Sellout, The

 

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Bewertung
***
Originaltitel
The Sellout
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1952
Darsteller

Walter Pidgeon, John Hodiak, Audrey Totter, Paula Raymond, Thomas Gomez

Regie
Gerald Mayer
Farbe
s/w
Laufzeit
83 min
Bildformat
Vollbild

 


 

 The Sellout-Poster-web1.jpg The Sellout-Poster-web3.jpg The Sellout-Poster-web2.jpg
© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.
 

In St. Howard, einer Stadt im US-amerikanischen Mittelwesten, ist Haven D. Allridge (Walter Pidgeon) Chefredakteur der dortigen Tageszeitung, des St. Howard News-Intelligencers. Seine Tochter Peggy (Paula Raymond) ist im 30 Meilen entfernten, angrenzenden Bridgewood mit dem dortigen Staatsanwalt Randy Stauton (Cameron Mitchell) verheiratet. Die beiden haben eine siebenjährige Tochter namens Marcia (Nadine Ashdown), und sie liebt ihren Großvater über alles. Eines Abends ist Allridge von einem Besuch bei der jungen Familie auf dem Weg in sein Büro, wo er trotz der vorgerückten Stunde noch zu tun hat. An der ersten Bushaltestelle bemerkt er Wilfred Jackson (Whit Bissell), einen mittellosen Süßigkeiten-Händler, der auch in der Redaktion regelmäßig seine Waren anbietet. Er hält an, um Jackson nach St. Howard mitzunehmen und rammt beim Zurücksetzen ein Hinweisschild, ohne jedoch Schaden anzurichten. Die beiden sind noch nicht lange auf der Landstraße Richtung St.Howard unterwegs, als hinter ihnen die Sirene eines Streifenwagens aufheult und der Sheriff von Bridgewood County, Kellwin C. Burke (Thomas Gomez), den Zeitungsredakteur um seine Papiere bittet. Als jener einräumt, sie im Büro vergessen zu haben, nimmt Burke die zwei trotz Allridges Protest mit auf die Wache und lässt sie, ohne ihnen ein Telefonat zu gewähren, vom Gefängniswächter Cannell (John Damler) kurzerhand einsperren. Im Kreis der dortigen Gefangenen erwartet die beiden jetzt eine böse Überraschung…

 

“When I’m dead I fall over as unpublicly as I can arrange it.“ Ja, es gibt einige knackige Einzeiler, für einen Film Noir rundum angemessen. Doch einzig wenn Audrey Totter (Ring frei für Stoker Thompson, USA 1949) in Erscheinung tritt, zeigt der Film, was möglich gewesen wäre, und kehrt zu den vielversprechenden Prämissen der ersten 15 Minuten zurück, die er leider nie und nimmer einzulösen versteht. Das Ensemble ist wunderbar zusammengestellt; neben Totter überzeugen sowohl Walter Pidgeon und John Hodiak in den Hauptrollen als auch fast alle in Nebenrollen auftretenden Akteure, vor allem Karl Malden, Everett Sloane, Thomas Gomez, Frank Cady und der stets und immer zuverlässige Whit Bissell. All diese Schauspieler mühen sich redlich mit einem Skript, das trotz mancher Gelegenheit nicht die Kurve kriegt und in den zeittypischen Predigerton zugunsten von Staatsräson und Pflichttreue verfällt. Die Verteidigung von Bürgerrechten und Pressefreiheit und der Kampf gegen die Korruption hinter der Maske von Amt und Würden hatten in Flamingo Road (USA 1949), in Der Gangsterboss von Rocket-City (USA 1950) oder in Die Maske runter (USA 1952) bereits andere Töne angeschlagen. In The Sellout arbeiten der Autor Charles Palmer und sein Regisseur Gerald Mayer offensichtlich einer in den USA am Scheitelpunkt der McCarthy-Ära vorherrschenden politischen Stimmungsmache zu, die von der Unterhaltungsindustrie vor allem Patriotismus und Linientreue verlangte, was bei Filmen der Metro-Goldwyn-Mayer Inc. ohnehin oft zu finden war. Sobald der Zuschauer begreift, dass hier niemand das geringste Risiko einzugehen bereit ist und sogar die Bauernopfer ausschließlich entlegene Randfiguren sind, wird dieses Justizdrama im Gewand des Film Noirs erst vorhersehbar und bald auch langweilig.

 

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© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

“It's watchable, but as a lesson in civics on why the law in a democracy works, it is not convincing nor that interesting”, fasst Dennis Schwartz für Ozu’s World Movie Reviews pointiert zusammen und deutet damit bereits an, wie die Rückkehr des Gut-Böse-Schemas aus dem Gangsterfilm der 30er Jahre in den Film Noir der frühen 50er letzteren wie durch das Einspritzen eines Giftstoffs auf sein Ende zutreibt. Nichts illustriert das in der Art, wie der Film sich seiner “Femme fatale“ Audrey Totter entledigt, indem sie der fürsorgliche Staatsanwalt Chick Johnson (John Hodiak) nämlich per Eisenbahn in die Wüste schickt. Was fängt ein solcher Film auch mit einer so schillernden Figur an, die per se nicht ins oben genannte Schema passt? Als ein Überbleibsel der vergangenen 40er Jahre verabschiedet sich Totter am Bahnsteig von einer Zukunft, die unter der Herrschaft Senator McCarthys für sie keine Option ist; der Film Noir hatte in ihr de facto ausgedient. Damit verschwand auch die Riege bewährter Akteure, die in diesem Film zusammenfand, schon bald aus den Kinosälen und fristete fortan in diversen TV-Kanälen ein Schattendasein. Audrey Totter  und Paula Raymond war nach 1955 jeweils keine Karriere auf der Leinwand mehr beschieden; im gleichen Jahr verstarb überraschend John Hodiak mit nur 41 Jahren. Der Film Noir sollte bis zum Ende des Jahrzehnts noch vereinzelt herausragende Werke generieren. Seine beste Phase war in den USA zu Zeiten von The Sellout jedoch schon Vergangenheit.

 

Erstklassige italienische DVD-Edition (2013) unter dem Titel Difendete la città mit der original englischen Tonspur und einer italienischen Synchronisation, jeweils ohne Untertitel, doch ungekürzt im Originalformat und bild- und tontechnisch topp restauriert, den original Kinotrailer als Extra.

 


Film Noir | 1952 | USA | Gerald Mayer | Everett Sloane | Hugh Sanders | John Hodiak | Karl Malden | Thomas Gomez | Whit Bissell | Audrey Totter

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