Getaway

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Bewertung
*****
Originaltitel
The Getaway
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1972
Darsteller

Steve McQueen, Ali MacGraw, Ben Johnson, Sally Struthers, Al Lettieri

Regie
Sam Peckinpah
Farbe
Farbe
Laufzeit
118 min
Bildformat
Widescreen
 

 

BildBildBild
© Warner Bros.
 
Carter „Doc“ McCoy (Steve McQueen) ist aufgrund bewaffneten Raubüberfalls in Texas zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt worden und erfährt, dass sein Gesuch zwecks Entlassung auf Bewährung abgelehnt wurde. Also schickt McCoy seine Ehefrau Carol (Ali MacGraw) zu dem kriminellen Geschäftsmann Jack Benyon (Ben Johnson), der nicht nur bei Verkündung der Ablehnung seines Gesuchs anwesend war, sondern im Bundesstaat beste Beziehungen in die Spitzen von Wirtschaft und Politik unterhält. McCoy, der seine Haftstrafe nicht länger ertragen kann und ertragen will, sagt Jack Benyon blanko alle Bedingungen zu, die jener an diesen Gefallen zu knüpfen gedenkt. So kommt McCoy tatsächlich wieder auf freien Fuß und findet sich mit Carol erneut unter einem Dach. Doch die Freiheit und selbst das Eheleben sind erstmal gar nicht so leicht zu bewältigen. Jack Benyon möchte im Gegenzug, dass der eigenwillige und enorm talentierte Carter „Doc“ McCoy einen Bankraub plant und durchführt. Dafür stellt er ihm zwei seiner Männer zur Verfügung, die er eigens ausgesucht hat, doch Rudy Butler (Al Lettieri) und Frank Jackson (Bo Hopkins) sind üble Burschen, mit denen McCoy von Anbeginn eine Antipathie verbindet. Während die beiden vorab viele Details von Docs Planung gering schätzen und teils ablehnen, etwa die Nutzung kugelsicherer Westen, wird McCoy zusehends misstrauischer und wittert eine Falle Jack Benyons…
 
In Deutschland kam Getaway auch als Getaway – Ihre Chance war gleich Null und (völlig absurd) als Ein Mann explodiert in die Kinos. Allein die ersten acht Minuten, in denen der Vorspann in die Exposition des Settings montiert ist und die keine „normale“ Dialogpassage beinhalten, sind ein Meisterstück der Regiekunst. Überaus dynamisch und mit einiger Action gespickt, ist Getaway klar ein Neo Noir, der anhand seines Paares auf der Flucht an die Film-Noir-Tradition von Fritz Langs Gehetzt / Du lebst nur einmal (1937) bis Arthur Penns Bonnie und Clyde (1967) anschließt. Während im traditionellen Film Noir die „Schuldigen“ am Ende via gesellschaftlicher Sanktion mit ihrem Tod (hin)gerichtet werden – in Penns Bonnie und Clyde wird das Werteschema Recht vs. Unrecht im dramatisch-drastischen Showdown in sein Gegenteil verkehrt! – gelingt Peckinpahs Außenseitern und Liebenden, konträr zum Ende in Jim Thompsons Roman, die Flucht. In dem Essay What is this Thing Called Noir? (in: Film Noir Reader, 1996) vergleichen Alain Silver und Linda Brookover Sam Peckinpahs Getaway mit Roger Donaldsons Remake (1994) und verweisen dezidiert auf das Drehbuch: „Both versions are adapted from Thompson’s novel by Walter Hill, whose other neo-noir work, such as Hickey and Boggs (1972) and The Driver (1978), also features hard-bitten professionals living on the fringes of society in the noir underworld.”
 
Carter „Doc“ McCoy ist eine Film-Noir-Figur, dessen Desorientierung und Isoliertheit von gesellschaftlichen Banden ihre Resonanz in den ureigenen Gesetzen seiner von männlicher Härte und der (im Verlauf des Films sich überhaupt erst entwickelnden) Verbundenheit zu seiner Ehefrau findet. Das Wachsen und Reifen seiner ethischen Prinzipien erlebt ihren Ausdruck in der Schlusssequenz, als das Ehepaar auf der Flucht die USA verlässt, um im Nachbarland Mexiko eine gemeinsame Zukunft zu haben, – synonym zum Ende in Die blaue Dahlie (1946) und Die schwarze Natter / Das unbekannte Gesicht (1947) – die ihnen ihre Heimat für immer verwehrt. Im Anschluss an die Hippiejahre der Spätsechziger und an die vom europäischen Kino (z.B. der Nouvelle Vague) beeinflussten Filme des New Hollywood, kann das sehr wohl als Kommentar zur sozialen und politischen Gegenwart der USA jener Jahre verstanden werden. Doc McCoy lässt zuletzt nicht bloß ihren Fluchthelfer (Slim Pickens) am Leben, worüber kurzzeitig Unsicherheit besteht, sondern verhilft sogar ihm zu einem besseren Leben, indem er dessen Lieferwagen kauft. Für keinen dieser Außenseiter, die sich in der finalen Sequenz als solche erkennen, wäre eine Zukunft in den USA überhaupt denkbar. Es ist ein Signal von zynischer Härte, wenn ihr namenloser Helfer – eingedenk aller Leichen, die das Paar auf seinem Weg zurückließ! - beiläufig den Verfall traditioneller Werte beklagt: “That’s the trouble with this Goddamned world, no morals! Kids figure if they ain’t living together, they ain’t living.“ Während des Drehs trank der Alkoholiker Sam Peckinpah (wie auch Darsteller Al Lettieri) in erheblich wachsendem Ausmaß, was Spannungen mit Steve McQueen mit sich brachte, der im Jahr zuvor mit Peckinpah Junior Bonner gedreht hatte. McQueen begann seinerseits am Set eine Liebesaffäre mit Ali MacGraw, die zur Trennung von deren Ehemann und zur Heirat der beiden führte. Trotz solcher Turbulenzen wurde das Meisterstück Getaway, an dem auch der grandiose Kameramann Lucien Ballard seinen Anteil hatte, zu einem der kommerziell erfolgreichsten Filme der (viel zu kurzen) Karrieren Sam Peckinpahs und Steve McQueens.
 
Gute BD (2007) und DVD (2004, Special Edition 2005) von Warner Bros., die den Film ungekürzt und im Originalformat, mit Tonspuren auf Deutsch, Englisch, Spanisch und mehr Untertiteln, als man zählen kann, heraus brachte, allerdings mit kaum nennenswerten Extras in der sogenannten Special Edition.
 

Neo Noir | 1972 | USA | Sam Peckinpah | Walter Hill | Jim Thompson | Lucien Ballard | Steve McQueen | Ben Johnson

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