Tiger, Der

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Bewertung
***
Originaltitel
The Enforcer
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1951
Darsteller

Humphrey Bogart, Ted de Corsia, Roy Roberts, Zero Mostel, Everett Sloane

Regie
Bretaigne Windust, Raoul Walsh
Farbe
s/w
Laufzeit
87 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Los Angeles: Unter schwerem Wachschutz wird der Kriminelle Joseph Rico (Ted de Corsia) des Nachts ins Polizeihauptquartier und dort zum Staatsanwalt Martin Ferguson (Humphrey Bogart) gebracht. Rico soll in dem spektakulären Prozess gegen seinen Boss und Auftraggeber Albert Mendoza (Everett Sloane) aussagen, der ein einträgliches Geschäft geleitet hat – Auftragsmorde, die er via Rico und dessen Heer von Berufskillern wie ein Firmenchef abgewickelt hat. Jahre haben Ferguson und Captain Frank Nelson (Roy Roberts) daran gearbeitet, das gut getarnte Unternehmen auffliegen zu lassen und die von Angst gepeinigten Mittäter und Opfer zum Sprechen zu bringen. Mit Joseph Rico haben sie den einzigen Belastungszeugen, der ihnen in dem morgen früh beginnenden Prozess zum Erfolg verhelfen kann. Doch Joseph Rico, der sich aus begründeter Angst eliminiert zu werden, eigenhändig an den Staatsanwalt auslieferte, wird nun selbst von Panik verfolgt. Erst wird vom Dach des gegenüberliegenden durch zwei Scharfschützen auf ihn ein Anschlag verübt. Schließlich versucht er aus der Obhut Sergeant Whitlows (King Donovan) zu entfliehen, indem er diesen kurzerhand überwältigt und durchs Badezimmerfenster die Feuerleiter erreichen will…
 
Ja, der Film ist hart und es zeichnet ihn mitunter ein Sozialdarwinismus aus, den der grandiose Kameramann Robert Burks (Der Fremde im Zug / Verschwörung im Nordexpress, 1951) in eindringliche Film-Noir-Szenen bannt. Zudem sorgt der nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden von Bretaigne Windust im Regiesessel thronende Raoul Walsh (der jedoch als Regisseur nicht genannt werden wollte) für eine temporeiche Dramaturgie und reichlich Dynamik zwischen den teils exzellenten Darstellern. Ted de Corsia agierte in Stadt ohne Maske / Die nackte Stadt (1948), Jack Lambert in Rächer der Unterwelt / Die Killer (1946), Everett Sloane in Die Lady von Shanghai (1946) und Zero Mostel in Unter Geheimbefehl (1950). Solche Riege gestandener Film-Noir-Bösewichte spielt hier über weite Strecken sogar Humphrey Bogart und Roy Roberts an die Wand. Doch Der Tiger, dessen Handlung -  vergleichbar Robert Siodmak’s Rächer der Unterwelt / Die Killer - in verschachtelten Rückblenden erzählt wird und eine ganze Reihe eindrücklicher Szenen sein eigen nennt, ist als Ganzes nicht annähernd so gut, wie die Referenzliste der Mitwirkenden hoffen lässt.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Die Schwäche dieses im Grunde konventionellen Katz-und-Maus-Thrillers ist sein Drehbuch. Es wimmelt von Ungereimtheiten und unglaubwürdigen Prämissen, die geradezu lächerlich wirken. Gleich zu Beginn kommt die Maschinerie der Untersuchung in Gang, weil der zuvor (im Film aufgrund der Abfolge von  Rückblenden erst später) eisenharte Auftragskiller Duke Malloy (Lawrence Tolan) sich weinend (!) selbst bezichtigt, seine Freundin getötet zu haben, deren Leiche aber nirgendwo gefunden wird. Es gibt nichts, keine Spur einer Tat, doch Nelson und Ferguson laufen aufgeregt durch ihre Amtsstuben. Auch Joseph Rico, jahrelang ein gewissenloser Profikiller, benimmt sich mit Blick auf die einzige Chance, die ihm das Leben noch bietet, zuletzt wie ein Fünfjähriger und geht aus dem Leim. Auch wirkt der Schlüssel zum Finale derart an den Haaren herbei gezogen, dass sich der Zuschauer das Lachen verkneifen muss. Trotz einer bemerkenswerten Menagerie von Rollencharakteren findet sich keine Psychologie, bloß Gut vs. Böse, und trotz Low-key-Ausleuchtung und Rückblenden gibt es insofern wenig Film-Noir-Erleben – auf eine weibliche Hauptrolle hat man in Anbetracht der "heroischen" Ermittlungsarbeit verzichtet und rückt damit in die Nähe von semidokumentarischen Film Noirs wie Geheimagent T (1947) oder Straße ohne Namen (1948). Der Tiger ist ein weiteres Beispiel für den Niedergang des Film Noirs in der McCarthy-Ära, deren Zensur die ursprüngliche Intention der Gattung quasi kastrierte. Für Humphrey-Bogart-Komplettisten, der hier zum letzten Mal für Warner Bros. Pictures vor der Kamera stand, und für die Liebhaber exquisiter Kameraarbeit in Schwarzweiß sehenswert, ansonsten verzichtbar!
 
In den USA liegt The Enforcer (= Originaltitel), ein Titel der Public Domain, schon seit 2003 via Republic Pictures / Artisan als eine spartanische, bildtechnisch aber exzellent restaurierte DVD-Ausgabe vor. Inzwischen gibt es via Arthaus / Studiocanal GmbH (2012) auch eine sehr gute deutsche DVD-Ausgabe, wahlweise deutscher oder englischer Ton, ungekürzt und im Originalformat.
 

Film Noir | 1951 | USA | Bretaigne Windust | Raoul Walsh | Robert Burks | Everett Sloane | Humphrey Bogart | Jack Lambert | John Kellogg | John Maxwell | Roy Roberts | Ted de Corsia | Zero Mostel

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