Nacht über Manhattan

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Bewertung
****
Originaltitel
Night Falls On Manhattan
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1996
Darsteller

Andy Garcia, Richard Dreyfuss, Lena Olin, Ian Holm, James Gandolfini

Regie
Sidney Lumet
Farbe
Farbe
Laufzeit
109 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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New York: Der 33jährige Sean Casey (Andy Garcia) kommt aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater Liam (Ian Holmes) ist seit 38 Jahren Polizist und in jungen Jahren war Sean das auch, bevor er beschloss ein Jurastudium aufzunehmen und sich mühsam bis zum Examen durchbiss. Jetzt nimmt er in einem weiterführenden Programm der New Yorker Staatsanwaltschaft teil, um möglicherweise in den Staatsdienst übernommen zu werden… Sein Vater steht kurz vor der Pensionierung, als er an einem Oktoberabend mit seinem Partner Police Detective Joey Allegretto (James Gandolfini) in Harlem vor einem Wohnblock wartet, darin sich der berüchtigte Drogenboss Jordan Washington (Shiek Mahmud-Bey) aufhalten soll, wie ihnen ihr Informant (Anthony Alessandro) verraten hat. Seit Monaten warten die beiden, Washington endlich verhaften zu können und Liam will keine Verstärkung, damit ihnen den Triumph keiner mehr nehmen kann. Doch Allegretto hat Angst, und während Casey bereits das Haus betritt, funkt er das 74te Revier an und verlangt nach Unterstützung. Die beiden bewegen sich im Treppenhaus aufwärts, doch Washington hört sie, und als Liam Casey das Schloss der Wohnungstür zerschießt, antwortet ihm eine Salve aus einer Maschinenpistole, die ihn durch die geschlossene Holztür frontal trifft. Casey geht zu Boden, der verängstigte Allegretto ruft einen Krankenwagen, Washington will über die Feuertreppe entkommen, als die Streifenwagen von drei verschiedenen Revieren mit lauten Sirenen den Wohnblock umzingeln…
 
”In neo-noir the corrupt cop has become the norm rather than the exception“, schreibt Andrew Spicer in seinem Historical Dictionary of Film Noir (EA 2010) und ordnet Sidney Lumets Nacht über Manhattan zu Abel Ferraras Bad Lieutenant (USA 1992) und James Mangolds Cop Land (USA 1997). Zugleich steht der Film in Lumets eigener Tradition einer Auseinandersetzung mit den Spielregeln gesellschaftlichen Lebens, wie sie auf beiden Seiten der Gesetzsprechung ausgehandelt werden. Derlei geht bis auf sein Debüt Die 12 Geschworenen (USA 1957) zurück und schritt im Lauf seiner Karriere als Autor und Regisseur über Serpico (USA/ITA 1973) oder Prince Of The City - Die Herren der Stadt (USA 1981) unaufhörlich voran, wobei Lumet dabei gern die Metropole New York porträtierte. Nacht über Manhattan ist kein Genrefilm und mischt verschiedene Elemente des US-Kinos zu einem auf der politischen Ebene komplexen und überaus scharfsichtigen Drama, dem jedoch die persönliche Ebene in der Beziehung zwischen Sean Casey und Peggy Lindstrom (Leno Olin) mächtig hinterher hinkt. Deren Kalkül wird sowenig hinterfragt wie deren Romantik glaubwürdig wirkt; hier setzt Lumet, der sich für die Exposition seines Falls enorm Zeit lässt, plötzlich auf Tempo, und das bekommt dem Film nicht.
 
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© Universum Film GmbH
 
“You were a cop, Joe. Now you're a garbage! You are nothing!” Ich bin selbst kein “Fan“ von Andy Garcia, aber die dramaturgische Klasse Sidney Lumets mit dessen Hang zu epischer Anlage überzeugt mich bis dato immer wieder. Schon im Gangsterfilm der Dreißiger war die Korruption in allen Etagen städtischer Politik ein Thema, sei es in Mervin LeRoys Der kleine Cäsar (USA 1931) oder in William A. Wellmans The Public Enemy (USA 1931). Aber Sidney Lumet überließ das Terrain der Gangster lieber den Kollegen Martin Scorsese und Francis Ford Coppola. Ihm ging es mehr um Systemzusammenhänge und was genau sie mit jenen Menschen anstellen, die sie betreiben oder von ihnen getrieben werden, sobald Einzelne versuchen, sich dagegen zu stemmen und sie auszuhebeln. Meisterregisseur Lumet bewegt sich hier in der Tradition von Film-Noir-Klassikern wie Elian Kazans Boomerang (USA 1947), Nicholas Rays Vor verschlossenen Türen (USA 1949) oder John Sturges’ The People Against O’Hara (USA 1951), in denen jeweils Dana Andrews, Humphrey Bogart und Spencer Tracy als aufrechte Juristen einer Mission verschrieben waren. Neben Andy Garcia in der Titelrolle sind in Nacht über Manhattan vor allem Richard Dreyfuss und Ron Leibmann zu erwähnen, die dem Film jenes Quantum Pfeffer verleihen, das er braucht. Sidney Lumet stand immer in dem Ruf, seinen Darstellern exquisite Leistungen abzuverlangen, und in dieser Hinsicht ist Nacht über Manhattan keine Ausnahme. Neben mehreren brisanten ethisch-moralischen Fragestellungen und den Schauplätzen vor Ort in New York sind sie es, die den etwas in Vergessenheit geratenen Film stets sehenswert erscheinen lassen.
 
Gute deutsche DVD-Ausgabe (2007) der Universum Film GmbH, München, bei der nur die schlechte deutsche Tonspur mit kaum vorhandenen Hintergrundgeräuschen und einer leisen, teils fehlerhaften Synchronisation ins Gewicht fällt (in einem Dialog wird aus TV-Moderator "Charlie Rose", den in Deutschland keiner kennt, kurzerhand “David Letterman“…). Das ist jedoch kein Problem, einfach im Original (ggf. mit deutschen Untertiteln) ansehen, die englische Tonspur ist einwandfrei, hier fehlt nichts. Bildtechnisch topp und ungekürzt im Originalformat mit Kinotrailer, einer B-Roll und drei Kurzinterviews (Lumet, Garcia, Dreyfuss) als Extras.
 

Neo Noir | 1996 | USA | Sidney Lumet | Andy Garcia | James Gandolfini | Paul Guilfoyle | Richard Dreyfuss | Lena Olin

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