Schmalspurschnüffler, Der

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Bewertung
**
Originaltitel
The Cheap Detective
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1978
Darsteller

Peter Falk, Ann-Margret, Eileen Brennan, Sid Cesar, Stockard Channing

Regie
Robert Moore
Farbe
Farbe
Laufzeit
92 min
Bildformat
Widescreen
 

Bild Bild Bild
© Columbia Pictures Corporation
 
San Francisco, Kalifornien, im Jahr 1940: In einem Hotel sind am heutigen Abend gleich mehrere Morde verübt worden. Police Lt. DiMaggio (Vic Tayback) und Police Sgt. Rizzuto (Abe Vigoda) stellen fest, dass die Opfer so schnell erschossen wurden, dass sie nicht mal Zeit hatten, ihre Position zu ändern – nur der Portier (Henry Sutton) sah die Kugel auf sich zukommen und versuchte das Leichenschauhaus anzurufen. Das prominenteste Opfer ist Floyd Merkle (Wally K. Berns), der mit einer Zeitung in der Hand im Sessel sitzt, doch wie alle anderen mit einer Kugel im Kopf. Merkle war Privatdetektiv und Partner von Lou Peckinpaugh (Peter Falk), der mit Floyds Frau Georgia (Marsha Mason) seit 10 Jahren eine Affäre unterhält, wie die ganze Stadt wusste, nur Floyd selbst nicht… Georgia ruft bei Lou an, der bereits zu Bett gegangen ist, und übermittelt ihm die Nachricht von Floyds Tod. Sie ist geradewegs verzweifelt und fragt ihn, ob er Floyd ihrer gemeinsamen Zukunft wegen aus dem Weg geräumt habe, bis Lou plötzlich mitkriegt, dass Lt. DiMaggio und Sgt. Rizzuto direkt neben ihr stehen, und schnell auflegt. Da klingelt es noch einmal und die laszive Stimme einer jungen Frau (Madeline Kahn) gibt Lou Peckinpaugh zu verstehen, etwas über den Tod seines Partners zu wissen und sich deshalb trotz der späten Stunde in Kürze im Detektivbüro einzufinden. Peckinpaugh nimmt sofort ein Taxi zum Private Detective Center, wo er die Tür zum Büro geöffnet und die Frau reglos auf einem Stuhl sitzend vorfindet…
 
“Don't call me for three days, and when you do, use your real name. By the way, what is it?” Ja, die Gags sind durch die Bank so flach wie dieser. Und wäre auf der DVD und den Kinoplakaten nicht „Neil Simon“ zu lesen, würde man kaum glauben, dass er der Autor der extrem klischeehaften und stereotypen Parodie auf Humphrey-Bogart-Filme der Vierziger ist, namentlich Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1941), Casablanca (USA 1942), und Tote schlafen fest (USA 1946), darin er zudem noch eine Prise Chinatown (USA 1974) unterbringt. Der klassische Film Noir hat schon früh zu Parodie und Hommage herausgefordert. So traten unter der Regie Elliott Nugents (der konservative) Bob Hope und Dorothy Lamour in My Favorite Brunette (USA 1947) auf, eine leichtherzige und enorm platte Travestie. Seit den ausgehenden Sechzigern gibt es eine Reihe von Film-Noir-Parodien, die den fatalistischen Ingrimm der Schwarzen Serie zu knacken suchten, ohne den immer schon dunkel schillernden Humor ihrer Charaktere zu beschädigen. Carl Reiners Tote tragen keine Karos (USA 1982) und Shane Blacks Kiss Kiss Bang Bang (USA 2005) zählen zu den wenigen, denen auf dem schwierigen Terrain Erfolg beschieden war. Nun hatten der Dramatiker Neil Simon (Ein seltsames Paar, USA 1968), Regisseur Robert Moore, Produzent Ray Stark, der Schauspieler Peter Falk und die Schauspielerin Eileen Brennan mit der Kriminalkomödie Eine Leiche zum Dessert (USA 1976) einen großen Erfolg zu verbuchen, an den sie offensichtlich anzuknüpfen suchten. Sie taten sich daher für einen zweiten Streich zusammen, dessen Konzeption dem Genre im weitesten Sinn erhalten blieb, zudem wurden erneut auch die Darsteller James Cromwell und James Coco verpflichtet. Aber das Urteil des Filmkritikers Scott Weinberg, so böse es scheint, bringt es auf den Punkt: “Not even in the same galaxy as Neil Simon's best work.”
 
In Der Schmalspurschnüffler sind alle Zitate, Querverweise und parodistischen Einlagen dergestalt inszeniert, dass der immerfort derbe Film zunehmend nervt. Während sich der Zuschauer, der ja Humor erwartet, - eine Parodie auf die klassische Ära des Film Noirs, ergo bissigen Humor mit Hang zu Absurditäten! - sich eingangs mit den Figuren und dem Setting vertraut macht, mehrere Quellen im Nu auch erkennt, bleibt der Film jenseits der 30 Minuten einfach alles schuldig, was ihm selbst eine tragfähige Geschichte gäbe. Während Peter Hyams’ oft gescholtene Film-Noir-Komödie Die falsche Schwester (USA 1976) den eigenen Charakteren durchaus viel abgewinnen, ihnen Kontur und Persönlichkeit zu verleihen vermag, sind Neil Simons Figuren nur mit ihren klischeehaften „Zitaten“ beschäftigt, die sie im Sekundentakt ausspucken, indessen sie keinerlei Eigenleben entwickeln und der Film quasi auf der Stelle tritt. Dauernd kommt das Gleiche nochmals anders und schließlich schaut man dem so unbeteiligt zu wie einem, der vom eigenen Witz berauscht die Fassung verloren hat. Auch mit dem Anteil der Hommage, wie sie der Vorspann verspricht, ist es nicht weit her. “Still, for all of the noir that is spoofed in The Cheap Detective, the film fails to capture the feel of the genre”, schlussfolgert Danél Griffin zu Recht in seinem Blog Film as Art.  Und insofern Der Schmalspurschnüffler nicht mal diese Prämisse seiner selbst einlöst, scheitert er für mich so ziemlich auf ganzer Linie.
 
In den USA brachte Columbia TriStar Home Entertainment eine DVD-Edition (2004) heraus, die sich durch das falsche Bildformat (4:3 Vollbild) auszeichnet, eine typische Unsitte aus der Frühzeit der DVD-Produktion. Im Übrigen ist die Bild- und Tonqualität gut, Tonspuren auf Englisch und Spanisch, optional mehrere Untertitel, und ein kurzweiliges, elfminütiges Interview zum Film namens A Conversation with Neil Simon als Extra.
 

Neo Noir | 1978 | USA | Robert Moore | James Cromwell | Peter Falk | Ann-Margret

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