Driver

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
****
Originaltitel
Driver, The
Kategorie
Neo Noir
Land
USA/UK
Erscheinungsjahr
1978
Darsteller

Ryan O’Neal, Isabelle Adjani, Bruce Dern, Ronee Blakley, Matt Clark

Regie
Walter Hill
Farbe
Farbe
Laufzeit
88 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© EMI Films  © Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Los Angeles: Der Fahrer (Ryan O’Neal) wartet im Fluchtwagen, bis die Täter mit ihrer Beute herauskommen, dann rast er in die Tiefen der Stadt davon. Das ist sein Job, und dieser Fahrer, den der Cop (Bruce Dern) auch den „Cowboy“ nennt, weil er Countrymusik hört, ist in seinem Job der beste. Als er jedoch bei einem nächtlichen Überfall auf ein Spielcasino den beiden Gangstern (Bob Minor, Nick Dimitri) zur Flucht verhilft und während einer halsbrecherischen Jagd durch Los Angeles mehrere Polizeiwagen verschrottet, will ihn der Cop unbedingt kriegen. Im Zug einer Gegenüberstellung hat er eine Spielerin (Isabelle Adjani) aus dem Casino vorgeladen, die den Fahrer des Fluchtwagens gesehen haben soll. Doch sie gibt an, dass der Mann nicht der gleiche wie der Fahrer in dem Auto gewesen sei. Der Cop weiß, dass sie lügt, und der Fahrer weiß es umso besser, denn es ist genau so vereinbart. Er besucht sie in ihrem Apartment, um ihr das Geld zu überreichen, das ihr für die Falschaussage zusteht, und sie ist überrascht, dass er es selbst bringt. Da taucht der Cop auf. Er hat in der Polizeiakte der Spielerin gelesen und festgestellt, dass sie mit 22 Jahren kein unbeschriebenes Blatt ist, und so versucht er, sie unter Druck zu setzen. Als er bei einem Überfall auf einen Supermarkt kurz darauf die Spur von drei polizeibekannten Gangstern (Joseph Walsh, Ruby Ramos, Frank Bruno) ausfindig machen kann, zwingt sie der Cop, dem Fahrer eine Falle zu stellen. Als jener eines Nachts in der Bar seiner Kontaktfrau (Ronee Blakley) auftaucht, bietet sie dem Fahrer einen Job an. Er soll den Fluchtwagen für drei Profis fahren, die einen Banküberfall durchführen wollen…
 
Jenseits von cool wird es kalt, und genau das ist dieser Film Noir Walter Hills, der den Faden aufnimmt, wo ihn Fritz Lang mit Heißes Eisen (1953) und Orson Welles mit Im Zeichen des Bösen (1958) liegen ließen. Duncan Shepherd vom San Diego Reader stellte fest, Driver sei womöglich ein Film "advisable for film noir aficionados only“, demgegenüber die deutsche VideoWoche wissen ließ: „Inspiriert von der legendären Autojagd in Bullitt (1968) inszenierte Walter Hill (…) einen Actionthriller mit gnadenlosen, atemberaubenden Straßenrennen im Stil des Film noir.“ Das ist nicht nur missverständlich formuliert, sondern klingt erstmal absurd, insofern ein Actionthriller und der Film Noir in der Regel zwei Paar Schuhe sind. Walter Hill jedoch serviert mit Driver nicht nur einen waschechten Film Noir sondern auch einiges an Action und Tempo, wobei letzteres sich vor allem der extrem stringenten Erzählweise verdankt. Die Ökonomie des Drehbuchs geht dabei einher mit dem pointierten Minimalismus der Dialoge und einem konstanten Understatement in der Darstellung, was jenen Eindruck der „Coolness“ erweckt. Wer genauer schaut, sieht schnell, dass in diesem Film mit dem Look eines klassischen B-Movies der Siebziger eine ungemeine Schönheit der Bildsprache vorherrscht, was Hill nicht zuletzt mit Leuten wie Samuel Fuller oder Don Siegel verbindet, deren Cleverness ähnlich funktioniert. In Driver wimmelt es von exzellent inszenierten Einstellungen und Bildkompositionen, die Walter Hill als einen Meister seines Fachs auszeichnen.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Wie Fuller und Siegel ist Hill ein Regisseur, der eine Geschichte erzählt, ohne sie in ihrem Verlauf einer allzu eingehenden Erörterung zu unterziehen. Was geschieht, geschieht aufgrund des Ineinandergreifens der Rädchen in jener „Wirklichkeit“ des Kunstraums Film. In Driver erklärt der Cop seinem Untergebenen (Matt Clark), warum Gewinner den Sportteil als den besten einer Tageszeitung identifizieren – weil dort alles über die Regeln des Spiels, über seine Verlierer und eben Gewinner zu erfahren sei. Der Sozialdarwinismus des Hochkapitalismus’, darin es in einer von Emotionen nahezu „gereinigten“ Welt einzig ums Haben oder Nichthaben geht und der Einsatz auch der des eigenen Lebens sein kann, geht Hand in Hand mit der sukzessiven Entmenschlichung gesellschaftlichen Miteinanders. Wer in seinem Job der beste ist, siegt über seine Gegenspieler, die er hinter Gitter bringt oder gleich tötet. In jedem Fall zählt nur, seine Widersacher auszuschalten. Wer das Gesetz vertritt und wer dagegen verstößt, ist vollends nebensächlich und eine Farce jener Spießerwelt, die aus der Perspektive des Film Noirs fast irreal scheint. Auge um Auge, Zahn um Zahn! In Walter Hills Sphäre, sein Johnny Handsome – Der schöne Johnny (USA 1989) erwies sich als würdiger Nachfolger, fühlt sich der Sieg wie eine Niederlage an. Denn auch für die Besitzenden gibt es aus dieser Welt kein Entrinnen. Sie bleiben für immer Bewohner des Film Noirs.
 
Exzellente BD- und DVD-Editionen (2014) von Studiocanal GmbH, die den Film in einer Bildqualität präsentiert, die nicht ganz HD-Ansprüchen gerecht wird, aber für einen B-Film der Spätsiebziger völlig i.O. ist. Es findet sich die englische und eine deutsche Tonspur mit wahlweise deutschen oder englischen Untertiteln, dazu der englische und der kuriose deutsche Kinotrailer von 1978 sowie der alternative Anfang (ca. 4 Minuten) als Extras. Die FSK-18-Einstufung verdankt sich wohl der amoralischen Gewalttat einer einzigen Szene, denn ansonsten ist der Film nicht über die Maßen brutal.
 

Neo Noir | 1978 | USA | Walter Hill | Walter Hill | Philip H. Lathrop | Bruce Dern | Felice Orlandi | Ryan O'Neal | Isabelle Adjani

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