Portraits Of A Killer / Portraits Of Innocence

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Bewertung
***
Originaltitel
Portraits Of A Killer
Kategorie
Neo Noir
Land
CAN
Erscheinungsjahr
1996
Darsteller

Jennifer Grey, Costas Mandylor, Michael Ironside, Patricia Charbonneau, Currie Graham

Regie
Bill Corcoran
Farbe
Farbe
Laufzeit
91 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Black Hill Pictures GmbH
 
Calgary, Alberta, Kanada: Im St. Louis Hotel, einer von Prostituierten genutzten Absteige, untersucht Detective Sgt. Ernie Hansen (Michael Ironside) den Fund der Leiche von Sandy Watson (Roxane Kraemer) Sie war eine minderjährige Hure in Diensten des Zuhälters Wade Simms (Currie Graham), der wegen Tatverdachts sofort in Haft genommen wird. Ebenfalls am Tatort ist die Staatsanwältin Carolyn Price (Patricia Charbonneau), die zugleich Vorsitzende ihrer Stiftung zum Schutz von jungen Prostituierten ist. Sie erscheint zur Belustigung Hansens im Abendkleid, weil sie heute die Herausgabe des Bildbands Portraits Of Innocence feiern möchte – mit Bildern des Fotokünstlers George Kendall (Costas Mandylor). Darauf finden sich auch einige Prostituierte der Stadt, weshalb Prices Stiftung das Buch mituntertsützt, doch wurde mit Sandy Watson inzwischen die vierte von ihnen ermordet. Price befiehlt Hansen einen Aufschub der Verhaftung Kendalls, zumal gegen ihn keine stichfesten Indizien vorlägen, während das Alibi von Wade Simms zwar sicher scheint, doch ebenso falsch sein könnte. Auf der Gala, der auch der scheidende Oberstaatsanwalt Raymond Garrison (M. Emmett Walsh) beiwohnt, hängen die übergroßen, auf Leinwand gedruckten Porträts der ums Leben gekommenen Mädchen von den Wänden, als Carolyn Price ihre Rede hält. Da platzt Hansen herein und lässt Kendall festnehmen. Er war mit einem der Mädchen am Abend von deren Ermordung von Kellnerin Shelly Nichols (Mary Hennigan) in einem Café in Nähe des Tatorts bedient worden. Rechtsanwalt Jim Miller (Kenneth Welsh) begibt sich von der Gala stante pede in seine Kanzlei. Und die junge Anwältin Elaine Taylor (Jennifer Grey), die als einzige noch bei der Arbeit ist, bekommt so als erste die Chance, sich um den spektakulären Mordfall zu kümmern…
 
Es ist keine so schlechte Geschichte in einem keineswegs üblen Drehbuch, das sich zügig ins Film-Noir-Terrain bewegt. Die unerfahrene Anwältin Elaine Taylor verfällt einem Homme fatale, seinerseits ein populärer Fotograf, der mithilfe gefälschter Indizien für einen Mordfall sühnen soll, mit dem eine unbekannte Größe etwas zu verschleiern sucht. So glaubt sie zu wissen. Und je mehr gegen den Klienten spricht, desto hartnäckiger versucht sie, dessen Unschuld nachzuweisen. Bill Corcoran bringt die Handlung mit einem guten Ensemble von Darstellern aus Kanada, aus den USA und aus Australien auf die Schiene, daraus vor allem Michael Ironside und M. Emmet Walsh hervorstechen. Sie gehörten gerade in den Neunzigern zu jenen Leuten aus der zweiten Reihe, die B-Filme der Art von Portraits Of A Killer trotz offensichtlicher Schwächen bereicherten. Aber auch die Kameraarbeit von Curtis Petersen ist ungeachtet der vorherrschenden Fernsehästhetik, die störend ins Gewicht fällt, im Ganzen solide und bringt viele Eindrücke der nächtlichen Großstadt und ihrer Schattengewächse. Portraits Of Innocence war der englische Filmtitel und er ist derjenige, unter dem das Werk in Deutschland auf dem DVD-Markt erschien. Tatsächlich ist er dem Inhalt des Films um vieles angemessener, denn so reißerisch der Originaltitel ist, so wenig spektakulär ist die Handlung. Und hier liegt schon die Krux eines Ganzen, dem seine teils beachtlichen Einzelbausteine weder zu Konsistenz noch zu Glanz verhelfen.
 
Portraits Of Innocence-still-web3.jpg  Portraits Of Innocence-still-web2.jpg Portraits Of Innocence-still-web1.jpg
© Black Hill Pictures GmbH
 
So lässt sich der Film in seiner ersten Hälfte viel Zeit um das Verältnis der Anwältin Taylor zum Fotografen Kendall zu etablieren, aber deren Chemie erweist sich als bestenfalls lauwarm und wenig glaubwürdig. Ist auch die Gratwanderung zwischen Berufspflicht und -ethik einerseits und der unterdrückten romantischen Ader andererseits ein für den Neo Noir (natürlich gefahrvolles) Spannungsfeld, zeigt sich Jennifer Grey in manchen Szenen einfach zu mädchenhaft naiv, um weiterhin als engagierte Anwältin durchzugehen. Die über jedes Maß aufrecht erhaltene Unschuldsvermutung erweist sich in dem Kontext ebenso als störend. Da sind Ironside, Walsh und Patricia Charbonneau als mit allen Wassern gewaschene Beamte in Diensten von Legislative und Exekutive um einiges glaubwürdiger. Dieses Trio von Wölfen, in das sich Kenneth Welsh als erfahrener Jurist gut einfügt, kann den Film aber nicht tragen. Trotz eines guten Finales zeigt die Handlung zudem Lücken, die derart offensichtlich sind, dass der Zuschauer, der zumindest in der zweiten Hälfte einen Zuwachs an Dynamik serviert bekommt, am Ende mit gemischten Gefühlen auf den Abspann blickt. Ein Thriller mit Bezügen zur Film-Noir-Tradition, der weit besser hätte sein können, als er ist – die synthetische Musik und zeittypischen Soundeffekte sind völlig inakzeptabel! – und den man sehen kann, doch keinsfalls gesehen haben muss.
 
Sehr gute DVD-Edition (2006) der Blackhill Pictures GmbH mit dem Film bildtechnisch topp, ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Englisch und Deutsch und ohne Extras.
 

Neo Noir | 1996 | International | Bill Corcoran | M. Emmet Walsh | Michael Ironside | Jennifer Grey

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