Boomerang

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Bewertung
****
Originaltitel
Boomerang
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Dana Andrews, Jane Wyatt, Lee J. Cobb, Arthur Kennedy, Cara Williams

Regie
Elia Kazan
Farbe
s/w
Laufzeit
88 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Bild Bild Bild
© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
In Fairport, Conneticut, wird Pater George A. Lambert (Wyrley Birch), ein bei der Gemeinde beliebter, älteter Herr, bei seinem abendlichen Spaziergang auf der Hauptstraße hinterrücks ermordet. Jemand hat, da er seine Pfeife entzünden wollte, sich ihm von hinten genähert, einen Revolver an seinen Kopf gehalten und abgedrückt. Vor den Augen mehrerer Passanten kann der Mörder unerkannt fliehen, denn niemand hat sein Gesicht erkannt. Nur der dunkle Mantel und der helle Hut sind allen aufgefallen… Die Stadt ist geschockt. Reverend Gardiner (John Stearns) erinnert im Trauergottesdienst an die Verdienste Pater Lamberts, obgleich jener nicht immer den bequemen Weg einschlug und schwarzen Schafen auch die Meinung geigte. Polizeichef Harold F. Robinson (Lee J. Cobb) und Detektive Lieutenant White (Karl Malden) sehen sich mit einer schweren Aufgabe betraut. Die Zeugenaussagen sind wertlos, das Befragen der Angehörigen bringt keine Ergebnisse. Das wiederum ist ein gefundenes Fressen für den Reporter Dave Woods (Sam Levene) vom örtlichen Morning Record und seinen Chefredakteur T.M. Wade (Taylor Holmes), die die Stimmung anheizen und neben der Polizei die örtliche Politik für die stagnierende Untersuchung an den Pranger stellen. Schon bald melden sich die Würdenträger der Stadt, Bürgermeister Jim Crossman (Philip Coolidge) und der Vorsitzende fürs Baugewerbe Paul Harris (Ed Begley), bei Staatsanwalt Henry L. Harvey (Dana Andrews). Eine Wahl stehe ins Haus und ihre Interessen ständen auf dem Spiel. Von Harvey fordern sie eine rasche Aufklärung des Mordes und zwar um jeden Preis…
 
Elia Kazans im semi-dokumentarischen Stil seiner Zeit inszeniertes Drama um Staatsanwalt Henry L. Harvey und den des Mordes Verdächtigen John Waldron (Arhur Kennendy), einen orientierungslosen Vetranen des Zweiten Weltkriegs, erschien 2006 als erstklassige DVD in der Reihe Fox Film Noir. Seither zweifeln viele Rezensenten daran, ob der auf einer wahren Begebenheit beruhende Film überhaupt in diese Lade gehört: “How others have classified this picture as a noir has me stumped“, schreibt beispiesweise Tony D’Ambra für filmnoir.net. Dennis Schwartz sieht das für Ozus’ World Movies Reviews durchaus anders: “This taut, well told story, is suspenseful in the noir tradition of setting a dark mood.” Beide Standpunkte sind nachvollziehbar. Was über weite Strecken fehlt, ist der für den Film-Noir-Stil der Zeit so typische Stil mit seinen tiefen Schatten in urbanen Szenerien bei Nacht, die legendäre Low-Key-Ausleuchtung und die innovativen Kamerawinkel. Kazan ist im Gegenteil um Nüchternheit und geradezu trockene Seriösität bemüht. Es gibt andererseits einen Erzähler aus dem Off (Reed Hadley), der eine lange Rückblende einleitet, eine Technik, auf die später im Film erneut zurückgegriffen wird. Sowohl Harvey als auch Waldron sind von inneren Zweifeln und von Versäumnissen geplagte Menschen, die alsbald auch von außen mit den Konsequenzen ihrer individualistischen, eigenwillen Lebenweise konfrontiert werden. Der Eine wird durch poltische Ränkespiele, der Andere durch eine Femme fatale in die Enge getrieben.
 
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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Auch Lee J. Cobb als Mann der Taten und nicht der Worte, der sich vom einfachen Streifenpolizisten bis zum Polizeichef der Ortschaft empor diente, sieht sich von der Komplexität der Verhältnisse überfordert und schlittert in Selbstzweifel und Sinnkrise. “They’re already after me, Robbie, and they’re already after you,“ macht ihm Harvey schon frühzeitig klar. In solchen dramatischen Zuspitzungen, die Elia Kazan gekonnt in Szene setzt, finden sich Parallelen zu den Nöten und Zwänge, unter denen viele der Film-Noir-Helden der Zeit zu leiden hatten, die in der US-Gesellschaft entweder ihren Platz nicht fanden oder aber immerzu den falschen innehatten. Sicher hat auch die Besetzung einiges zur Aufnahme in die Film-Noir-Reihe der Twentieth Century Fox Home Entertainment beigetragen: Dana Andrews, Lee-J. Cobb, Arthur Kennedy, Barry Kelley und Ed Begley waren zuvor und danach in vielen Klassikern des Film Noirs zu sehen. Mit Reminiszenzen an Fritz Langs Blinde Wut (USA 1936) ist Kazans Film einer, der zupackt und seinen Fall bei den Hörnern nimmt. Wie John Waldron in den Schwitzkasten genommen wird, ist etwas, das mit Beginn der McCarthy-Ära in Hollywoodfilmen nicht länger zu sehen war, außer in den Film-Noir-Dramen Phil Karlsons vielleicht. Erst ganz am Ende moralisiert der Erzähler einen Tick zuviel. Bis dahin zeigt der in Deutschland nie ins Kino gekommene Boomerang reichlich Klasse und Format. Empfehlenswert!
 
Erstklassige und leider inzwischen vergriffene US-DVD (2006) in der Reihe Fox Film Noir mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu den englischen Ton mit optional englischen oder spanischen Untertiteln, einen Audiokommentar der Film-Noir-Experten Alain Silver und James Ursini, dazu Poster- und Fotogallerien sowie den US-Kinotrailer als Extras. In England erschien eine wunderbare Edition mit sowohl der BD als auch der DVD (2014) in der Reihe Masters Of Cinema von Eureka, die ein 44seitiges Booklet mit einem Filmessay von Glenn Kenny enthält und eine Dokumentation (1982) über Regisseur Elia Kazan.
 

Film Noir | 1947 | USA | Elia Kazan | Arthur Kennedy | Barry Kelley | Dana Andrews | Ed Begley | Karl Malden | Lee J. Cobb | Reed Hadley | Robert Keith | Sam Levene | Taylor Holmes | Jane Wyatt

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