Scharlatan, Der

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Bewertung
*****
Originaltitel
Nightmare Alley
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Tyrone Power, Coleen Gray, Joan Blondell, Helen Walker, Taylor Holmes

Regie
Edmund Goulding
Farbe
s/w
Laufzeit
111 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Bei einer zweitklassigen Truppe wandernder Schausteller ist Stanton Carlisle (Tyrone Power) der Gehilfe in der magischen Show Mademoiselle Zeenas (Joan Blondell) und ihres trunksüchtigen Ehemanns Pete Krumbein (Ian Keith). Mit einfachen Tricks gaukeln die beiden den Besuchern vom Lande vor, ihre Gedanken lesen zu können. Das Gewerbe ist so harmlos wie lukrativ, nichtsdestotrotz ist es Betrug. Und so muss sich Stanton ins Zeug legen, als ein Marshal (James Burke) der Region die Vorführung verbieten lassen will. Stanton hat Talent im Umgang mit Menschen, deren Schwächen und Mechanismen ihrer Persönlichkeit er rasch durchschaut und so gelingt ihm, den Polizisten loszuwerden. Stanton hat zudem längst herausbekommen, dass Zeena ihn attraktiv findet, derweil er selbst der hübschen, jungen Artistin Molly (Coleen Gray) den Hof macht, was wiederum der starke Bruno (Mike Mazurki) gar nicht schätzt. Und Stanton weiß, dass Zeena und Pete Krumbein vor Pete’s tiefem Fall Showstars waren und ein Geheimnis hüten, das den Schlüssel zu Macht und Reichtum birgt. An ihren großen, betrügerischen Trick will er heran und so hofft er eines Nachts, Pete das Geheimnis zu entlocken, indem er ihm das nötige Quantum Alkohol verschafft. Doch Stan greift versehentlich die falsche Flasche und Pete vergiftet sich von eigener Hand und endet elendig…
 
Kaum ein Rezensent versäumt dieser Tage zu betonen, wie pessimistisch und rabenschwarz dieser Film Edmund Gouldings sich für seine Zeit ausnimmt. Nicht nur das Werk sondern auch seine Rezeptionsgeschichte verleiten zu dem Schluss, darin einen der härtesten und konsequentesten Film Noirs der ganzen Ära zu sehen. Zugleich ist interessant, dass sich Kritiker sogar bis heute mit dem Film schwertun. Der Scharlatan ist ungewöhnlich für die damalige und für jede andere Zeit in Hollywood, insofern vieles an die klassische Tragödie der europäischen Theatergeschichte gemahnt –Sophokles, Shakespeare, Schiller standen hier Pate, scheint es. Es ist das trotz seiner US-amerikanischen Aufstieg-und Fall-Geschichte zugleich Un-Amerikanische, daran sich US-Kritiker bis heute reiben, jene unverhohlene Kapitalismuskritik, die ihre Idee vom Selfmade-Mann beschädigt, indem sie im zielstrebigen Charakter Stanton Carlisles die Triebfeder maßloser Gier bloßlegt.
 
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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Zwecks Unterhaltung und Zerstreuung gedrehte Spielfilme, deren zentrale Charaktere nicht positiv besetzt waren, wie etwa Jules Dassins Die Ratte von Soho (USA 1950) und Billy Wilders Frau ohne Gewissen (USA 1944) im Kanon des Film Noirs, waren zuweilen bei der Kritik, seltener jedoch beim Publikum beliebt. Ihre Entwicklung des Strebens und des Scheiterns nach dem Vorbild in Citizen Kane bildete meist einen Spiegel für den Existenzkampf in der entwickelten bürgerlichen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts. Statt des Protagonisten hinter dem Schauspieler bzw. der Schauspielerin entdeckt man nach dem Muster der Identifikation schon bald sich selbst. Der Scharlatan radikalisiert die Travestie der Mechanismen des Überlebenskampfes für seine Zeit ungewöhnlich direkt. Entsprechend reagierte diese Zeit, das konservative Amerika zu Beginn des Kalten Krieges, darauf mit Ablehnung und Bestrafung. Der Scharlatan, ein Film Noir auf dem Höhepunkt der Ära, zerstörte die Karrieren des bis dato erfolgreichen Rergisseurs Edmund Goulding und des Hollywoodstars Tyrone Power. Letzterer, von quasi seiner Erbschaft Eroll Flynns (ab 1940) als Zorro, Priratenkapitän und anderweitiger Heldengestalten gelangweilt, hatte auf eigenen Wunsch die Rolle Stanton Carlisles übernommen. "You're a perfectly normal human being," erklärt die große Femme fatale des Films, die Psychotherapeutin Lilith Ritter (Helen Walker), ihrem Geschäftspartner Carlisle kurz vor dessen Fall. "Selfish and ruthless when you want something, kind and generous when you've got it." Tyrone Power, der 1958 mit 44 Jahren an einem Herzinfarkt starb, hat gern betont, dass für ihn Der Scharlatan der persönliche Favorit all seiner eigenen Filme sei. Ein definitiv einzigartiger Film Hollywoods und ein Muss nicht nur für Anhänger des Film Noirs!
 
Eine deutsche DVD gibt es nicht, aber eine englische in der exquisiten Reihe Masters Of Cinema von Eureka (UK): der Film selbst ist bildtechnisch topp restauriert, ungekürzte Spielzeit im Originalformat, original englischer Ton plus englische Untertitel, dazu ein 24seitiges Booklet mit einem hervorragenden Essay von Woody Haut, der online hier abrufbar ist, sowie mit einem Audiokommentar der Film-Noir-Spezialisten James Ursini und Alain Silver plus original US-Kinotrailer als Extras.
 

Film Noir | 1947 | USA | Edmund Goulding | Lee Garmes | Mike Mazurki | Roy Roberts | Taylor Holmes | Tyrone Power | Coleen Gray | Helen Walker | Joan Blondell

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