik einen Wechsel der Paradigmen. Vom synthetischen Pop der 80er Jahre führte der Trend u.a. zum akustischen Alternative Country oder “Americana“ genannten Stil mit Slide Guitar, Banjo und Fiddle. Die Rückbesinnung auf Boots und Roots galt auch in Europa als cool. Dass der englische Rockmusiker Barry Adamson für den Neo Noir Delusion, das US-Debüt des gebürtigen Belgiers Carl Colpaert, eine musikalische Tapete lieferte, der sich neben Elektro-Pop auch Tex-Mex-Einflüsse zugesellten, ist kein Zufall und spiegelt den Zeitgeist, dem Film und Musik entsprangen.

 

“Delusion is a cautionary film noir road movie, that (…) sways back and forth between its uninvolving storyline and kitsch”, schlussfolgert Dennis Schwartz in seiner Besprechung für Ozus’ World Movie Reviews. Für mich wurde der Film dadurch zu einer Enttäuschung. Noch heute gibt es wie im Fall von True Romance (USA 1993) viele Freunde solcher Art von Kino, denen die offensichtlichen Schwächen auch von Delusion egal sind oder die von ihnen nicht bemerkt werden: krampfhaft coole Dialoge, affektierte Comicbuch-Caraktere, eine Geschichte, die hätte straffer und knackiger inszeniert werden müssen, dazu teils zweitklassige Darstellerleitungen, –  vor allem diejenige Kyle Secors – sowie eine Kameraarbeit, die in der Wüste von Nevada in keiner Einstellung besonders stilvoll wirkt. Mit seinen Vorschusslorbeeren durch US-Filmkritiker war Delusion für mich ein Film, den ich genießen wollte und den ich bis zum vorhersehbaren Ende als fade und uninspiriert empfand. Die mit Sicherheit schlechteste Version von Lee Hazlewoods Klassiker These Boots Are Made For Walking - von Barry Adamson und Anita Lane - vergällt einem das Werk zusätzlich. Wer einen Neo Noir in der Einöde voller bizarrer Charaktere auf der Flucht (und sei es vor selbst) sehen möchte, sollte sich John Dahls Red Rock West (USA 1993) vornehmen, ein Film, darin neben den Kerlen sogar die Femme fatale ein richtiger Charakter und keine Nullnummer ist.

 

Bild- und tontechnisch gute deutsche DVD-Edition (2017) via Schröder Media Handels GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu die original englische Tonspur und die (nicht empfehlenswerte) deutsche Synchronisation, das Ganze ohne Untertitel und mit dem Kinotrailer als Extra.

 


Neo Noir | 1991 | USA | Carl Colpaert | Jerry Orbach | Jim Metzler | Tracey Walter

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