Cornered

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Bewertung
**
Originaltitel
Cornered
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1945
Darsteller

Dick Powell, Walter Slezak, Micheline Cheirel, Nina Vale, Morris Carnovsky

Regie
Edward Dmytryk
Farbe
s/w
Laufzeit
102 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
London: Der Pilot der Royal Canadian Airforce, Lieutenant Laurence Gerard (Dick Powell), scheidet nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem aktiven Dienst aus und holt sich seinen Sold und die Ausweispapiere. Doch letztere, so informiert ihn der zuständige Beamte (Nelson Leigh) im Passport Office, wären für eine Reise nach Frankreich erst durch eine Kontrolle der Behörde legitimiert. Also muss sich der hartnäckige Gerard mit einer Jolle, die er vor der Küste versenkt, illegal nach Frankreich einschiffen. Mit nichts als Bargeld und seiner Armeepistole erreicht er schwimmend das Ufer und betritt zwischen Ruinen das armselige Büro des örtlichen Präfekten M. Roujon (Louis Mercier), des Vaters seiner Ehefrau Celeste. Sie war selbst eine Kämpferin der Resistance, die jedoch verraten und ermordet wurde. Der angestrengt plappernde Roujon kann die unerbittlichen Gelüste nach Rache, die Laurence Gerard hegt, nicht davon wischen. Gemeinsam besuchen sie erst die Grabstätte, wo Celeste mit 50 ihresgleichen hingerichtet wurde. Roujon gibt an, dass ein Kollaborateur namens Marcel Jarnac (Luther Adler) hinter dem Massaker zu stecken scheine, doch der ist seit Juli 1943 offiziell tot. Der Präfekt glaubt allerdings nicht an das, was zu Protokoll gegeben wurde; vielmehr scheint ein Mann namens Albert Joppe hinter dem mysteriösen Verschwinden Jarnacs zu stecken. In Marseille trifft sich Gerard mit Polizeioffizier Trabeau (Jean Del Val), der just im Augenblick eine Nachricht erhält, dass der lange Gesuchte nun endlich gefunden sei, leider tot…
 
Ungehobelt, arrogant, mundfaul. So stellte sich der Schauspieler Dick Powell anscheinend einen “Tough Guy” vor, denn genau so stattet er seinen Protagonisten aus, den kanadischen ex-Weltkrieg-Piloten Laurence Gerard. Der seit 1932 im Filmgeschäft aktive Powell war mit Banalitäten à la Weihnachten im Juli (USA 1940) oder Happy Go Lucky (USA 1943) unwiderbringlich auf Komödie, Musical, Romanze abonniert. Mit dem Film Noir Murder, My Sweet (USA 1944) versuchte der 40jährige im Fahrwasser Humphrey Bogarts, John Garfields und Alan Ladds einen Imagewandel zu vollziehen - vom jungenhaften Spießbürger zum gegerbten Privatdetektiv Philip Marlowe. Edward Dmytryks Verfilmung eines Romans Raymond Chandlers setzte Maßstäbe und wurde zum Impulsgeber des Film Noirs in den USA. Also bemühte sich das Duo Dmytryk-Powell im Jahr darauf für das Studio RKO Radio Pictures nachzulegen. Auch Drehbuchautor John Paxton, Produzent Adrian Scott, Kameramann Harry J. Wild und Komponist Roy Webb waren bereits bei Murder, My Sweet mit von der Partie gewesen. Doch was mit der Figur Philip Marlowes, eines coolen und zugleich geschundenen, zweifelnden und in die Enge getriebenen Rollencharakters gelang, missglückt hier völlig. Laurence Gerard ist eine unerträglich klischeehafte und bis ins Mark unsympatisch alberne Figur, so dass er die Zuschauer im Grunde nervt. Allein die Szene, wie Gerard den Vater seiner von Kollaborateuren ermordeten Ehefrau Celeste, mit der er wenige Wochen liiert war, beim Wiedersehen in Frankreich von oben herab zurechtstutzt und anbrüllt, ist so widerwärtig wie unglaubwürdig. Letzteres gilt im Verlauf für alle sich servil anbiedernden Personen, mit denen Gerard zu tun hat, sobald sie ihn entweder auf Cocktailparties der High Society mitnehmen oder ihm als Angebot zum Beischlaf in die Arme sinken, was der kaltschnäuzige Ritter seiner Rache dann so rechtschaffend wie hochtrabend ablehnen darf.
 
Bild Bild Bild
© Warner Bros.
 
"I thought it over and decided not to pay any attention to you.” Einmal abgesehen von der kaum erträglichen Leistung Powells, blitzt hier und dort das Potential einer Geschichte durch, die unmittelbar im Nachklang des Zweiten Weltkriegs einige heiße Eisen zur Hand nimmt – das Fortbestehen einer Enklave wohl bestallter Nationalsozialisten in Südamerika und die Unzahl ungesühnter Kriegsverbrechen und Greuzeltaten in Zeiten des Krieges. Die im kommenden Jahr in den USA entstandenen Film Noirs Der Fremde / Die Spur des Fremden (USA 1946) und Berüchtigt / Weißes Gift (USA 1946) nahmen sich solcher Themen an, nur dass sie weitaus sensibler und triftiger damit umgingen. Denn auch die Nebendarsteller und ihre Figuren, mal abgesehen von Walter Slezak in der Rolle des undurchsichtigen Privatdetektivs Melchior Incza, sind in Cornered - es gilt besonders für die Frauen - eindeutig blass und zweitklassig. Aber auch so exzellente Schauspieler wie Jack La Rue, Steven Geray oder Morris Carnovsky können das Ruder hier nicht herum reißen. Das Finale bietet obendrein nur jene Standard-Action, bei der die Bösen solange mit ihren Schusswaffen rumfuchteln und Maulaffen feilbieten, bis der Tausendsassa Gerard sie unbewaffet außer Gefecht setzt. Fazit: Eine spannende Thematik wird gut bebildert, - Harry J. Wild zeigt seine Klasse - doch ist Cornered als Erzählung und Film überraschend lieblos bis schlecht und damit einer der wenigen Flops im Frühwerk Edward Dmytryks.
 
Weltweit ist Cornered in mehreren, bildtechnisch extzellenten Fassungen erhältlich., so in England als DVD (2011) via Odeon Entertainment Ltd. oder in den USA als Teil der Film Noir Classic Collection Vol. 5 (2010) der Warner Bros. Entertainment Ltd. – jeweils ungekürzt im Originalformat auf Englisch inklusive englischer Untertitel und mit dem Kinotrailer als Extra.
 

Film Noir | 1945 | USA | Edward Dmytryk | Harry J. Wild | Dick Powell | Luther Adler | Morris Carnovsky | Steven Geray | Ellen Corby

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